Der KulturSüdtirol-Jahresrückblick

Was für ein Jahr!” Wer hat diesen Ausspruch heuer nicht in den Mund genommen?

Für KulturSüdtirol gilt der Satz im positivsten Sinn: Fast 20.000 Leserinnen und Leser haben in den zurückliegenden zwölf Monaten kultursuedtirol.com aufgerufen und so für weit über 50.000 Seitenaufrufe gesorgt.

KulturSüdtirol – Menschen, Orte, Einblicke

KulturSüdtirol wird also nicht nur gerne, sondern auch intensiv gelesen. Und dafür sagen wir heute Danke – für Euer Interesse, für Eure Treue und Eure tollen Rückmeldungen auf unsere Internetseite, aber auch unseren Newsletter (den Ihr übrigens ganz einfach hier mit wenigen Klicks bestellen könnt)!

Bevor wir schon Anfang des neuen Jahres in Zusammenarbeit mit dem Geschichts- und Kulturverein Regensburg-Kumpfmühl (GKVR) in mehreren Beiträgen auf Entdeckungsreise durch Brixens Partnerstadt Regensburg starten, haben wir für Euch heute noch einmal die drei beliebtesten KulturSüdtirol-Beiträge aus dem Jahr 2020 zusammengestellt.

Viel Spaß beim (Nach-)Lesen – kommt gut ins neue Jahr!

Die beliebtesten KulturSüdtirol-Beiträge 2020

Platz 3: Die Eidechsspitze in Südtirol
„Hegedex“ wird die Eidechsspitze in den Pfunderer Bergen von den Einheimischen genannt. So heißt die Eidechse im lokalen Dialekt. Als „erster Berg“ des Pfunderer Tales hoch über Weitental und Terenten beherrscht sie, von Brixen kommend, den Blick ins Pustertal. Dank ihrer charakteristischen Westflanke ist sie leicht erkennbar. Weiterlesen

Platz 2: Jesse Perkhofers Dienstreise nach Regensburg 1640
Was für viele von uns inzwischen unvorstellbar war, wurde Mitte März zur Realität: Länder schlossen innerhalb der EU und auch für EU-Bürger ihre Grenzen. Inzwischen sind Lockerungen eingetreten und angekündigt worden, doch den bisherigen Status quo haben wir noch nicht erreicht. Weiterlesen

Platz 1: Heinrich und Thomas Mann in Südtirol
Im Juli 1901 weilten zwei Brüder und bis dato wenig bekannte Schriftsteller im Mitterbad in Ulten zur Kur: Heinrich und Thomas Mann. Der jüngere von beiden – Thomas Mann – feierte im Juni 2020 seinen 145. Geburtstag. Weiterlesen

Für den Jahreswechsel – und darüber hinaus: KulturSüdtirol auf Instagram!

KulturSüdtirol gibt es nicht nur auf www.kultursuedtirol.com.

Ganz neu: Der KulturSüdtirol-Instagramkanal. Schon abonniert?
www.instagram.com/kultursuedtirol_com

Frohe Weihnachten!

Liebe Leserinnen und Leser,

wir wünschen Euch von Herzen ein frohes Weihnachtsfest, einige erholsame Feiertage und alles erdenklich Gute im neuen Jahr 2021.

Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle für Eure Treue zu KulturSüdtirol und die vielen positiven Rückmeldungen zu unserer E-Mailaktion im November und Dezember. Wir wissen Euer Lob sehr zu schätzen und freuen uns darüber sehr.

Im neuen Jahr lesen wir uns wieder!

Beste Grüße,
Johanna Bampi und Benjamin Zwack

Der KulturSüdtirol-Adventskalender: Jeden Morgen um 7:00 per E-Mail.

Vom 1. bis 24. Dezember 2020: Täglich um 7:00 Uhr per E-Mail ein spannender, neuer Beitrag, immer unter dem Motto “Hättet Ihr gewusst…?”.

Mit KulturSüdtirol durch den Advent: Spannende Einblicke in die Partnerstädte Regensburg und Brixen, Oberpfalz und Südtirol – und weit darüber hinaus. Interessante Menschen, faszinierende Geschichte, neue Facetten aus unserem Alltag. Damit verkürzen wir die Zeit bis Weihnachten ganz bestimmt!

Alles, was Ihr tun müsst, um ab 1. Dezember dabei zu sein: Hier beim KulturSüdtirol-Newsletter anmelden. Und falls Ihr schon im November dabei gewesen seid, ist eine erneute Anmeldung nicht nötig. Schon jetzt gute Unterhaltung und viel Vergnügen, den ganzen Advent lang!

Alle bisher erschienenen Ausgaben auf einen Blick:

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 01.12.2020: Das Rathaus in Meran

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 02.12.2020: Hubert Eblenkamp

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 03.12.2020: Oskar von Redwitz im Schillerpark Meran

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 04.12.2020: Kameramann Willi Rainer

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 05.12.2020: Kastelruth

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 06.12.2020: Mühlbach

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 07.12.2020: Kristoffer Eliassen

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 08.12.2020: Die Seiser Alm

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 09.12.2020: Die Rodenecker Alm

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 10.12.2020: Theresa Wolf

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 11.12.2020: Die Radlseehütte

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 12.12.2020: Simone Weber im Interview

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 13.12.2020: Die Eidechsspitze in Südtirol

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 14.12.2020: “Regensburg” in Ungarn, “Südtirol” in Estland

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 15.12.2020: Der Schlern

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 16.12.2020: Christian Springer, Orienthelfer e.V.

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 17.12.2020: Christophorus in Südtirol

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 18.12.2020: Irina Graf von themiceblog.com

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 19.12.2020: Sabine Kühne in Rom

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 20.12.2020: Nina Schuster

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 21.12.2020: Zum Weihnachtsmann nach Finnland

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 22.12.2020: Ulrike Wörndle vom Reisebüro Seiseralm

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 23.12.2020: Ein Ausblick auf 2021

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 24.12.2020: Johanna und Benjamin

KulturSuedtirol im November: Das Newsletterarchiv

Wir starten gemeinsam mit Euch in einen Monat, den es so vermutlich noch nie gab. Aber: Wir haben etwas dagegen – nämlich 30 positive Einblicke, interessante Menschen und unterhaltsame Geschichten. Also ein gemeinsamer Perspektivenwechsel früh am Morgen. Täglich um 7 Uhr in Deinem Posteingang.

Übrigens: Auch neue Leserinnen und Leser sind jederzeit willkommen. Einfach unter http://newsletter.kultursuedtirol.com anmelden und keine Ausgabe mehr verpassen.

Hier die bislang erschienenen Ausgaben auf einen Blick:

Zum Start von “30 Tage, 30 gute Nachrichten”: So funktionierts.

Sonntag, 1. November 2020: Ein Sonntagsspaziergang entlang des Geschichtsparcours

Montag, 2. November 2020: Omas Gewürzkuchen aus den 30ern

Dienstag, 3. November 2020: Der Musiker Christoph Wiatre im Interview

Mittwoch, 4. November 2020: Ein fingierter Brief aus Brixens Partnerstadt Regensburg…

Donnerstag, 5. November 2020: Schloss Rodenegg

Freitag, 6. November 2020: Erik Fosnes Hansen – Ein Hummerleben

Samstag, 7. November 2020: Christian Straub im Interview

Sonntag, 8. November 2020: Ein Sonntagsspaziergang nach Elvas

Montag, 9. November 2020: Thomas Girst – Alle Zeit der Welt

Dienstag, 10. November 2020: Gästeführer und “Stadtzeiger” Walter Kircher

Mittwoch, 11. November 2020: Ein Stadtspaziergang in Sterzing

Donnerstag, 12. November 2020: Eine Geschäftsreise vor 380 Jahren von Brixen nach Regensburg

Freitag, 13. November 2020: Philipp Frener in New York

Samstag, 14. November 2020: Klaus-Werner Haupt über Theodor Fontanes Italienreise

Sonntag, 15. November 2020: Der “Monte Kaolino” in der Oberpfalz

Montag, 16. November 2020: Saina Bayatpour von Miceloc im Interview

Dienstag, 17. November 2020: Franz Kafka in Meran

Mittwoch, 18. November 2020: Der Gletscherblick von Gossensaß

Donnerstag, 19. November 2020: Ulrike Prange aus Bremen

Freitag, 20. November 2020: Leopold Bisdomini

Samstag, 21. November 2020: Ach, Europa!

Sonntag, 22. November 2020: Die Hochgrubbachspitze

Montag, 23. November 2020: Mit pilot_frank in die Luft gehen

Dienstag, 24. November 2020: Ein Stadtspaziergang in Bruneck

Mittwoch, 25. November 2020: Theresa Troglauer

Donnerstag, 26. November 2020: Rudolf Maison, vorgestellt von Hubert Wartner

Freitag, 27. November 2020: Gert T. Svendsen: “Kontrolle ist gut. Vertrauen ist günstiger.”

Samstag, 28. November 2020: Der Wilde See in den Pfunderer Bergen

Sonntag, 29. November 2020: Das Rathaus in Sterzing

Montag, 30. November 2020: Joseph Koos Indigo-Blaudruck

Durch den November mit KulturSuedtirol: 30 Tage, 30 gute Nachrichten.

Jetzt mitmachen und dem Herbst-Blues trotzen! KulturSuedtirol.com nutzt den November, um täglich per E-Mail ein spannendes Thema, eine interessante Person oder einen besonderen Einblick frei Haus zu liefern – inspirierend, positiv und humorvoll. Täglich zur Frühstückszeit um 7:00 Uhr.

So einfach seid Ihr dabei:

  1. Falls noch nicht geschehen, abonniert gleich den KulturSuedtirol-Newsletter (direkt hier mit wenigen Klicks) – selbstverständlich kostenfrei!
  2. Werft einen Blick in Euer E-Mailpostfach und bestätigt die KulturSuedtirol-Mail! Kleiner Tipp: Wenn Ihr die Adresse info@kultursuedtirol.com Eurem Adressbuch hinzufügt, landet der Newsletter garantiert jeden Morgen in Eurem Posteingang.
  3. Fertig! Wir wünschen Euch viel Spaß beim Lesen, freuen uns auf Euer Feedback und hoffen, dass Ihr mit diesem Newsletter noch besser durch diesen November kommt.

Reiseerinnerungen: Wenn eine große deutsche Fluggesellschaft den Reformationstag ganz zufällig “fliegerisch” begeht…

Die Durststrecke für Flugbegeisterte wie mich ist derzeit lang – richtig lang.

Keine quirlige Flughafenatmosphäre, kein Klackern der “Fallblattanzeige” (was für ein Wort!) in Frankfurt, kein windiger Start mit einer Propellermaschine in Innsbruck. Auf dass es bald wieder zurückkommt… Bis dahin ist KulturSuedtirol.com auch virtuell unterwegs. Herzlich willkommen zur neuen, gleichnamigen Rubrik!

Wer mich zu dieser Begeisterung rund ums Fliegen gebracht hat? Ausgerechnet der Flughafenpfarrer am Flughafen München im fernen Jahr 2005… Menschlich wie fachliche eine mehr als beeindruckende Persönlichkeit an einem ebenso beeindruckenden Ort. Ein Praktikum während meines Studiums ermöglichte mir bewegende Einblicke, die es sonst nur höchst selten gibt.

Abgesehen von den eigentlichen, durchaus fordernden Inhalten des damaligen Praktikums kann ich – sozusagen als Nebeneffekt – seit dieser Zeit treffsicher alle möglichen Flugzeugtypen identifizieren, kenne mich – zumindest theoretisch – mit Triebwerken und den Tücken der Brauchwasserentsorgung aus und weiss, wie es in einem Frachtraum eines Langstreckenfliegers aussieht. Auch die ein oder andere Finesse der Gepäcksortieranlage und anderer abgelegener Einrichtungen am Münchner Flughafen durfte ich kennenlernen – den unglaublich aufgeschlossenen MitarbeiterInnen sei Dank. 

Randnotiz: “Leidtragende” dieses Wissens ist heute meine Frau, bei gemeinsamen Flügen und etwas Wartezeit vor dem Abflug: “War das jetzt eine 737-700 oder doch die längere -800?”. Auch gerne genommen: “Oh, die ‘Marburg’ – mit der gings 2010 nach Kazan!”. Und dass zuviel Expertenwissen bei Laien manchmal auch verunsicherte Blicke auslösen kann, geschenkt: “Ah, die D-AIPY, einer der ältesten Flieger der Lufthansa, fast 30 Jahre im Dienst!”

Damit also ein Blick zurück ins (digitale) Fotoalbum: Denn dort findet sich ein unspektakulärer Flug, bei dem aber ein wirklich schöner Zufall gelungen ist – passend zum Reformationstag am 31. Oktober:

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von flightradar24.com

So führte der Lufthansa-Cityline-Flug am Reformationstag 2019 von Kopenhagen nach München mit einem A319 exakt über Luthers Geburts- und Sterbeort Eisleben. Der Taufname der Maschine: Ausgerechnet “Lutherstadt Wittenberg”.

Ein Volltreffer für die FlugplanerInnen, würde ich sagen! Auch wenn ich einschränkend anmerken muss, dass das vermutlich außer mir niemand im Flugzeug gemerkt hat. Aber so ist das eben mit den Hobbies…

Ich wünsche mit diesem Beitrag jedenfalls allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an Flughäfen und bei Fluggesellschaften, dass sie bald wieder starten können.

Wo Politik gemacht wird: Dreharbeiten im Rathaus von Sterzing

Ein stattliches Gebäude mit gleich zwei doppelgeschossigen Erkern. Darunter ein ungewöhnlicher Kopf, in den hellen Stein gehauen. Die Rede ist vom Sterzinger Rathaus. Seit mehr als 500 Jahren ist es Sitz der städtischen Politik und Verwaltung. Eine fast unglaubliche Geschichte. Und wir mittendrin. 

Eine kluge Investition

Wir, das sind Benjamin Zwack und ich und zugleich die Drehbuchautoren, Kameramann Willi Rainer von Sora Film Brixen und Walter Sottsass sowie der Historiker Dieter Thaler, der uns in einem Interview einiges über das Rathaus von Sterzing erzählt. Im Jahr 1468 kauften der Bürgermeister und der Rat der Stadt Sterzing von Hans Ris, dem Vormund der Gerberischen Kinder, ein Stadthaus und einen Stadel. An dieser Stelle ließen sie ein neues Rathaus bauen. Eine kluge Investition. Denn – schon seit nun mehr als 500 Jahren tut das Gebäude seinen Dienst. 

Der historische Ratssaal

Besonderes Augenmerk verdient der mit Holz getäfelte Ratssaal im ersten Stock. Durch die alten Butzenscheiben fällt nur wenig Licht. In einer Ecke steht ein großer Kachelofen. Was für eine Atmosphäre! Noch heute versammelt sich hier der Gemeinderat von Sterzing zu seinen Sitzungen. 

Dreharbeiten im historischen Ratssaal mit dem Historiker Dieter Thaler

Ein Lichthof in der Mitte des Gebäudes

Die verschiedenen Räume und Büros des Gebäudes sind um einen zweigeschossigen Lichthof gruppiert. Hier im Lichthof befinden sich Kunstwerke, die mit der Geschichte der Stadt aufs engste verbunden sind. Unter all den Bildern kommen uns zwei Gesichter bekannt vor: Erzherzogin Maria Theresia und ihr Mann Franz Stephan von Lothringen, das spätere Kaiserpaar. 1739 machten die beiden auf ihrer Reise in die Toskana in Sterzing Halt. 

Dreharbeiten im Lichthof des Rathauses

Ja, wie viele Geschichten könnte dieses Gebäude wohl erzählen? Nicht nur von historischen Persönlichkeiten, die im Laufe der Jahrhunderte hier zu Gast waren, sondern auch von Menschen wie du und ich. Von Menschen, die sich hier Unterstützung in ihren Anliegen erhofften oder ganz besonders glückliche Momente in diesen Mauern erlebten. 

„Historische Rathäuser in Südtirol“ für Rai Südtirol

Mich hat das Rathaus begeistert. Und ich freue mich schon jetzt auf die TV-Dokumentation „Historische Rathäuser in Südtirol“. Bald zu sehen auf Rai Südtirol. 

Der Eckerker des Rathauses ist mit Wappen geschmückt.

Abbildungsnachweis: Alle Fotos stammen von Johanna Bampi und Benjamin Zwack.


Neugierig auf weitere Themen aus und über Südtirol? Gerne! KulturSuedtirol.com hält eine Fülle aktueller Beiträge bereit. Kennst Du beispielsweise schon diese Berichte?

Franz Kafka: Ein Beamter besucht Meran

Buchstäblich am Wegesrand, und zwar am unteren Teil der Passerpromenade in Meran, stehen mehrere Büsten und plastische Kunstwerke. Sie erinnern an Menschen, die für die Geschichte und Entwicklung der Stadt Meran wichtig waren. Eine Büste trägt den Titel „Hommage an Franz Kafka“. 

Franz Kafka, ein unbekannter Versicherungsbeamter

An der Fassade der Ottoburg in Untermais, einem Privathaus in der Maiastraße, erinnert heute eine Marmortafel an den Aufenthalt von Franz Kafka in Meran. Als er im April 1920 am Bahnhof von Meran aus dem Zug stieg, war er einer von vielen. Ein lungenkranker Versicherungsbeamter aus Prag, deutscher Muttersprache, der sich hier Linderung seiner Beschwerden erhoffte. An eine Heilung war damals nicht zu denken. 

Vom Hotel Emma in die Pension Ottoburg

Der Weg vom Bahnhof ins Hotel Emma in der Europaallee, einer der ersten Adressen in der Stadt, war nicht weit. Umso anstrengender muss die Reise von Prag nach Meran gewesen sein, die im Jahr 1920 bereits über mehrere Staatsgrenzen führte. Nach wenigen Tagen im Hotel zog Kafka in die Pension Ottoburg um, wo er fast drei Monate bleiben sollte. Im ehemaligen Hotel Emma ist heute die Fachoberschule für Tourismus und Biotechnologie „Marie Curie“ untergebracht.

Meran im Herbst: das Kurhaus

Kafka schreibt an Milena und an seine Schwester Ottla

Bereits von Meran aus schrieb Kafka zahlreiche seiner heute so bekannten Briefe an Milena Jesenská (1896–1944), in die auch Schilderungen seines Alltags in Meran einflossen. Auch seine jüngste Schwester Ottla (1892–1943) nahm durch einen regen Briefverkehr an seinem Leben intensiv teil. 

Franz Kafka an der Passerpromenade

Urs Lüthi schuf im Jahr 2015 die Bronzebüste an der Passerpromenade in der Höhe der evangelischen Christuskirche. Der Kopf mit seiner Glatze und den runden, konvex hervortretenden Augenhöhlen will dezidiert keine Porträtbüste Franz Kafkas sein, sondern ähnelt ganz bewusst dem Künstler selbst. Lüthi stellt in seinem Werk komplexe und vieldeutige Verweise zwischen seiner Identität, die er Kafka überstreift, her und spielt dadurch zugleich auf eines der berühmtesten Werke des Schriftstellers an: auf die Erzählung „Die Verwandlung“ und dessen Hauptfigur Gregor Samsa, die sich in ein Ungeziefer verwandelt. 

Hommage an Franz Kafka, von Urs Lüthi, 2015

Meran feiert das Kafka-Jahr

100 Jahre sind seit dem Kuraufenthalt Franz Kafkas in Meran vergangen. Meran feiert dieses Jubiläum mit einem Kafka-Jahr und verschiedenen Veranstaltungen wie Ausstellungen im Touriseum Schloss Trauttmansdorff und im Palais Mamming Museum, mit Stadtspaziergängen auf den Spuren des inzwischen weltberühmten Autors, mit Filmvorführungen, einer Tagung und vielem mehr. 


Zum Weiterlesen

  • Das Kafka Jahr 2020 in Meran: Informationen zu Franz Kafka und zu seinem Aufenthalt in Meran sowie das Programm aller Veranstaltungen findest Du auf der Website: kafka2020meran.it
  • „MenschenBilder“, ein Kunstprojekt an der Passerpromenade: Informationen zum Werk von Urs Lüthi (sowie zu allen anderen Kunstwerken) sowie zum Kunstprojekt „MenschenBilder“, das nach einer Idee von Arnold Mario Dall’Ò von Kunst Meran im Auftrag der Gemeinde Meran umgesetzt wurde, findest Du auf der Website von Kunst Meran: kunstmeranoarte.org

Abbildungsnachweis: Alle Fotos stammen von Johanna Bampi. Die historische Ansichtskarte aus dem Jahr 1911 befindet sich in Privatbesitz.


Neugierig auf weitere Themen aus und über Südtirol? Gerne! KulturSuedtirol.com hält eine Fülle aktueller Beiträge bereit. Kennst Du beispielsweise schon diese Berichte?

Gossensaß und sein berühmter Gletscherblick

Wer schnell über die Brennerautobahn in den Süden will, erhascht nur einen Moment davon. Die Rede ist vom so genannten „Gletscherblick von Gossensaß“. Vom Viadukt über Gossensaß öffnet sich der Blick ins Pflerschtal und die Stubaier Gletscher. 

Wie eigens komponiert: der Gletscherblick von Gossensaß

Wie so viele bin auch ich unzählige Male daran vorbeigefahren. Doch ein Halt in Gossensaß lohnt sich allemal. Mehrere schmale Wege und Treppen führen hinauf zum Hügel, auf dem die Pfarrkirche und die Barbarakapelle stehen. Zugleich ein leicht erreichbarer Aussichtspunkt. 

Wie für ein Gemälde eigens komponiert wirkt die Landschaft und führt weit hinein ins Pferschtal, gibt den Blick auf einzelne Gehöfte und kleine Dörfer frei. Bewaldete Hänge führen nach oben und gipfeln in stattlichen, teilweise vergletscherten Zwei- und Dreitausendern. 

Von der erhöht liegenden Pfarrkirche aus bietet sich ein großartiger Blick auf die umliegende Landschaft.

Die Bergknappen und ihre silbernen Nägel

Die erste Bergbautätigkeit in Gossensaß und im Pflerschtal lässt sich schon im 13. Jahrhundert nachweisen. Im Laufe der Jahrhunderte nahmen die Erträge zu und brachten Wohlstand und Reichtum. Die Bergknappen, so will es die Überlieferung, hätten ob ihres Reichtums sogar silberne Nägel an den Schuhen getragen. Mit dem Niedergang des Bergbaus ging jedoch auch die erste Glanzzeit von Gossensaß ab 1550 zu Ende.  

Der Kurort Gossensass auf einer Ansichtskarte aus dem frühen 20. Jahrhundert: ganz links die Pfarrkirche mit der Barbarakapelle, ganz rechts das Grandhotel Gröbner

„Mit dem Blick auf die Gletscher“ 

Dreihundert Jahre später versprach die Eröffnung der Brennerbahn im Jahr 1867 einen neuen Aufschwung. „Mit dem Blick auf die Gletscher müssen Sie ein Hotel bauen“, soll Ing. Carl Etzel (1812–1865), der Erbauer der Brennerbahn, zu Margarete Kadner-Gröbner gesagt haben. Im Tourismus sah Etzel die Zukunft des kleinen Dorfgasthauses, ja, die Zukunft von Gossensaß. Und er sollte Recht behalten. 

Der Kurort Gossensaß zog im 19. Jahrhundert zahlreiche Gäste an. Seine nahe Lage zum Hochgebirge faszinierte die Gäste, die den Ort dank seines Bahnhofes an der Brennerlinie einfach mit dem Zug erreichen konnten. 

So erinnert noch heute eine Bronzebüste von Friedrich Beer (1846–1912) aus dem Jahr 1892 an den deutschen Dichter Oskar von Redwitz (1823–1891), der jahrelang eine Villa in Meran bewohnte und hier gerne seine Sommerfrische verbrachte. Ganze sieben Mal weilte der norwegische Schriftsteller Henrik Ibsen (1828–1906) in Gossensaß und trug dadurch gewiss zur Bekanntheit des Ortes bei. Seine Hedda Gabler erinnert sich im zweiten Akt des gleichnamigen Theaterstückes an das kleine Städtchen am Fuß des Brenners, wo sie und ihr Mann Tesman auf ihrer Reise übernachtet und die „vielen lustigen Sommerfrischler getroffen haben“. 

In Erinnerung an den norwegischen Schriftsteller Henrik Ibsen, der zusammen mit seiner Frau Suzannah und seinem Sohn Sigurd mehrmals in Gossensaß weilte und hier an mehreren seiner Dramen arbeitete

Villen mit Erkern und hölzernen Veranden

Die Blütezeit des Tourismus währte nur wenige Jahrzehnte bis zum Ersten Weltkrieg. 1945 brannte das Grandhotel Gröbner, der Inbegriff der Gossensasser Sommerfrische, nach einer Explosion vollkommen aus.

Dennoch gibt es noch heute bei einem Bummel durch den Ort historische Architektur aus dem 19. Jahrhundert zu sehen, kleinere und größere Villen mit Erkern, verglasten Veranden und hölzernen Balkonen. Schließlich wurden auch in Privathäusern Wohnungen an die „Herrschaften“ zur Sommerfrische vermietet. Sie genossen von den Veranden aus windgeschützt den grandiosen Ausblick in die umliegende Bergwelt oder tranken Tee in den schattigen Privatgärten. 

Noch heute laden die Traditionsgasthäuser des Ortes zu einem Halt in Gossensaß ein. Und nach dem Bummel durch die Marktgemeinde erwarten mich ein Macchiato oder Espresso, ein Stück Apfelstrudel oder ein Eiskaffee auf einer Terrasse mitten im Ort. 

Schmucke Villen im Dorfzentrum von Gossensaß

Zum Weiterlesen

Die Begebenheit von Ing. Carl Etzel und Margareta Kadner-Gröbner ist erzählt bzw. zitiert nach: Josef Rampold, Eisacktal. Landschaft zwischen Firn und Reben, 5. überarbeitete Auflage, Bozen 1996 (Verlagsanstalt Athesia), S. 53.

“Hedda Gabler”, das Theaterstück von Henrik Ibsen, ist auch online verfügbar: Projekt Gutenberg.


Abbildungsnachweis: Alle Fotos stammen von Johanna Bampi. Die historische Ansichtskarte befindet sich in Privatbesitz.


Neugierig auf weitere Themen aus und über Südtirol? Gerne! KulturSuedtirol.com hält eine Fülle aktueller Beiträge bereit. Kennst Du beispielsweise schon diese Berichte?

Schmunzelnd in Bozen: das Rind in der Runkelsteiner Straße

Rundlich wirkende Gestalten, manchmal etwas behäbig und untersetzt mit kurzen Beinen, oft als Rückenfiguren, beim Wimmen oder mit einem Ochsengespann. Radierungen in gedämpften Erdfarben. Bildmotive aus meiner Kindheit. Gesehen in privaten Wohnungen. Inzwischen weiß ich, dass Rudolf Maria Complojer der Schöpfer dieser humorvollen Schilderungen aus dem bäuerlichen Leben ist.

Und was hat nun ein Rind damit zu tun?

An einer von Complojers Wandmalereien komme ich immer wieder vorbei. Sie hat mich schon als Kind fasziniert. Eigentlich nicht weiter verwunderlich, bei diesem Motiv! 

Wie aus dem Nichts taucht nämlich in der Runkelsteiner Straße in Bozen ein Bauer auf. Genaugenommen ein Rind mit einem Bauer. Das riesengroße Tier dominiert eindeutig die Bildfläche. Und es ruht ziemlich schwer auf dem Rücken des Bauern, der es – etwas rundlich und behäbig wirkend – mit sicherem Schritt zum Metzger trägt. 

Die Malerei schließt oben rundbogig ab. Sie erstreckt sich über die Höhe von zwei Stockwerken und füllt beinahe die gesamte Fläche der von Quadern klar begrenzten Hauswand aus. Links unten im Eck hat Rudolf Maria Complojer sein Werk signiert. Datiert ist es nicht. Doch der Bauer mit dem Rind ziert inzwischen seit mindestens 50 Jahren dieses Haus in der Runkelsteiner Straße, in dessen Erdgeschoss sich (seit einigen Monaten wieder) eine Metzgerei befindet. 

Wandmalerei von Rudolf Maria Complojer in der Runkelsteiner Straße in Bozen

Der Künstler Rudolf Maria Complojer

Rudolf Maria Complojer wurde 1938 geboren und lebt auf dem Ritten. Er stammt aus einer Künstlerfamilie: Schon sein Vater, Rudolf Complojer (1905–1991) war als Maler eine fixe Größe im Südtiroler Kulturleben. 

Rudolf Maria Complojer beherrscht mehrere Techniken. Neben seinen Radierungen ist er auch für Aquarelle, Lithographien und Linolschnitte bekannt. Und für seine Wandmalereien an privaten und öffentlichen Gebäuden. Auch die Bandbreite seiner Sujets geht weit über Schilderungen aus dem vorwiegend bäuerlichen Alltagsleben hinaus.

Echte Kunst am Wegesrand – vielleicht zaubert die humorvolle Schilderung von Rudolf Maria Complojer auch Dir ein Schmunzeln ins Gesicht? 


Fotonachweis: Alle Aufnahmen stammen von Johanna Bampi.


Neugierig auf weitere Themen aus und über Südtirol? Gerne! KulturSuedtirol.com hält eine Fülle aktueller Beiträge bereit. Kennst Du beispielsweise schon diese Berichte?