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Heilige am Wegesrand: Bildstöcke in Südtirol

Zum Gebet und zum Innehalten am Wegesrand, als Dank oder auch als Erinnerung an persönliche Schicksale wurden sie als Zeichen tiefer Volksfrömmigkeit errichtet: Bildstöcke. Manche reichen sogar ins Mittelalter zurück, viele entstanden im 17. und 18. Jahrhundert. Ihre Nischen sind meistens mit Malereien, Bildern oder Statuen geschmückt. Und jetzt laden sie auch Dich zu einer kleinen Pause ein…

Volksnahe Heilige und Marienbilder schmücken die Bildstöcke

Als Kind erlebte ich sie als Orientierungspunkte und wusste an den oft begangenen oder befahrenen Strecken genau, wo sich welches „Bildstöckl“ befindet. Dass Bildstöcke in ihren Nischen, oft zusätzlich hinter Gittern oder Fenstern, etwas verbargen, machte vermutlich als Kind ihren besonderen Reiz auf mich aus. Nur wenn ich stehen blieb, konnte ich hineinschauen. 

Eine frühe Kindheitserinnerung ist mit einem einfachen Bildstock auf der Straße von Seis am Schlern nach St. Oswald verbunden. Was mich mehr faszinierte – seine leuchtend blauen Farben oder seine Lage dicht unter einem hervorspringenden Porphyrfelsen – kann ich heute nicht mehr genau sagen. Er verbirgt in seinem Inneren übrigens einen Druck mit einem leidenden Christuskopf. 

Der Bildstock beim Karlottenkofl auf dem Weg von Seis nach St. Oswald

Der Bildstock “in Fall”

Ganz anders der Bildstock „in Fall“, der frei in einer Wiese an der schmalen Straße nach St. Oswald (Gemeinde Kastelruth) steht. Vor einigen Tagen habe ich ihn mir noch einmal ganz genau angesehen.

Der Bildstock ist sowohl außen als auch innen an allen Seiten bemalt. Durch die fast menschengroße Öffnung betrete ich einen kleinen Raum. 

Direkt vor mir ist Maria mit dem Jesuskind dargestellt. Liebevoll schmiegt sich das Kind an die Wange seiner Mutter. Die Art der Darstellung folgt dem berühmten Gnadenbild „Maria Hilf“ im Innsbrucker Dom. Dieses volksnahe Motiv ist in zahlreichen Kirchen, aber auch an Bildstöcken und als Fassadenmalerei im Alpenraum sehr verbreitet. 

Maria Hilf, Bildstock “in Fall”

Rechts von mir ist der hl. Joseph in andächtiger Haltung und mit einem blühenden Stab als sein Attribut, also sein „Erkennungszeichen“, dargestellt. Den Heiligen an der linken Seite, der ein Kruzifix verehrt, erkenne ich vor allem an der abgelegten Krone als den hl. Aloisius von Gonzaga. 

An der Außenseite flankieren die beiden Apostel Petrus und Paulus (rechts) den schmalen Eingang. Über dem Bogen ist, leider großteils zerstört, Gott Vater dargestellt. Dies erkenne ich einmal an den weißen Haaren, die das Gesicht umrahmen, und zum anderen am Dreieck (dem Symbol für Gott), das seinen Kopf hinterfängt. 

Der Bildstock “in Fall” von vorne mit den hll. Petrus und Paulus (links bzw. rechts) und Gottvater (oben)

Auch für die Seitenwände wurden zwei äußerst beliebte Heilige ausgewählt. Der hl. Antonius von Padua ist als Mönch dargestellt: im Ordenskleid der Franziskaner und mit einer Tonsur, also einer runden kahl geschorenen Stelle auf dem Kopf. Das Jesuskind wendet sich ihm mit ausgestreckten Armen zu. 

Der hl. Johannes von Nepomuk betend vor dem Kruzifix. Links ist ein blauer Vorhand drapiert.

Der betende Heilige auf der anderen Seite ist an seiner Kleidung und am Sternenkranz als Johannes von Nepomuk zu erkennen. 

Die Rückseite des Bildstocks zeigt Christus am Kreuz – so groß, dass man Ihn auch beim schnellen Vorbeifahren erkennen kann. 

Warum gerade diese Heilige?

Alle genannten Heiligen werden in Tirol seit Jahrhunderten verehrt. Alle Namen waren beliebte und verbreitete Taufnamen. 

Josef wird in Tirol als Landespatron verehrt. Aloisius von Gonzaga gilt als Patron der Jugend, aber auch als Pestheiliger. Seine abgelegte Krone weist darauf hin, dass er als erstgeborener Sohn des Markgrafen von Castiglione auf seine Erbfolge verzichtet. 

Das Jesuskind wendet sich dem hl. Antonius von Padua zu.
Dieser trägt das Ordenskleid der Franziskaner und die für Mönche vorgeschriebene Tonsur.

Auch Antonius von Padua zählt zu den Pestheiligen und wird unter anderem bei Viehkrankheiten angerufen. Vielerorts gilt er auch als Unterstützer beim Wiederfinden von verlegten oder verlorenen Gegenständen. 

Johannes von Nepomuk soll gegen sämtliche Wassergefahren schützen.

Den beiden Apostelfürsten Petrus und Paulus ist die hiesige Pfarrkirche von Kastelruth geweiht, was für die Wahl dieser beiden Heiligen eine Rolle gespielt haben mag. 

Die Rückseite des Bildstocks “in Fall” mit Christus am Kreuz und dem hl. Antonius von Padua an der Seite

Ein respektvolles Innehalten vom Alltag

Nicht nur als Kind hätte mich dieser kleine Bildstock mit seinen vielen Malereien entzückt. Erbaut wurde er im Jahre 1680, wie eine Inschrift im Inneren verrät. Mit seinen einfachen Malereien steht er seit inzwischen 340 Jahren für die tiefe Frömmigkeit der ländlichen Bevölkerung. Ein guter Grund für ein respektvolles Innehalten. 


Abbildungsnachweis: Alle Fotos stammen von Johanna Bampi. Der Bildstock “in Fall” wurde im Juli 2020 fotografiert, jener beim Karlottenkofl im Frühling 2010.


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Heilige am Wegesrand. Besonders zahlreich finden sich Bildstöcke im Schlerngebiet. Und meistens sind sie aufwändig…

Gepostet von KulturSuedtirol.com – Menschen, Orte, Einblicke. am Mittwoch, 29. Juli 2020

Mit Christophorus auf Reisen

Schon Hans Christian Andersen fielen sie auf seiner Reise von Italien nach Norden auf: die zahlreichen Heiligendarstellungen an Kirchen und Wohnhäusern in Tirol. Just vom heiligen Christophorus mit dem Jesuskind auf seinen Schultern, der in Tirol „enorm groß“ so manche Hauswand ziere, ließ der dänische Schriftsteller den Mond in seinem „Bilderbuch ohne Bilder“ erzählen. 

Der hl. Christophorus an Pilger- und Handelsrouten

In der Tat schmücken zahlreiche Kirchen von der Salurner Klause bis zum Brenner überlebensgroße Darstellungen dieses beliebten Heiligen und Patrons der Reisenden. Man findet ihn an Kirchen am Talboden und im Mittelgebirge sowie auf Pässen und Übergängen.

Der hl. Christophorus und das Christuskind
vermutlich von einem Maler aus der Werkstatt von Friedrich Pacher, 1490er Jahre
Detail aus einem Fresko an der Pfarrkirche St. Walburg in Antholz-Niedertal
Foto: Johanna Bampi

Ich zeige Dir heute ein Christophorusfresko, das Hans Christian Andersen bei seiner Durchreise gewiss nicht gesehen hat. Es befindet sich an der Pfarrkirche von Weitental im Pustertal und liegt dadurch abseits der klassischen Nord-Süd-Achse durch Südtirol. Ich habe dieses Fresko ausgesucht, weil der Maler besonders viele Details festgehalten hat, die Dir – und allen, die seit Jahrhunderten an dieser Malerei vorbei kommen – einiges über diesen Heiligen erzählen.

Der hl. Christophorus an der Pfarrkirche von Weitental

Mit großer Erzählfreude schildert der Maler mittig den „Riesen“ Christophorus, der bis zu den Knien im Wasser steht und Menschen von einem schroffen Ufer zum anderen trägt. Der Legende nach war Christophorus auf seiner Suche nach dem allergrößten Herrn – Christus – schließlich zu einem Einsiedler gelangt, der ihm diese Aufgabe anvertraut hatte. Der Einsiedler selbst ist rechts im Bild in einfacher Kleidung und mit einer Laterne in der Hand zu sehen. Hinter ihm erhebt sich eine Kirche. Die Landschaft links im Hintergrund zeigt eine befestigte Stadt und zwei Boote auf dem Fluss.

Der hl. Christophorus mit dem Christuskind
Fresko an der Pfarrkirche zum hl. Thomas in Weitental
Foto: Johanna Bampi

Eines Nachts trug Christophorus ein kleines Kind über das Wasser, eine nur vermeintlich leichte Last, die immer schwerer wurde. Das Kind gab sich schließlich dem Riesen als Christus zu erkennen und taufte ihn. Daraufhin erblühte der Stab von Christophorus und trug reiche Früchte wie auf der Malerei deutlich zu sehen ist. Das Kind mit seinem wehenden Mäntelchen ist anhand seiner segnenden Hand und dem Reichsapfel mit Kreuz als Christuskind zu erkennen.  

Auch Christophorus selbst ist kostbar gekleidet. Er trägt einen roten Mantel mit einem Hermelinkragen und eine Kette mit einem Kreuz um den Hals. An seinem geknoteten Gürtel führt er ein Messer und einen mit Quasten verzierten Beutel mit Proviant mit sich. Besonders auffallend ist die Krone auf seinem Kopf. Sie wird als Hinweis darauf gedeutet, dass Christophorus (der Christusträger) als einziger unter den Heiligen das Privileg genoss, Christus zu tragen. 

Musizierende Fabelwesen
Detail aus dem Christophorusfresko an der Pfarrkirche von Weitental
Foto: Johanna Bampi

Im Wasser des Flusses bewegt sich allerlei: neben Fischen, Krebsen und Muscheln siehst Du auch phantastische Meereswesen, die für Gefahren und Versuchungen stehen, sowie nixenartige Fabelwesen, die auf einer Flöte oder Trommel spielen oder Glöckchen in den Händen halten.

Im unteren linken Eck siehst Du eine kniende Figur mit ihrem Wappen. Dank des Wappens mit der Schere ist diese Person im Franziskanerhabit als Johannes Nas, Domprediger und späterer Weihbischof von Brixen, zu identifizieren. Er weilte 1577 anlässlich einer Visitation in Weitental und ließ das Fresko erneuern. Johannes Nas hatte zunächst eine Schneiderlehre absolviert und war danach in den Franziskanerorden eingetreten. Das erklärt auch sein ungewöhnliches Wappen mit einer Schere.

Nixenartiges Fabelwesen mit zwei Glöckchen
Detail aus dem Christophorusfresko an der Pfarrkirche von Weitental
Foto: Johanna Bampi

Die Angst vor dem plötzlichen Tod

Christophorus gilt nicht nur als Patron der Pilger und der Reisenden, sondern er hatte über Jahrhunderte auch als Patron gegen den plötzlichen Tod eine große Bedeutung im Glauben der Bevölkerung. Ein morgendlicher Blick auf die Heiligendarstellung, so die Vorstellung, würde einen zumindest für diesen Tag vor einem plötzlichen Tod schützen – nicht vor dem Sterben per se, aber vor einem unvorbereiteten Tod ohne Empfang der Sterbesakramente. 

Eine “enorm große” Darstellung, wie es H.C. Andersen formulierte, an einer prominenten und gut einsehbaren Stelle, zum Beispiel eben an der Außenwand der lokalen Kirche, versprach somit einen gewissen Schutz.

Der hl. Christophorus mit dem Christuskind in einem mit reichen Bordüren geschmückten Feld
vermutlich von einem Bozner Maler, frühes 15. Jh.
St. Valentin oberhalb von Seis am Schlern
Foto: Johanna Bampi

Mit Christophorus unterwegs

Der hl. Christophorus, dessen Gedenktag auf den heutigen 24. Juli fällt, war bereits im Spätmittelalter ein umstrittener Heiliger, da sich seine Existenz historisch nicht belegen lässt. Dennoch gehört er wohl noch heute zu den populärsten Heiligen, gerade wegen seiner Funktion als Patron der Reisenden und jeglicher Verkehrsteilnehmer. So werden zum Beispiel in vielen katholischen Gemeinden am Christophorus-Sonntag private Fahrzeuge gesegnet. Auch die Rettungshubschrauber der ADAC Luftrettung sind im wahrsten Sinne des Wortes mit “Christoph” unterwegs.


Zum Weiterlesen

Hans Christian Andersen, Bilderbuch ohne Bilder, hrsg. und aus dem Dänischen übersetzt von Ulrich Sonnenberg (= Insel-Bücherei Nr. 1319), Frankfurt am Main und Leipzig 2009 (Insel Verlag, ISBN 978-3-458-19319-7)

Karl Gruber: Kirchenkunst in Niedervintl, Obervintl, Weitental und Pfunders, Lana 1994 (Tappeiner Verlag, ISBN 88-7073-171-5)

Zur Legende des heiligen Christophorus: heiligenlexikon.de


Lust auf mehr? Hier eine Auswahl von Christophorusdarstellungen an Südtiroler Kirchen

Im Unterland, im Überetsch sowie in und um Bozen
Auer, Pfarrkirche zum hl. Petrus: Fresko aus dem Jahr 1516
Bozen, St. Johann im Dorfe: Fresko aus der zweiten Hälfte des 14. Jhs.; St. Martin in Kampill: Fresko aus dem Jahr 1570
Graun, Pfarrkirche zum hl. Georg: Fresko, um 1370, 1722 derb ausgebessert
Kaltern, St. Nikolaus: Fresko aus dem Jahr 1561; St. Anton: Fresko aus dem Jahr 1470
Neumarkt, Unsere Liebe Frau in der Vill: Fresko aus dem 17. Jh.
Tramin, Pfarrkirche zu den hll. Julitta und Quiricus: Fresko aus dem Ende des 14. Jhs.

Auf dem Ritten und im Schlerngebiet
Ritten, St. Nikolaus in Mittelberg: Fresko aus dem 15. Jh.
St. Valentin oberhalb von Seis am Schlern, Kirche St. Valentin: Fresko aus dem frühen 15. Jh. (siehe Foto)
Tisens bei Kastelruth, Kirche St. Nikolaus: Fresko aus dem Jahr 1791

Im Eisacktal
Afers bei Brixen, St. Jakob: Fresko aus dem 15. Jh.
Albions, Kirche St. Nikolaus: Fresko aus dem Jahr 1496
Milland bei Brixen, Wallfahrtskirche Maria am Sand: Fresko aus dem frühen 16. Jh.
Tils bei Brixen, Kirche St. Cyrill: Fresko aus dem frühen 15. Jh.
Tschötsch, Pfarrkirche zum hl. Johannes Baptist: Fresko aus dem frühen 16. Jh.
Villanders, Pfarrkirche zum hl. Stephan: Fresko aus dem Jahr 1569; Kirche St. Valentin: Fresko aus dem frühen 15. Jh.
Villnöß, St. Valentin in Pardell: Fresko aus dem frühen 15. Jh.
Verdings, Kirche zum hl. Valentin: Fresko aus der Mitte des 15. Jhs.

Im Pustertal
Meransen, Pfarrkirche zum hl. Jakobus: Fresko, Ende 15. Jh.
Weitental, Pfarrkirche zum hl. Thomas: Fresko (Foto siehe oben)
St. Sigmund, Pfarrkirche zum hl. Sigmund: Fresko aus dem Jahr 1519
Antholz-Niedertal, Pfarrkirche zur hl. Walburg: Fresko aus der zweiten Hälfte des 15. Jhs. (Foto siehe oben)


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An vielen Kirchen ist er zu sehen: der hl. Christophorus. Auch an der Pfarrkirche von Weitental (im Bild). Als Patron…

Gepostet von KulturSuedtirol.com – Menschen, Orte, Einblicke. am Freitag, 24. Juli 2020

Das Grollen vom Wilden See

Der Wilde See in den Pfunderer Bergen hält, was sein Name verspricht, und dies in mehrfacher Hinsicht. Auf einer Höhe von 2.538 m ü. d. M. gelegen, zeigt er sich zu jeder Jahreszeit berauschend schön in einer weitgehend unberührten Südtiroler Berglandschaft. 

Warum ich den Wilden See so liebe…

Seit meiner Kindheit kenne ich den See. Und dennoch überrascht er mich stets aufs Neue. Im Juni erwarten mich meist noch schwimmende Eisschollen auf dem grünblauen und eiskalten Wasser. Vereinzelt liegen Schneefelder an den Hängen des Seeufers. Im Hochsommer hingegen spiegeln sich die umliegenden Berge, darunter die mächtige Wilde Kreuzspitze, auf der stillen Wasseroberfläche. 

Spuren des Winters: Eisschollen und Schneereste
Der Wilde See mit der Wilden Kreuzspitze im Hintergrund

Ewige Verdammnis im eiskalten Wasser

Nicht immer jedoch zeigt der Wilde See sein freundliches Gesicht. Wenn sich das Wasser dunkel färbt und die ersten Wolken zwischen den Bergen hängen, dann wird es unheimlich am See. Der Wind wirbelt als Vorbote des Gewitters die stille Wasserfläche auf, und ich glaube es tatsächlich zu hören: das sagenhafte Grollen des Wildes Sees. 

All die Geschichten von früher sind plötzlich wieder da. Die Sage vom Mörder aus Schabs, der seit der Zeit der Tiroler Kriege gegen die Franzosen im eiskalten Wasser des Sees die „Kalte Pein“ erleidet. Oder die Erzählungen von unehrlichen Sennern, die mit Wasser die Milch verdünnten und zur Strafe hierher verbannt wurden. Aus der Tiefe des Sees steigt ihr Grollen empor. Es ist höchste Zeit für den Abstieg! 

Dunkles Wasser und graue Wolken – kurz darauf kam der Hagel.

Murmeltiere und blühende Wiesen

Nicht nur der Wilde See selbst in ein lohnendes Wanderziel. Schon der Aufstieg ist äußerst abwechslungsreich. Ausgehend von der Fane Alm, einem kleinen Almdorf auf 1.739 m oberhalb von Vals, führt mich der Weg zunächst durch eine urige Felsenschlucht, die so genannte Schramme. Aus dem kleinen Steig meiner Kindertage ist inzwischen ein breiter, gesicherter Weg geworden, der sich bis zur Labisebenalm hinzieht. Dahinter schlängelt sich ein Steig durch grüne Wiesen nach oben. Nur auf den letzten Metern bis zum Wilden See geht es neben mir steil nach unten – eine Passage, die jedoch durch ein Drahtseil gesichert ist. 

Ein neugieriges Murmeltier

Ganz alleine bin ich auf dem Weg nach oben selten. Auch wenn ich nicht jedes Mal ein Murmeltier zu Gesicht, geschweige denn vor die Kamera bekomme – hören kann ich ihre schrillen Warnpfiffe allemal. Sie allein durchbrechen die Stille in den Pfunderer Bergen.

Der Weg zum Wilden See führt durch die Schramme, eine Felsenschlucht oberhalb der Fane Alm.

Zum Weiterlesen

Hanspaul Menara / Josef Rampold, Südtiroler Bergseen. Ein Bildwanderbuch, Bozen 1974 (Verlagsanstalt Athesia Bozen) 


Wandermöglichkeiten zum Wilden See

Ausgangspunkt für eine Wanderung zum Wilden See ist die Fane Alm in Vals. Der Aufstieg von der Fane Alm (1.739 m) über die Labisebenalm (2.138 m) zum Wilden See (2.538 m) dauert etwa zweieinhalb Stunden. Die Zufahrt zum Parkplatz wenige hundert Meter vor der Fane Alm ist nur morgens und abends möglich. Tagsüber verbindet ein kostenpflichtiger Shuttlebus den Parkplatz am Talschluss mit der Fane Alm.

Variante für den Abstieg: Vom Wilden See aus ist auch eine Rückkehr über den Marblsee und einen steilen Abstieg über die Aschila-Alm zur Fane Alm möglich.

Verlängerungen der Tour: Wer die Tour je nach Wetterlage und eigener Kondition verlängern möchte, kann vom Wilden See aus zum Rauhtaljoch aufsteigen und an der Rückseite des Jochs über die Brixner Hütte zur Fane Alm zurückkehren. Vom Rauhtaljoch führt außerdem ein Steig auf die Wilde Kreuzspitze (3.132 m).

Exakte Beschreibungen der verschiedenen Touren mit den Markierungsnummern der Wege, mit Angaben zum Höhenprofil und zu den Gehzeiten findest Du auf der Seite alpenvereinaktiv.com des DAV, ÖAV und AVS.

Für aktuelle Auskünfte zum Parkplatz in Vals, zu den Fahrtzeiten und Kosten des Shuttledienstes zur Fane Alm, zu den Einkehrmöglichkeiten und Öffnungszeiten der Berghütten oder zur Beschaffenheit der einzelnen Wege wende Dich an das Informationsbüro der Ski- und Almenregion Gitschberg Jochtal (gitschberg-jochtal.com).

Haftungsausschluss: Alle Angaben zur Wanderung wurden sorgfältig geprüft. KulturSuedtirol übernimmt keine Haftung für Unfälle oder die Richtigkeit der Angaben. Die Verwendung der von KulturSuedtirol bereit gestellten Informationen erfolgt auf Risiko jedes einzelnen Wanderers. KulturSuedtirol empfiehlt jedem, sich vor Beginn der Tour selbst über die aktuellen Wetterverhältnisse und den Schwierigkeitsgrad der Wanderung zu informieren und selbst einzuschätzen, ob die geschilderte Wanderung der eigenen Kondition und Erfahrung entspricht.


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Der Wilde See in den Pfunderer Bergen in der Almenregion Gitschberg Jochtal/Rio Pusteria gehört gewiss zu den…

Gepostet von KulturSuedtirol.com – Menschen, Orte, Einblicke. am Montag, 20. Juli 2020

Eine Sonntagswanderung auf der Seiser Alm

Die Seiser Alm an einem Sommerabend.

Was für eine Aussicht!

Der Satz fällt unweigerlich, wenn man Compatsch auf der Seiser Alm erreicht. Das Hochplateau liegt ausgebreitet wie ein tiefgrüner Teppich auf 1.800 Metern über dem Meeresspiegel, umgeben von – ja, der Ausdruck ist hier durchaus erlaubt – majestätisch thronenden Bergriesen. Ein Hochgenuss!

Ein herrliches Spiel aus Weite, Farbe und Höhe – die Seiser Alm an einem Sommerabend.

Als sich der Wanderweg langsam, aber sicher der 2.000er Marke nähert und wir die letzten Hotels des Hochplateaus hinter uns lassen, wird einem einmal mehr bewusst: Der Weg ist das Ziel!

Die Seiser Alm an einem Sommerabend.
Hier entlang: Von Compatsch Richtung Puflatsch.

Es geht weiter, gemächlich zeichnet der Weg die Silouette des Berges nach, Compatsch wirkt immer ferner. Still wird es, der Wind rauscht einem um die Ohren.

Und die Wolkenformationen? Schlicht beeindruckend, wie sie über unsere Köpfe streichen, wie sie um die Berggipfel wehen, so fern und doch zum Greifen nahe!

Die Seiser Alm an einem Sommerabend.
Blau, grün, grau – immer anders. Immer beeindruckend schön.

Nach jeder Biegung eine neue Perspektive, ein neuer Blau- oder Grünton. Kuhglocken, das Knirschen der Wanderschuhe auf dem Weg, der Geruch von Gras und Weite. Ja, genau so entsteht ein Rhythmus für Auge und Ohr, den man so schnell nicht wieder vergisst.

Könnte das nicht ewig so weitergehen?


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Es gibt Wanderungen – und es gibt Sonntagswanderungen 😃! Einige Impressionen von einer herrlichen Tour auf der Seiser…

Gepostet von KulturSuedtirol.com – Menschen, Orte, Einblicke. am Sonntag, 19. Juli 2020

“Gesichter zweier Partnerstädte – Regensburg und Brixen” nun auch auf Italienisch

Un ringraziamento a RAI Alto Adige! Heute Abend wurde unser Film "Gesichter zweier Partnerstädte – Regensburg und Brixen…

Gepostet von Benjamin Zwack, MBA – zwack.marketing am Sonntag, 12. Juli 2020

Die beiden Partnerstädte Ratisbona/Regensburg und Bressanone/Brixen kommen sich nun auch auf Italienisch ein Stückchen näher.

Im Juli hat RAI Alto Adige erstmals die italienischsprachige Fassung des von Johanna Bampi und Benjamin Zwack gemeinsam mit Sorafilm Brixen produzierten Films ausgestrahlt.

In deutscher Sprache wurde die 45-minütige Dokumentation im November 2019 erstmal im Rahmen einer Filmpremiere im Brixner Astra-Kulturzentrum der Öffentlichkeit vorgestrahlt und wenig später im Programm von RAI Südtirol gesendet. Der Film entstand anlässlich des 50. Jubiläums der Städtepartnerschaft zwischen Regensburg und Brixen.

Die italienische Fassung unter dem Titel “Bressanone e Ratisbona – Storie di due città gemelle” ist 30 Minuten lang und hat ihren Sendeplatz im Programm “Passepartù” gefunden. In der Mediathek von RAI Alto Adige ist er in Kürze auch online abrufbar.

Guten Morgen aus Südtirol!

Ein Sommermorgen in Südtirol

Früh aufstehen lohnt sich! Genau so sieht es aus, wenn schon vor 5:00 Uhr in der Früh der Wecker klingelt. Der Weg führte uns vor einigen Tagen nach Spinges bei Brixen, um einen Sommermorgen hautnah zu erleben. Um 6:02 Uhr war es dann soweit – aber schau am besten selbst!


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Sterzing: Zwischen Altstadt und Neustadt

Wer heute in Sterzing Halt macht und zwischen engen Gässchen, massiven Kirchenmauern und stattlichen Patrizierhäusern die Innenstadt sucht, also das, was andernorts die „Altstadt“ ist, wird in der Neustadt das pulsierende Herz der Stadt finden. 

Historische Patrizierhäuser in der Neustadt

In der Neustadt von Sterzing reihen sich stattliche Patrizierhäuser mit ihren farbig getünchten Fassaden und den schlanken Erkern aneinander. Schmiedeeiserne Wirtshausschilder verweisen auf ehemalige und bestehende Traditionsgaststätten mit Namen wie „Flamme“, „Goldener Adler“, „Lamm“, „Post“, „Goldenes Kreuz“ oder „Goldene Lilie“.

Hier befindet sich seit mehr als 500 Jahren das Rathaus der rund 7.000 Einwohner zählenden Stadt – ein imposantes Eckhaus, das der Bürgermeister und der Rat im Jahr 1468 zu diesem Zweck erwarben. Den zweigeschossigen Erker, der durch seine Position am Eck des Hauses besonders viel Licht ins Innere lässt, zieren fein ziselierte Wappenreliefs. Eine Besonderheit stellt das in Stein gehauene Gesicht eines bärtigen Mannes dar. Schließlich ist mittelalterliche Bauplastik in Südtirol selten anzutreffen. 

Sterzings Neustadt im Sommer 2020
Foto: Johanna Bampi

So neu ist die Neustadt doch nicht

Sterzings Neustadt weist somit, anders als der Name suggerieren mag, ein stattliches Alter auf. Einst war sie von einer Stadtmauer umgeben, welche wohl in den 1280/90er Jahren unter Graf Meinhard II. von Görz-Tirol erbaut worden war. Und das gewiss nicht von ungefähr – denn der Tiroler Landesfürst, der seine Macht auszubauen und zu konsolidieren suchte, stand dadurch immer wieder in Auseinandersetzungen, zum Beispiel mit den Bischöfen von Brixen oder Trient. Im Süden ließ er die Neustadt durch das Brixner Tor sichern. Am Übergang zu Sterzings Altstadt – ja, auch eine solche gibt es! – wurde ein weiteres Stadttor errichtet, ein drittes schloss die Altstadt gegen Norden ab. 

Schmiedeeisernes Wirtshausschild
Foto: Johanna Bampi

Und die Altstadt?

Noch älter als die Neustadt ist sinnigerweise die Altstadt. Sie schließt sich im Norden an die Neustadt an und befand sich im Mittelalter außerhalb der vom Landesfürsten errichteten Stadtmauer.

Auch den südlichen Stadtteil, das Spital- und Kirchenviertel, ließ Meinhard II. im wahrsten Sinne des Wortes außen vor. Ja, dieser Stadtteil befand sich ebenfalls außerhalb der Stadtmauser. Noch heute bildet das malerische Ensemble mit der Stadtpfarrkirche Unsere Liebe Frau im Moos, dem ehemaligen Hospiz und späteren Deutschordenshaus und der barocken Elisabethkirche den südlichen Abschluss der Stadt. Grüne Wiesen geben einen unverbauten Blick auf dieses Schmuckstück frei, das auch innen mit dem Stadt- und Multschermuseum einiges zu bieten hat. 

15 km südlich des Brenners gelegen ist Sterzing heute die nördlichste Stadt Südtirols und Italiens – und weit mehr als nur ein Etappenort auf dem Weg in den Süden.


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Ein “Businesstrip” vor 380 Jahren: Jesse Perkhofer reist nach Regensburg

Was für viele von uns inzwischen unvorstellbar war, wurde Mitte März zur Realität: Länder schlossen innerhalb der EU und auch für EU-Bürger ihre Grenzen. Inzwischen sind Lockerungen eingetreten und angekündigt worden, doch den bisherigen Status quo haben wir noch nicht erreicht. 

Jesse Perkhofers “Businesstrip” der etwas anderen Art

Vor 380 Jahren machte sich der Domherr Jesse Perkhofer (1604–1681) als Gesandter des Brixner Fürstbischofs auf den Weg nach Regensburg. Kaiser Ferdinand III. hatte einen Reichstag einberufen, in dem auch der Brixner Fürstbischof Sitz und Stimme hatte.

Das Heilige Römische Reich deutscher Nation war kein Nationalstaat in heutigem Sinne, sondern ein Konstrukt, das vielen großen, kleinen und kleinsten Territorien, die von weltlichen und geistlichen Landesherren regiert wurden, rechtliche Rahmenbedingungen wie die Reichsgesetze oder die Reichsgerichtsbarkeit vorgab. Die quasi-selbständigen Landesherren erkannten den (gewählten) Kaiser als Reichsoberhaupt an und waren, zum Beispiel durch die Teilnahme an den Reichstagen, an der Reichspolitik durchaus beteiligt. 

Eine Reise über mehrere Grenzen 

Auf seinem Weg von Brixen nach Regensburg durchquerte also auch Jesse Perkhofer verschiedene Herrschaftsgebiete. Ausgehend vom Fürstentum Brixen über das habsburgische Tirol und das von den Wittelsbachern regierte Kurfürstentum Bayern erreichte er die freie Stadt Regensburg, die nur wenige Jahre zuvor unter den Kämpfen des immer noch nicht beendeten Dreißigjährigen Krieges enorm gelitten hatte. Wie sich die Grenzübergänge für Perkhofer im Detail gestalteten, ist nicht überliefert, doch war er wohl schon vor der Abreise mit allen notwendigen Papieren und Passierscheinen ausgestattet worden.

Eröffnung des Reichstages in Regensburg am 13. September 1640
Nennung des Brixner Gesandten Jesse Perkhofer als Nr. 18 in der Textlegende
Kupferstich von Matthäus Merian (1593–1650), erschienen 1643 im: Theatrum Europaeum
Foto: Johanna Bampi

Reisevorbereitungen

Überhaupt bedurfte eine solche Reise einer gewissen Vorbereitung. Genau genommen hätte der Fürstbischof selbst beim Reichstag dabei sein sollen. Doch war es durchaus üblich, dass er stattdessen einen Vertreter entsandte – nicht zuletzt aus Kostengründen. Hätte der Fürstbischof selbst die Reise angetreten, wäre sie mit höheren Ausgaben, unter anderem für Repräsentationszwecke in Regensburg, verbunden gewesen. 

So wurde also Jesse Perkhofer, Domherr in Brixen und Dekan in Flaurling, laut den Aufzeichnungen in den Hofratsprotokollen vom 25. Juni 1640 zum Gesandten bestimmt und das entsprechende Geld für seine Reise bereitgestellt. 

Fürstbischof Wilhelm von Welsperg wandte sich am 22. August 1640 in einem Schreiben an den Fürstbischof von Trient, Carlo Emanuele Madruzzo, und schlug darin eine gemeinsame Reise der Gesandten von Brixen und Trient nach Regensburg vor. Die beiden sollten mit einer Kutsche nach Mittenwald fahren, von dort ihre Reise auf dem Schiffsweg über die Isar nach Landshut fortsetzen und den letzten Abschnitt erneut mit einer Kutsche zurücklegen. Eine Abschrift des Schreibens ist in der Hofregistratur von Brixen erhalten. 

Detail aus dem Kupferstich von Merian mit Jesse Perkhofer als Rückenfigur Nr. 18 und Nennung in der Textlegende
Foto: Johanna Bampi

Geänderte Reisepläne

Doch es sollte ganz anders kommen. Der Gesandte aus Trient traf nicht rechtzeitig in Brixen ein. Perkhofer selbst war zuvor noch nach Flaurling in Tirol gefahren und trat die Reise nach Regensburg schließlich von dort aus an. Zunächst führte ihn der Flussweg über den Inn nach Rosenheim. Von dort brachte ihn eine Kutsche nach Regensburg. Die Reise dauerte insgesamt fünf Tage. 

In Regensburg bezog Perkhofer sein Quartier im Brixener Hof, einem stattlichen Gebäude im Besitz des Brixner Fürstbischofs, das ihm oder seinem Vertreter als Residenz diente.

Bald darauf folgte eine Audienz beim Kaiser. Jesse Perkhofer überreichte dabei Ferdinand III. das Vollmachtschreiben des Fürstbischofs, in dem sich dieser für sein Fernbleiben wegen „Laibsschwachheit“ entschuldigte. 

Die Eröffnung des Reichstages und die Verlesung der kaiserlichen Proposition im Alten Rathaus fand am 13. September 1640 statt. Selbstverständlich war unter den zahlreichen Fürsten und deren Gesandten auch Jesse Perkhofer anwesend. Als Nummer 18, eine der sitzenden Rückenfiguren links unten, ist er auf dem Kupferstich von Matthäus Merian vermerkt. Über die Fragen, die in Folge bei den Verhandlungen des Reichstages diskutiert wurden, schickte Perkhofer regelmäßig Bericht nach Brixen. 

Immer auf Achse

Schauplatz des Reichstages: Das Alte Rathaus
Foto: Benjamin Zwack

Jesse Perkhofer war auch nach seiner Rückkehr aus Regensburg viel auf Reisen. Nachdem er 1648 zum Weihbischof geweiht worden war, besuchte er in Folge zahlreiche, auch entlegene Orte in der Diözese Brixen. Viele der damals neu gebauten oder umgebauten Kirchen wurden von ihm geweiht, darunter die St. Anna Kirche in Sellrain / Rothenbrunn (1648), die Kirche Maria Heimsuchung in Ehrwald (1648), die Kirche Unsere Liebe von Loreto in Steinhaus (1650), die Karlskirche in Volders (1654), die Maria-Hilf-Kirche in Seis am Schlern (1657), die Maria-Hilf-Kirche in Zinggen / Brixen (1658), die Wallfahrtskirche von Heiligwasser bei Igls (1665) oder die Kirche St. Martin in Namlos (1666).

Perkhofer, geboren am 11. Oktober 1604, stammte aus einer bürgerlichen Brixener Kaufmannsfamilie, studierte in Ingolstadt, Rom und Perugia und wurde 1635 Domherr in Brixen. Er scheint als Eigentümer des heutigen Ansitzes Sternbach in Bruneck, des Adelssitzes Köstlan in Brixen und des Vorderriggerhofes in Neustift auf. Jesse Perkhofer starb am 31. Mai 1681 in Brixen. 

Sein Bruder Ludwig (geboren 1610), ehemaliger Bürgermeister der Stadt Brixen und Bergwerksbesitzer, wurde der Teufelsbeschwörung bezichtigt, sodass es ab 1681 zu einer gerichtlichen Untersuchung kam. Das jedoch ist eine ganz andere Geschichte… 


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Zwei Brüder in Mitterbad / Südtirol: Heinrich und Thomas Mann

Im Juli 1901 weilten zwei Brüder und bis dato wenig bekannte Schriftsteller im Mitterbad in Ulten zur Kur: Heinrich und Thomas Mann. Der jüngere von beiden – Thomas Mann – feiert am heutigen 6. Juni seinen 145. Geburtstag.

Heinrich und Thomas Mann zur Kur in Mitterbad

Thomas und Heinrich Mann reisten im Juli 1901 von München aus für einige Wochen in das Heilbad Mitterbad in Ulten. Magenbeschwerden und Zahnschmerzen sollen Thomas Mann zu diesem Schritt bewogen haben. In Mitterbad wirkte um die Jahrhundertwende der berühmte Kaltwasserarzt Dr. Christoph Hartung von Hartungen, der seine Patienten im Sommer in Ulten und im Winter in seinem Sanatorium in Riva am Gardasee betreute.

In einem Brief an seinen Freund Paul Ehrenberg beschrieb Thomas Mann die Reise: „Wir kamen abends in Bozen an, einer pittoresk gelegenen, heißen, kleinen Stadt, die voll von Fremden und daher ganz unterhaltend ist.”*

Weniger angetan war Thomas Mann allerdings von seinem Pferd, auf dessen Rücken er die letzten Kilometer Richtung Mitterbad zurücklegte: “Ich ritt eine Art Schlachtroß von sagenhaftem Körperbau, aber mit dem Temperament eines Faultiers…“* 

Der Alltag in Mitterbad

Das Bad verfügte um 1900 über mehrere Speise- und Tanzsäle, einen Schießstand, ein eigenes Kaffeehaus, 46 Zimmer, 23 Bäder, darunter ein Badhaus mit fünf marmornen Wannen I. Klasse und 13 hölzernen Wannen II. Klasse. Das Mitterbader Wasser ist vor allem eisenhaltig und enthält auch Spuren von Arsen und Schwefel und wurde unter anderem bei Magenkrankheiten, Gliederschmerzen und Nervenkrankheiten empfohlen.

„Es lebt sich gut und erholsam hier. Die Kuranstalt liegt ganz einsam inmitten einer wirklich prachtvollen Berglandschaft, ein Sturzbach verursacht drunten im Tal ein ungeheuer besänftigendes Geräusch, und man führt das rationellste und auffrischendste Leben, das sich denken läßt.“* (Thomas Mann an Paul Ehrenberg)

Die Wochen in Mitterbad bedeuteten keineswegs reinen Müßiggang. Thoma Mann schrieb hier die Novelle „Gladius Dei“. Sie wurde ein Jahr später, im Juli 1902, in der Wiener Zeitschrift „Die Zeit“ zum ersten Mal publiziert. 

Die “Buddenbrooks” bringen den Durchbruch

Wenige Monate vor Manns Aufenthalt in Mitterbad war im Februar 1901 im S. Fischer Verlag sein erster Roman erschienen: die „Buddenbrooks“. Der Roman, der in seiner Vaterstadt Lübeck spielt und sich an seiner eigenen Familiengeschichte orientiert, fand zunächst wenig Beachtung und verkaufte sich in der ersten, zweibändigen Auflage nur schleppend. 1903 folgte eine zweite Auflage, die den seitenstarken Roman in einem Band bündelte und dem Autor Thomas Mann den Durchbruch brachte. 1929 sollte er für dieses erste unter seinen großen Werken den Nobelpreis für Literatur erhalten.

In diesem Sinne alles Gute, Thomas Mann!


* Die kurzen Zitate sind dem Buch “Im Rosengarten” von Dietmar Grieser entnommen (1996, Verlag Niederösterreichisches Pressehaus, St. Pölten – Wien). In dem Buch finden sich viele weitere interessante Erzählungen zu glücklichen und unglücklichen Begegnungen in Südtirol im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Wirklich eine Leseempfehlung!


Das Beitragsbild zeigt das Buddenbrookhaus in der Lübecker Mengstraße 4 (Foto: Benjamin Zwack).


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