Kastelruth und seine Geschichte(n)

Leben wo andere Urlaub machen. Für Kastelruth trifft dieser Satz ganz bestimmt zu. Der Ort im Schlerngebiet kann auf eine lange und bewegte Geschichte zurückblicken. Spuren einer ersten Besiedlung führen in die späte Bronzezeit. Später haben Adelsfamilien den Ort geprägt, unter anderem mit den historischen Bauten, die noch heute von ihnen erzählen. Doch auch hier im Urlaubsgebiet endet nicht jede Geschichte mit einem Happy End.

Ein wahres Postkartenmotiv

Der freistehende, ganze 82 Meter hohe Kirchturm mit der barocken Zwiebelhaube beherrscht das Ortsbild von Kastelruth. Selbstbewusst scheint er dem massigen Schlernmotiv im Hintergrund zu trotzen. Erbaut wurde er in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, nachdem ein verheerender Brand am 24. Mai 1753 weite Teile des Dorfes in Schutt und Asche gelegt hatte. 

Dass man sich an diesem Ort einen so imposanten Turm wahrlich leisten konnte, das bestätigt der Blick auf die historischen Gebäude, die noch heute den Dorfplatz rahmen. 
Zu nennen ist das Lächlerhaus, das viele vielleicht noch als Raiffeisenhaus kennen. Heute beherbergt es nach einer umfassende Sanierung ein Trachtenmuseum. Die Familie der Lächler hatte bereits im Mittelalter die Funktion der Richter inne. Rund 250 Jahre lang bewohnten sie das Gebäude, bis es Christoph Kraus zu Krausegg im Jahr 1630 erwarb.

Das Lächlerhaus

Die Krausen: ein Kastelruther Adelsgeschlecht mit ungarischen Wurzeln

Im Jahr 1556 kam ein junger und mittelloser Edelmann nach Kastelruth: Michael Fodor von Sala. Er entstammte dem ungarischen Landadel und wurde als Wolkensteinischer Pfleger ins Schlerngebiet berufen. Bis zu seinem Tod im Jahr 1588 übte er dieses Amt aus. Da seine Ehe mit einer Südtiroler Adeligen kinderlos geblieben war, holte er zwei Verwandte aus Ungarn nach Kastelruth – die Stammväter des späteren Kastelruther Adelsgeschlechtes der Krausen. 

Michaels Neffe Jacob erbaute zwischen 1603 und 1607 an Stelle des früheren Stueter- und Saffranhofes den Ansitz Krausegg – das heutige Rathaus. Dieses Gebäude ist wahrlich platzbestimmend. Es schließt den Dorfplatz zum Kofel hin ab. An einer Seite grenzt es an das schon genannte Lächlerhaus. 

Die Geschichte der Familie Kraus ist zunächst eine wahre Erfolgsgeschichte, die vom sozialen Aufstieg und dem Erblühen eines Tiroler Adelsgeschlechts handelt. Doch im 18. Jahrhundert blieb ihr wirtschaftlicher Niedergang nicht aus. Dies führte so weit, dass für den Erstgeborenen Jakob Kajetan von Kraus schlichtweg die finanziellen Mittel für ein herrschaftliches Leben und eine standesgemäße Ehe fehlten. Wohl aus Verzweiflung schlich er in einer finsteren Nacht im Oktober 1784 aus Kastelruth fort und wurde nie wieder gesehen. 

Platzbestimmend: der Ansitz Krausegg, heute Rathaus

Mehr als 1000 Jahre Geschichte

Nicht nur das Schicksal dieses Krausen ist bis heute ungeklärt. Auch die frühere Geschichte von Kastelruth gibt den Historikern nach wie vor Rätsel auf. 

Die älteste schriftliche Erwähnung von Kastelruth und Seis findet sich in einer Urkunde aus den Jahren 982-988, die einen Tauschvertrag zwischen Bischof Eticho von Augsburg und Bischof Albuin von Brixen dokumentiert. Von “de loco Siusis” (Seis) und “de loco Castellorupto” (Kastelruth) ist hier die Rede. Diese “gebrochene Burg”, also gewaltsam zerstörte Burg, lag – so vermuten Historiker – nicht direkt im heutigen Ort, sondern auf dem dahinterliegenden Hügel, dem Kofel. Wann und warum sie zerstört wurde, lässt sich nicht eindeutig sagen. Möglicherweise war sie eine Festung der Langobarden, die im 7. Jahrhundert von den Bajuwaren bei deren Vorstoß Richtung Süden zerstört wurde.

Dass der Kofel von Kastelruth schon sehr früh bewohnt war, belegen Keramikfunde der späteren Bronzezeit (ca. 1700 bis 1300 v. Chr.). Der bedeutendste archäologische Fund vom Kofel ist ein eiserner Helm aus dem 4./.3 Jh. v. Chr. Er befindet sich heute in den Sammlungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum in Innsbruck.

“Es war das Paradies…” Der Historiker Stefan Grus aus Wiesbaden im Interview

Kürzlich hat uns Stefan Grus, Historiker und bei einem der größten deutschen Spitzensportverbände zuständig für Archiv, Bibliothek und Museum, die bekannten vier “KulturSüdtirol-Fragen” beantwortet. Dabei beweist er auch, das HistorikerInnen – und er im Besonderen – gerade richtig gefragte Leute sind, denn Ihr wisst ja: Geschichte wiederholt sich manchmal doch. Wie leider auch Pandemien, Absagen und Ausfälle von sportlichen Großereignissen. Aber lest am besten selbst…

KulturSüdtirol: Wie erlebst Du die momentane Situation und was hat sich für Dich in den vergangenen Monaten geändert?

Einerseits finde ich die momentane Situation sehr beklemmend. Dass die ganze Menschheit einmal einem solch zerstörerischen Szenario hilflos ausgeliefert sein würde, war vor ein paar Jahrzehnten angesichts des Kalten Krieges noch eine beängstigende Vorstellung, gegen die man sich mit allen (meistens) friedlichen Mitteln wehrte. Ich bin alt genug, um das noch selbst erlebt zu haben.

Andererseits habe ich die Zeit des ersten Lockdowns zwischen März und Mai letzten Jahres als sehr angenehm empfunden. Ich wohne im Herzen von Wiesbaden in einem Altbau im dritten Stock mit einer riesigen Terrasse, von der aus ich bis zum Feldberg gucken kann. Von heute auf morgen fuhr hier kein Auto mehr. Der Frühling kam und es war das Paradies.

Es hört sich zwar hart an, aber die Ruhe, die Entschleunigung allen Lebens, das Verschwinden vieler, die sonst andauernd per E-Mail oder Telefon etwas von mir wollten, habe ich sehr genossen. Heute bedauere ich es fast, diesen Zustand nicht noch mehr ausgekostet zu haben.

Stefan Grus (links).

Denn mittlerweile vermisse ich vieles von dem, dessen Herunterfahren ich beim Ausbruch der Pandemie noch so genossen habe. Wenn wir am Wochenende mit Maske durch die Stadt laufen, sind wir froh, wenn uns jemand einen Kaffee im Plastikbecher to go verkauft. Ich würde gerne mal wieder ins Theater oder ins Kino gehen, ich kann die Pizzakartons und die Kunststoffbehälter unseres Inders, bei dem wir aus Solidarität – und aus Angst, dass er ganz aufgibt – regelmäßig bestellen, nicht mehr sehen. Mir fehlen sogar die in Frankfurt im Fünfminutentakt startenden Flugzeuge, die mich jeden Morgen um 6:00 Uhr geweckt haben.

Was gibt Dir Kraft bzw. was motiviert Dich? Was beschäftigt dich gerade besonders?

Weil ich als Historiker für einen Sportverband arbeite und viel für Sportzeitschriften schreibe, andererseits aber seit einem Jahr kein Wettkampfsport stattfindet, sind viele Seiten für mich frei. Ich kann mich richtig auslassen über ausgefallene oder misslungene Olympische Spiele, wegen Epidemien oder kriegerischen Konflikten verschobene oder beeinträchtigte Weltmeisterschaften und so weiter. Die Menschen schauen gerne auf Parallelen und Beispiele in der Geschichte …
Jedenfalls habe ich selten so viel veröffentlicht, wie in den Monaten der Pandemie, und was das betrifft schäme ich mich fast, von der Pandemie auch noch profitiert zu haben, während viele andere richtig leiden und um ihre Existenzen fürchten müssen.

Ein konkreter Tipp oder eine konkrete Empfehlung für unsere Leserinnen und Leser?

Ich versuche, die äußeren Umstände nicht mein ganzes Leben und meine Stimmung beherrschen zu lassen. Das funktioniert ganz gut, seitdem ich konsequent alle Push-Messages abgestellt habe, kaum noch Nachrichten sehe, immer nur die Zeitung von gestern lese. Das reicht zum Überleben und schafft Distanz.

Wie positiv oder negativ blickst du in die Zukunft?

Ich schaue positiv nach vorne. Der Mensch hat sich schon immer gut angepasst. Meine über 90-jährige Mutter ist zweimal geimpft, meine Frau in ihrer Klinik auch, die Ferienwohnung in Italien haben wir für Juni gebucht und alles andere blende ich aus.

Mehr über Stefan

Seit vielen Jahren hat Stefan Grus sozusagen zwei Schreibtische, die mehrere hundert Kilometer voneinander entfernt stehen. Da wäre zum einen seine Tätigkeit als Historiker für einen Sportverband in Wiesbaden mit etwa 1,4 Millionen Mitgliedern in 20 Landesverbänden. Da ist zum anderen aber auch das Deutsche Schützenmuseum auf Schloss Callenberg bei Coburg, das er als Leiter betreut: Einerseits eines der neuesten Museen dieser Gegend, andererseits eines, das eine besondere lange Geschichte, nämlich die des Schieß- und Bogensports, anschaulich macht, einordnet und sie sogar selbst erleben lässt. Und das einzigartige Ambiente des herzoglichen Hauses Sachsen-Coburg und Gotha – mit Blick zur Veste und nach Coburg – spricht ohnehin für sich. Sobald es also wieder möglich ist, ein Besuch auf Schloss Callenberg ist sicher eine Empfehlung. Nähere Informationen dazu auf der Internetseite Deutsches Schützenmuseum – Schloss Callenberg

“Jede Herausforderung ist eine Chance!” Stathis Kefallonitis von branding.aero im Interview

Viele von uns vermissen Reisen und Unterwegssein. Einer, der das Reisen beruflich und aus wissenschaftlichen Gründen “vermisst” (und zwar im doppelten Wortsinn), ist Stathis Kefallonitis aus Chicago. Er ist Consumer Neuroscientist und Passenger Engagement Strategist – oder anders gesagt: Er arbeitet an der Zukunft des Reisens und des Fliegens, macht sich Gedanken über Reiseerlebnisse und berät Fluggesellschaften und Tourismus auf diesen Gebieten strategisch. Wir freuen uns sehr, dass er sich für KulturSüdtirol Zeit für ein Interview genommen hat.

Das Interview haben wir per Videokonferenz und E-Mail Anfang 2021 auf Englisch geführt. Auch hinsichtlich der Corona-Pandemie spiegelt das Gespräch also diesen Stand wider.

KulturSüdtirol: Wie erlebst Du die aktuelle Situation und was hat sich für Sie in den letzten Monaten verändert?

Stathis Kefallonitis: Das vergangene Jahr war für das Transport-, Tourismus- und Gastgewerbe ein unglückliches. Die COVID-19-Pandemie entwickelte sich zu etwas, was wir noch nie erlebt haben. Unsere Bewegungsfreiheit wurde eingeschränkt. Wir waren nicht in der Lage zu reisen und Familie, Angehörige und Kollegen zu treffen, wie wir es eigentlich gewohnt sind. Jede Herausforderung ist aber auch eine Chance. Für mich persönlich bedeutete es mehr Zeit für die Forschung nach der Frage, wie Reisende auf der ganzen Welt von dieser Pandemie betroffen sind – vor allem auch aus einer emotionalen und Verhaltensperspektive heraus. Die Möglichkeit, Verhaltensweisen mit Hilfe der Biometrie zu untersuchen, hat mir einen neuen Einblick gegeben, wie wir (als Reisende) auf eine solche Pandemie reagieren. Die experimentelle Psychologie und insbesondere die emotionale und verhaltensbiometrische Forschung sind neue Wege, um zu verstehen, wie wir uns verhalten. Solche Informationen sind entscheidend, um als Branche vorausschauend zu planen und letztlich ein besseres Reiseerlebnis zu schaffen.

Was gibt Dir Kraft und was motiviert Dich?

Es ist mir wichtig, starke Verbindungen zu Freunden, Familie und Kollegen zu pflegen. Das sind Menschen, die sich um uns kümmern und uns einen guten Rat geben, wenn wir ihn brauchen. Diese Menschen geben mir Kraft, um persönlich und beruflich weiter zu wachsen. Zu sehen, wie meine Arbeit umgesetzt wird (ein neues Airline-Menü, eine Flugzeug-Innenausstattung usw.) gibt mir die Motivation, weiterzumachen. Anderen etwas zurückzugeben und ihnen zu helfen, ist für mich ebenfalls sehr wichtig. Schließlich hat das, was wir tun, eine Auswirkung auf andere. Es wird viel sinnvoller, wenn es das Leben eines anderen Menschen verbessert.

Ein konkreter Tipp oder eine Empfehlung für unsere Leser?

Niemals aufhören zu träumen und nie aufhören, neue Ziele zu erreichen. Ein Leben, das von lebenslangem Lernen und dem Zurückgeben an andere geleitet wird, ist lohnend. Ich habe immer nach diesen Prinzipien gelebt und werde das auch weiterhin tun.

Wie (positiv oder negativ) blickst Du in die Zukunft? Und warum?

Früher war ich ein Grübler, habe immer an morgen gedacht, geplant und mir Sorgen gemacht. In den letzten Jahren bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass ein positiver Ausblick auf das Leben die bessere Strategie ist. Positive Energie und gute Gedanken helfen dabei, Stress zu minimieren. Selbst wenn die Dinge nicht so laufen wie erwartet, haben wir immer noch die Genugtuung, dass wir unser Bestes getan haben.

Über Dr. Stathis Kefallonitis, branding.aero

Als Consumer Neuroscientist und Passenger Engagement Strategist bin ich immer auf der Suche nach den authentischen Erlebnissen, die jemanden begeistern können. Das sind meist die kleinen Details, die Reisende berühren. Kostenlose Annehmlichkeiten, die auf Sie warten, sobald Sie Ihr Hotelzimmer betreten (wie z.B. das Amuse Bouche des Küchenchefs zur Begrüßung), prägen sich immer ein. Oft halten Fluggesellschaften einen abfliegenden Flug für ein paar Minuten auf, damit Anschlusspassagiere ihren Anschluss erreichen können. Manchmal wird sogar eine Limousine geschickt, die die Passagiere am Flugzeug abholt und sie zum nächsten Flug bringt. Das kann für jemanden, der es eilig hat unbezahlbar sein! Wir vergessen oft, dass wir Menschen, und diese kleinen Details können ein Erlebnis ausmachen oder zerstören. In diese Richtung arbeite ich weiter und will damit Flug-, Reise- und Tourismusunternehmen dabei helfen, ihre Marke in einzigartige Produkte und Services zu übersetzen. Für diejenigen, die mir und meinen Reisen folgen möchten, finden mich auf Instagram unter @dr.kefallonitis.

Bilder über Bilder: Die Stadtgasse in Bruneck

Südtirol ist ein bilderreiches Land. Dies trifft ganz besonders auf die Stadtgasse von Bruneck zu. Wer hier von einem Stadttor zum anderen bummelt, wird links und rechts von historischen Bürgerhäusern begleitet. Die Wandmalereien an den Fassaden wissen gar einiges zu erzählen!

Ein Bischof am Stadttor

Die Stadtgasse ist das Herzstück von Brunecks Altstadt. Sie erstreckt sich vom Oberen Tor (auch Ragentor oder Unterrainertor genannt) im Osten bis zum Ursulinentor im Westen. Bis ins 19. Jahrhundert nahm sie den gesamten Verkehr durch die Stadt auf, heute ist sie Fußgängerzone. Die Stadtgasse wird von zwei Häuserreihen flankiert und reicht, genauso wie die Burg Bruneck, in die Zeit um 1250 zurück. Die älteste urkundliche Erwähnung von Bruneck datiert ins Jahr 1256.

An den Gründer der Stadt, den Brixner Bischof Bruno von Kirchberg, erinnert die Malerei auf dem Oberen Tor. Sie zeigt den Bischof in seinem Ornat in einer Nische stehend. Zwei Putten reichen ihm das Modell der Burg Bruneck. Die gesamte Szene ist in eine Nische gestellt, die in barocker Manier von reich gestalteten Säulen und Giebeln umrahmt wird. Gemalt wurde das Bild im Jahr 1922 von Hans Weber.

Bischof Bruno von Kirchberg an prominenter Stelle am oberen Stadttor.

Hingucker Ornamentfassade

Wesentlich älter ist die Fassadenbemalung des schmalen Stadthauses Nr. 23. Das dreidimensionale Ornamentmuser in rot, weiß und schwarz erstreckte sich ursprünglich wohl über die oberen drei Stockwerke. Ein echter Hingucker! 

Zwischen den beiden Fenstern im ersten Stock hat sich eine reizende Darstellung von Adam und Eva erhalten, die – wohl einer Druckgrafik nachempfunden – in schwarz-weiß ausgeführt wurde.

Adam und Eva zwischen zwei Fenstern.

Michael Pacher und Bruneck

In der Stadtgasse steht noch heute jenes Haus, das sich im 15. Jh. im Eigentum Michael Pachers befand und dem Maler und Bildhauer als Wohnung und Werkstatt diente. An der Fassade des ehemaligen Nachbarhauses (das heute zusammen mit dem Haus Michael Pachers zu einem Gebäude zusammengefasst ist und den Namen “Neuhauserhaus” trägt) wurden die Reste von Wandmalereien aus der Renaissance freigelegt. Sie zeigen Fabelwesen, Spruchbänder und Rankenmalerei. Der noch zum Teil sichtbare schwarz-goldene Adler stammt von einer älteren, darunter liegenden Malschicht.

Fabelwesen, Spruchbänder und Rankenmalereien. Der Adler rechts unten gehört zu einer älteren Malschicht.

Ein Stück Kloster Neustift in Bruneck

In einem Gebäude am unteren Ende der Stadtgasse war lange Zeit die Stadtbibliothek von Bruneck untergebracht. Bis ins 18. Jahrhundert hinein war dieses auffallend massige und niedere Haus Eigentum des Klosters Neustift. Darauf verweisen die gemalten Wappen an der Fassade, die allesamt einem Propst des Klosters zuzuordnen sind. Der Wappenstein über der Eingangstür stammt aus dem Jahr 1547. Er zeigt das Wappen des Propstes Hieronymus Piesendorfer und die Inschrift “Vivat Felix Novacella”.

Das ehemalige Amtshaus von Kloster Neustift in Bruneck.

Das Athesia-Haus

1967 bemalte Heiner Gschwendt (1914-2012) die Sichtbeton-Fassade des Athesia-Hauses. Das Geschäftshaus selbst wurde nach Plänen der Architekten Othmar Barth errichtet. Auch im Inneren schmücken Malereien von Gschwendt die Wände.

Detail der Fassadenbemalung mit der Signatur des Künstlers Heiner Gschwendt.

Fotos: Johanna Bampi.


Redaktionsbesuch beim “Nordschleswiger” in Dänemark

Gwyn Nissen Interview KulturSüdtirol

“Der Nordschleswiger” ist durchaus etwas Besonderes: Die Tageszeitung erscheint im Süden Dänemarks in deutscher Sprache und ist damit eine Minderheitenzeitung in Europa, wie es sie auch hier in Südtirol gibt. Er erschien erstmals am 2. Februar 1946. Seit Dezember 1951 ist „Der Nordschleswiger“ eine Tageszeitung – eine der kleinsten in Dänemark. Und genau 70 Jahre später, am 2. Februar 2021, wird eine Ära zu Ende gehen: Dann erscheint der letzte gedruckte “Nordschleswiger”.

Der 2. Februar wird ohne Frage ein außergewöhnlicher Tag in der Geschichte des “Nordschleswigers”. Die deutsche Tageszeitung in Dänemark wird an diesem Tag 75 Jahre alt und startet in eine rein digitale Zukunft. Trübsal bläst die Redaktion jedoch nicht. Denn für die kleine Zeitung geht es digital und voller Optimismus weiter. KulturSüdtirol hat die Gelegenheit genutzt, um mit Gwyn Nissen, dem Chefredakteur der Zeitung, zu sprechen.

Bild: Der Nordschleswiger

In den besten Jahren hatte die Zeitung eine Auflage von über 4.000 Exemplaren, heute sind es noch 1.100 Abonnenten, die täglich die Papierausgabe erhalten. “Das bereitet der deutschen Minderheit in Dänemark vor allem zwei Probleme: Zum einen fehlt die kritische Masse, und die Druckkosten sind dadurch unverhältnismäßig teuer geworden. Noch gravierender ist allerdings, dass es die Minderheit heute nicht mehr schafft, über ihre Tageszeitung alle Mitglieder zu erreichen. Vor allem die Jüngeren lesen heute keine Zeitung auf Papier mehr – das ist auch in der deutschen Minderheit so”, erläutert Chefredakteur Gwyn Nissen.

Die Digitalisierung einer kleinen Zeitung: Keine Bedrohung, sondern eine Chance.

Er übernahm 2013 nach dem langjährigen Chefredakteur Siegfried Matlok die Leitung des “Nordschleswigers” mit der Aufgabe, die Digitalisierung des Mediums umzusetzen. “Natürlich werden wir, wie unsere LeserInnen auch, die gedruckte Zeitung vermissen – aber wir wollen der Zeitung nicht nachweinen. Wir sehen die Digitalisierung nicht als eine Bedrohung, sondern vor allem als eine Chance, noch mehr Leute zu erreichen, als es heute der Fall ist. Dass das nicht nur Wunschdenken ist, sehen wir bereits deutlich an unseren Zahlen”, erklärt der Chefredakteur.

Gwyn Nissen, Chefredakteur des “Nordschleswiger” in seiner Redaktion: Druckerpresse, alte Bleilettern – und die allgegenwärtige Handdesinfektion. Blattmachen zwischen Vergangenheit und (Corona-)Gegenwart…
Bild: Der Nordschleswiger

Mehr Präsenz, mehr Reichweite

Die Webseite www.nordschleswiger.dk hat innerhalb kürzester Zeit 6.000 bis 8.000 tägliche Nutzer, und bei Breaking News sind es schon mal 25.000 bis 30.000 – in Einzelfällen sogar mehr. Bisheriger Höchststand waren 150.000 Seitenaufrufe an einem Tag. Hinzu kommt die Aufmerksamkeit auf diversen sozialen Plattformen.

“In der deutschen Minderheit ist viel darüber diskutiert worden, ob wir ohne Tageszeitung an Präsenz verlieren könnten. Wir können aber feststellen, dass unsere Präsenz und Reichweite dank der digitalen Möglichkeiten nie größer gewesen sind als heute. Das gilt sowohl innerhalb der deutschen Minderheit als auch in der Mehrheitsbevölkerung – und es gilt sowohl nördlich als auch südlich der Grenze”, sagt Gwyn Nissen. 

Nach einer längeren Umstellungsphase freut er sich darüber, dass sich die MitarbeiterInnen des “Nordschleswigers” ab Februar hundertprozentig auf die digitalen Möglichkeiten konzentrieren können.

Kostenlose digitale Nutzung

Vorläufig erscheint “Der Nordschleswiger” mit einer 14-tägigen Printausgabe, die mit Nachrichten aus dem Online-Auftritt zusammengestellt wird. Diese Zeitung wird übrigens in Zukunft in der Druckerei der dänischen Minderheitenzeitung, „Flensborg Avis“, in Flensburg gedruckt. Auch ein Novum in der Geschichte des deutsch-dänischen Grenzlandes – und ein Beweis für gute nachbarschaftliche Zusammenarbeit.

“Dieses Angebot mit Nachrichten aus der Minderheit gibt es für die nicht digitalen LeserInnen bei uns im Landesteil”, erklärt Nissen. “Im tagesaktuellen Geschehen gilt unsere ganze Aufmerksamkeit nun aber den digitalen Möglichkeiten, und für alle Nutzer sind die digitalen Angebote über die Webseite oder Apps kostenlos.”

Das Medienhaus des “Nordschleswiger” in Apenrade / Aabenraa (DK)
Bild: Der Nordschleswiger, CC BY-SA 4.0

Große digitale Nutzungsbereitschaft in Dänemark

Die Digitalisierung des „Nordschleswigers“ ergibt laut Chefredakteur Sinn, zumal 90 Prozent der DänInnen ein Smartphone haben.

“Dänemark verfügt über eine hervorragende digitale Infrastruktur mit mobilen 4G- und 5G-Netzwerken sowie einem hohen Ausbaugrad bei den Glasfaseranschlüssen – vor allem in Süddänemark und auch auf dem Land. Hinzu kommt eine hohe Bereitschaft in der dänischen Bevölkerung, digitale Lösungen zu nutzen – auch unter SeniorInnen. Deshalb ist dieser digitale Schritt überhaupt erst für uns möglich“, berichtet Gwyn Nissen.

Bild: Der Nordschleswiger

Im Gespräch mit KulturSüdtirol betont er ferner: “Die Lage in unserer Grenzregion war – bedingt durch Corona – schon einmal schlimmer. Inzwischen sind wieder alle Grenzübergänge zwischen Deutschland und Dänemark geöffnet. Aber ja, die Zahnräder des Grenzlandes greifen nicht immer perfekt ineinander – das spürt man bei solchen Herausforderungen wie Corona ganz besonders!”

Fakten – “Der Nordschleswiger”

  • “Der Nordschleswiger” berichtet primär aus und für die deutsche Minderheit in Nordschleswig/Dänemark. Es gibt Redaktionen in Apenrade/Aabenraa (Hauptredaktion), Hadersleben/Haderslev, Sonderburg/Sønderborg, Tondern/Tønder sowie Tingleff/Tinglev. In den drei erstgenannten Orten teilt sich „Der Nordschleswiger“ die Redaktionsräumlichkeiten mit dem dänischen Medienunternehmen Jysk Fynske Medier.
  • “Der Nordschleswiger” wird nach dem digitalen Übergang etwa 30 MitarbeiterInnen beschäftigen.
  • Neben den Nachrichten auf www.nordschleswiger.dk sowie in den dazugehörigen Apps, liefert “Der Nordschleswiger” zweimal täglich eine kurze Nachrichtensendung an den Radiosender skala.fm. Außerdem produziert „Der Nordschleswiger“ auf www.grenzgenial.dk digitales Unterrichtsmaterial für den Deutsch-Unterricht an dänischen Schulen. Das Unterrichtsportal wird vom dänischen Kulturministerium gefördert.
  • “Der Nordschleswiger” erhält jährlich Zuschüsse von der Dachorganisation der deutschen Minderheit, dem Bund Deutscher Nordschleswiger, die diese Mittel von der Bundesrepublik Deutschland bezieht, sowie von der dänischen Medienförderung.

Fakten – die deutsche Minderheit in Dänemark

  • Die deutsche Minderheit in Nordschleswig/Dänemark zählt zwischen 12.000 und 15.000 Mitglieder. Die Minderheit entstand 1920 bei der Grenzziehung zwischen Dänemark und Deutschland, wobei Deutschgesinnte bei der Grenzverschiebung plötzlich zu Dänemark gehörten.
  • Die deutsche Minderheit betreibt neben dem Medienhaus “Der Nordschleswiger” unter anderem 20 Kindergärten, 15 Schulen, Büchereien, Sport- und Rudervereine, ein Museum, eine Sporthalle, einen Landwirtschaftsverein sowie soziale und kulturelle Aktivitäten. Mehr dazu unter www.bdn.dk und www.nordschleswig.dk

Der Schlern: diesen Berg (er)kennt jeder!

Mit seinem mächtigen Bergrücken und den beiden vorgelagerten Spitzen ist er eine wahrhaft imposante Erscheinung. Die Rede ist vom Schlern, dem Wahrzeichen Südtirols.  Auch für Laien ist dieser Berg aufgrund seiner ungewöhnlichen Form leicht zu erkennen. Und dies, obwohl natürlich auch er von allen Seiten etwas anders ausschaut. 

Immer eine Augenweide

Das Foto unten zeigt den Blick auf den Schlern von der Seiser Alm. Hier schließt er die weite Fläche der Alm mit seinem langgezogenen Bergrücken und der Santner- und der Euringerspitze ab. Betrachtet man den Schlern von Seis oder von Kastelruth aus, dann bestimmt ganz eindeutig die Santerspitze das Bild. 
Ähnlich wie von der Seiser Alm aus gesehen, aber „seitenverkehrt“, präsentiert sich der Schlern für alle, die ihn von Völs aus betrachten. Oder auch aus größerer Distanz, wie etwa von Bozen oder Jenesien aus. Und der Blick vom Ritten auf den Schlern und die Dolomiten gehört ohnehin zu den klassischen Postkartenmotiven aus Südtirol. 

Abendstimmung auf der Seiser Alm.

Petz, Burgstall, Mull und Jungschlern

Die höchste Erhebung des Schlern trägt den Namen Petz. Hier, auf einer Höhe von 2.563 m, steht das Gipfelkreuz. Die Hochfläche, die im Sommer nicht nur von Wandereren besucht wird, sondern auch als Weidefläche für Kühe dient, scheint unendlich. Grüne Wiesen, weiße Steine, ein leichtes Auf und Ab. Dazwischen das beeindruckende Schlernhaus, mehr als eine kleine Schutzhütte. Und etwas unterhalb davon steht die Kassianskapelle.  

Kenner benennen durchaus noch weitere Teile “ihres” Berges namentlich. Burgstall heißt der nördliche Rand des Schlern, der Mull ist der südliche Teil der Hochfläche, der eine weitere, noch etwas südlicher liegende Abstufung überragt, die wiederum den Namen Jungschlern trägt. Burgstall und Mull sind durch eine tiefe Schlucht, die Klamm, voneinander getrennt. 

Zwischen Seis und St. Oswald hat man den Schlern stets im Blick.

Johann Santner, Gustav Euringer und die Schlernhexen

Zum Schluss wagen wir noch einen Blick in die Geschichte. Die beiden Spitzen sind nach ihren Erstbesteigern benannt. Johann Santner erklomm am 2. Juli 1880 als Erster und alleine die vordere Spitze, die vorher unterschiedliche Namen trug, zum Beispiel “Großes Schlernhorn”. Nur wenige Jahre später, im Sommer 1884, standen Gustav Euringer und G. Battista Bernard als Erstbezwinger auf dem Gipfel der Euringerspitze. 

Fast am Ziel: links die Schlernhäuser, rechts der Petz mit dem Gipfelkreuz.

Der Schlern selbst zieht schon seit Jahrtausenden Menschen in seinen Bann. Auf dem Burgstall befand sich bereits am Ende der Bronzezeit, also um 1000 v. Chr., eine Brandopferstätte. Darauf weisen die dort gefundenen Keramikscherben hin. 

Und schließlich gibt es da noch die Schlernhexen, die den Berg seit Menschengedenken bewohnen, auch wenn sie bisher noch nicht gesehen wurden. Doch von den Hexenbänken am Puflatsch, so die Sage, genießen sie die Aussicht auf “ihren” Berg, allerdings nur nachts. Denn tagsüber ist dieser herrliche Aussichtspunkt Mensch und Tier vorbehalten. 

So präsentiert sich der Schlern vom Ritten aus.

Seide, Bier und alte Meister

Was haben Seide, Bier und alte Meister gemeinsam? In Brixen sind alle drei eng Leopold Bisdomini verbunden, einem Geschäftsmann, der seine Wahlheimat liebte. Sein Name steht für ungebrochene Tatkraft und nicht versiegenden Ideenreichtum. Ein Blick zurück ins frühe 19. Jahrhundert.

Vom Postkontrollor zum erfolgreichen Geschäftsmann

Noch heute erinnert im städtischen Friedhof von Brixen ein Grabstein an den „Wohlgeborne[n] Herr[n] Leopold von Bisdomini“, der am 17. September 1846 in seinem Wohnhaus in der Säbenertorgasse starb. Der Name ist aus Brixens Geschichte nicht mehr wegzudenken. Leopold Bisdomini war ein vielseitiger Geschäftsmann mit einem Sinn für die schönen Dinge. Ob er, wie die Inschrift auf seinem Grabstein suggeriert, tatsächlich mit einem Adelsprädikat ausgezeichnet wurde, ist allerdings umstritten.
 
Eigentlich stammte Leopold Bisdomini aus dem Trentino. Er wurde 1769 in Trient geboren. 1794 kam er als Postkontrollor nach Brixen, wo er bis zum Feldpost-Direktor aufstieg.

In Brixen fand er auch sein privates Glück. Er heiratete Anna Peintner, die Witwe des Bierbrauers Josef Obermayr. Seine Frau brachte ein Stadthaus und das Glöcklgut in Burgfrieden (heute ein Stadtteil von Brixen) mit der dazugehörenden Bierbrauerei in die Ehe mit ein. Die Familie bewohnte das Stadthaus in der Säbenertorgasse.

Bisdomini übernahm die Führung der Bierbrauerei für seinen noch minderjährigen Stiefsohn. Die Geschäfte liefen gut, und 1815 gelang es ihm, den Ansitz Unterköstlan zu erwerben. Anschließend verlegte er die Brauerei vom Glöcklgut nach Unterköstlan.

Der Grabstein von Leopold Bisdomini und seiner Enkelin Leopoldine Gasser an der Friedshofskapelle

Der Kunstliebhaber

Der Ansitz Unterköstlan war bereits damals ein stattliches Gebäude. Einer der früheren Eigentümer, der Brixner Weihbischof Jesse Perkhofer, hatte ihn im 17. Jahrhundert im Renaissancestil ausbauen lassen. Hier fand Bisdomini einen würdigen Rahmen für seine wachsende Gemäldesammlung, die er im zweiten Stock des Ansitzes unterbrachte.

Ja, Bisdominis Leidenschaft galt der Kunst. Er trug zahlreiche gotische Tafelbilder zusammen, von denen ein großer Teil noch zu seinen Lebzeiten vom damals neu gegründeten Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum erworben wurde. Das bekannteste Tafelbild aus Bisdominis Sammlung ist vermutlich das Porträt des Brixner Domherrn Gregor Angerer aus dem Jahr 1519, das Marx Reichlich zugeschrieben wird und zu den ältesten Tiroler Porträts überhaupt zählt.

Bisdomini war nicht nur ein eifriger Sammler von Kunstwerken. Ihm schwebte die Realisierung einer Art Akademie oder zumindest eines Künstlertreffpunktes für Brixen vor. Also gründete er im Jahr 1802 die “Chalkographische Anstalt”, eine Druckerei für Kupferstiche. Er, der Geldgeber, holte sich den Maler Pietro Marchioretto und den Kupferstecher Gaetano Zancon mit ins Boot. Doch die Zusammenarbeit mit Zancon verlief nicht lange reibungslos. Bereits ein Jahr später wurde Zancon durch Joseph Andreas Manz ersetzt. Insgesamt dürfte die “Chalkographische Anstalt” nur bis 1804 bestanden haben. Mit dieser Geschäftsidee war Bisdomini leider gescheitert. 
Heute haben die raren Aquatinten aus Brixen jedoch einen hohen Sammlerwert. Nur sechzehn verschiedene Motive sind bekannt. Einige Druckplatten wurden später von anderen Verlagen übernommen und neu aufgelegt. 

Seide “made in Brixen”

Wesentlich erfolgreicher war der Geschäftsmann Bisdomini mit der Bierbrauerei. Später bewies er auch in der Textilbranche beachtliches Geschick: mit der Zucht von Seidenraupen und dem Verkauf von Seide “made in Brixen”. Zahlreiche Maulbeerbäume ließ er 1828 anpflanzen. Über zehntausend sollen es gewesen sein. Gewoben wurde die Seide im Glöcklgut in Burgfrieden.

Später führte Bisdominis Schwiegersohn Peter Ostheimer die erfolgreiche Seidenproduktion weiter. Ihren Niedergang erlebte Bisdomini nicht mehr. Er starb 1846 – nur wenige Jahre, bevor durch eine in ganz Europa grassierende Seidenraupenseuche die Produktion der kostbaren Stoffe auch in Brixen zum Erliegen kam. Einige wenige der hohen Maulbeerbäume stehen noch heute und spenden Radfahrern und Spaziergängern an der Eisackpromenade Schatten. 

Das “neue” Brauhaus aus dem Jahre 1890, errichtet von den Brüdern Seidner.

Wie es weiterging

Aus der Seidenproduktion Ostheimer wurde im 19. Jahrhundert eine beliebte Gaststätte. Das Gebäude in der Burgfriedengasse 16 steht noch heute. 
Die Bierbrauerei konnte Bisdominis Stiefsohn nicht halten. Er verkaufte sie an an Ignaz Seidner aus Hall. Dessen Söhne Hugo und Otto errichteten 1890 ein neues Brauhaus. Bis 1924 wurde hier von der Familie Seidner Bier gebraut, das vor allem auf dem italienischen Markt vertrieben wurde. In den 1990er Jahren wurden beide Gebäude renoviert. Der achteckige Gärturm erinnert noch heute an die ehemalige Bierbrauerei.


Zum Weiterlesen

Ignaz Mader, Leopold von Bisdomini. Sein Lebensbild und die Brixner Kupferdruckanstalt, in: Der Schlern 14 (1933), S. 371-377.


Fotos: Alle Fotos stammen von Johanna Bampi. Das erste Foto zeigt den Ansitz Unterköstlan.


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Mühlbach: Wo die Grafen von Görz-Tirol ihre Macht demonstrierten

Wer ins Pustertal fährt, kommt an Mühlbach nicht vorbei. Der Ort liegt an einer ziemlich schmalen Stelle des Tales. Der historische Ortskern ist dicht bebaut. Auch die Häuser auf dem Sonnenhang Richtung Meransen schmiegen sich eng aneinander. Auffallend ist der städtische Charakter des Ortes, der von einem grün gedeckten Kirchturm überragt wird. Dies hat, wenig überraschend, mit der Geschichte von Mühlbach zu tun.

Ein Edelmann ohne Erben

Wir lassen die Geschichte von Mühlbach mit dem Jahr 1269 beginnen. Genau genommen ist der Ort jedoch älter. Darauf weisen frühere Nennungen von “Mulibah” hin. Allerdings wissen wir nicht genau, wie dieses “Mulibah” ausgesehen hat.

Ganz genau dokumentiert ist jedoch eine wichtige Handlung aus dem Jahr 1269. Damals übergab der kinderlose Friedrich von Rodank sowohl Schloss Rodenegg als auch die dazugehörende Herrschaft Rodeneck – und damit auch den kleinen Ort Mühlbach – an die Grafen Meinhard und Albert von Görz-Tirol. Doch er stellte Bedingungen: Die Grafen mussten sich verpflichten, hier einen befestigten Markt zu errichten. 

Noch heute bestimmen der grün gedeckte Kirchturm und der Ansitz Freienturm das Bild von Mühlbach.

Dieser Wunsch war gewiss auch im Sinne der beiden Grafen, denn sie setzten ihn sogleich um: Ein Ackerfeld nordöstlich der Kirche wurde zum Marktplatz umfunktioniert und durch eine neu erbaute Häuserzeile entsprechend abgeschlossen, am östlichen Ortsausgang ließ Meinhard einen Maierhof errichten. Zumindest an der Südseite des Ortes wurde eine Ringmauer erbaut, die sich bis heute weitgehend erhalten hat. Auch der Kern des späteren Ansitzes Freienturm, auf dem obigen Foto der massige Bau am Ortseingang, entstand vermutlich in dieser Zeit.

Bei einem dürfte der Ausbau von Mühlbach jedoch auf wenig Gegenliebe gestoßen sein: bei Bruno von Kirchberg, Fürstbischof von Brixen. Aus einer Urkunde von 1277 erschließt sich, dass dieser erst nachträglich und wohl eher widerwillig das Grundstück, auf dem der Mühlbacher Marktplatz errichtet worden war und das sich genaugenommen im Besitz der Kirche von Mühlbach befunden hatte, dem Grafen Meinhard von Görz-Tirol als Erblehen verlieh.

Auf der alten Landstraße von Mühlbach nach Schabs

Die alte Landstraße von Mühlbach nach Schabs

Die alte Landstraße von Mühlbach nach Schabs ist heute ein beliebter Spazierweg. Sie führt zunächst hinauf auf eine kleine Anhöhe mit der Stöcklvaterkapelle. Nach wenigen Metern markiert der Spingeser Bach die Grenze zwischen den Gemeinden Mühlbach und Schabs. Läuft der Weg auf Mühlbacher Seite inzwischen vorwiegend durch ein Wohngebiet und nur kurz durch einen bewaldeten Abschnitt, so liegt er auf Schabser Seite inmitten von Wiesen und gibt den Blick auf die Landschaft frei. Auf die Hänge von Rodeneck mit dem Hauptort Vill, der Pfarrkirche und der langgezogenen Burganlage von Schloss Rodenegg. Auf den Maurerberg und die Plose. 

Einmalig: der Blick auf Vill, Schloss Rodenegg, den Maurerberg und die Plose

Die Stöcklvaterkapelle

Einsam im Wald liegt am Wegesrand die Stöcklvaterkapelle. “Stöckl” nennt man im Pustertaler Dialekt eine gemauerte Kapelle. Der “Stöcklvater” ist eine barocke Holzskulptur, die den “Herrn im Elend” darstellt: einen sitzenden Christus, geschunden von der Geißelung, mit Dornen gekrönt. Die Holzfigur ist rund eineinhalb Meter groß. Sie trägt eine Kette mit zwei Votivgaben in Form von Herzen um den Hals. Ein roter Mantel bedeckt ihre Schultern. Der Bildhauer Raphael Warat aus Brixen schuf im Jahre 1659 die Holzfigur, die zu einem beliebten Wallfahrtsbild wurde. 

Die Stöcklvaterkapelle liegt idyllisch im Wald.

Schon bald konnte das kleine “Stöckl” die zahlreichen Gläubigen nicht mehr fassen. Auf Wunsch der Bürger von Mühlbach und mit deren finanziellen Mitteln wurde die Kapelle 1729 vergrößert. Außen schmücken den Bau Fresken aus dieser Zeit. Noch heute ist die Stöcklvaterkapelle das Ziel von Wallfahrern und lädt auch Spaziergänger zu einem Moment der Besinnung ein.


Zum Weiterlesen

Das Buch über die Marktgemeinde Mühlbach ist immer noch eine Fundgrube für alle, die mehr über die abwechslungsreiche Geschichte wissen wollen. Franz Heinz Hye (Hrsg.), Der alte Markt Mühlbach, Mühlbach 1979. Auf der Website der Landesbibliothek Dr. Friedrich Teßmann kann man online darin blättern.


Fotos: Johanna Bampi


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Im neuen Jahr lesen wir uns wieder!

Beste Grüße,
Johanna Bampi und Benjamin Zwack