Das Rathaus von Meran

Die mondäne Kurstadt hatte ambitionierte Pläne. Und mit ihr Bürgermeister Josef Gemaßmer, der im Juni 1914 sein Amt antrat. Ganz oben auf seiner Agenda stand der Bau eines neues Rathauses in den Meraner Lauben. Der entsprechende Beschluss folgte innerhalb kürzester Zeit. Doch es sollte alles anders kommen. Der Erste Weltkrieg legte sämtliche Pläne vorerst auf Eis.

Meran, die blühende Kurstadt, hatte bereits in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts große städteplanerische Investitionen getätigt. So waren etwa Promenaden und der Tappeinerweg für die Kurgäste angelegt worden. Und der Bau der Galilei- und der Sparkassenstraße hatte die extreme Verkehrsbelastung in den Lauben behoben. Genau an dieser Stelle – am Knotenpunkt Galileistraße, Lauben, Sparkassenstraße – sollte das neue, dringend notwendige Rathaus entstehen. Dabei mag auch der Wunsch mit den damals noch selbständigen Gemeinden Obermais und Untermais gleichzuziehen, die in den Jahren 1900 bzw. 1907 ein neues Rathaus eröffnet hatten, eine Rolle gespielt haben.

Die Wandmalerei von Albert Stolz an der Fassade zeigt eine Ansicht des früheren Rathauses von Meran. Die Jahreszahl 1317 bezieht sich auf das Datum der Erhebung Merans zur Stadt.

Eine neue Formensprache für die Kurstadt

Zum Bau des neuen Rathauses kam es schließlich erst in den späten 1920er Jahren. Im Frühling 1927 wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben – zunächst nur für die in Meran ansässigen Architekten und Ingenieure. Dies führte zu Protesten, weshalb im Dezember eine zweite Ausschreibung erfolgte. Der Einreichtermin war mit dem 23. Februar 1928 allerdings äußerst knapp bemessen. Trotzdem konnte die Jury aus 26 eingereichten Entwürfen wählen. Den Auftrag erhielt mit Ettore Sottsas sen. der Zweitplatzierte, da er die gewünschte rasche Bauausführung garantieren konnte. Und tatsächlich bezogen die Ämter Anfang der 1930er Jahre das neue Rathaus. 

Mit dem Bau des neuen Rathauses kam eine moderne Formensprache nach Meran und löste den Baustil des Historismus ab. Wie in den Wettbewerbsausschreibungen vorgesehen, berücksichtige Sottsas in seinem Bau die historischen Laubengänge und nahm dieses gestalterische wie funktionale Element in den Neubau auf. Besonders auffallend ist die gestaffelte Tiefenwirkung des Eingangsportales, das in einer direkten Linie den Blick auf die dahinter liegende Landesfürstliche Burg freigibt. 

Vom Treppenhaus fällt der Blick auf die Rückseite des Gebäudes und die Landesfürstliche Burg.

Edle Materialien, durchdachte Details

Die Gestaltung der Fassaden greift in vielen Details, wie etwa den Dreiecksgiebeln über den Fenstern, Formen des Novecento auf. Im Inneren des Rathauses sind hingegen die klaren Linien der Moderne bestimmend. Die Ästhetik wird von edlen Materialen, Marmorverkleidungen und Terrazzoböden bestimmt. Auch für die kleinsten Details, wie den Entwurf der Lampen, zeichnete der Architekt höchstpersönlich verantwortlich. 

Vom Treppenhaus fällt der Blick auf die Rückseite des Gebäudes, wo zwei Gebäudetrakte symmetrisch um einen Innenhof angeordnet sind. Der freie Blick auf die Landesfürstliche Burg ist auch hier gegeben. 

Immer noch funktional: das Treppenhaus im Rathaus von Meran.

Zum Weiterlesen

Magdalenen Schmidt/Walter Gadner, Auf gerader Linie. Städtebau und Architektur in Meran, Edition Raetia Bozen.


Alle Fotos: Johanna Bampi