Seide, Bier und alte Meister

Was haben Seide, Bier und alte Meister gemeinsam? In Brixen sind alle drei eng Leopold Bisdomini verbunden, einem Geschäftsmann, der seine Wahlheimat liebte. Sein Name steht für ungebrochene Tatkraft und nicht versiegenden Ideenreichtum. Ein Blick zurück ins frühe 19. Jahrhundert.

Vom Postkontrollor zum erfolgreichen Geschäftsmann

Noch heute erinnert im städtischen Friedhof von Brixen ein Grabstein an den „Wohlgeborne[n] Herr[n] Leopold von Bisdomini“, der am 17. September 1846 in seinem Wohnhaus in der Säbenertorgasse starb. Der Name ist aus Brixens Geschichte nicht mehr wegzudenken. Leopold Bisdomini war ein vielseitiger Geschäftsmann mit einem Sinn für die schönen Dinge. Ob er, wie die Inschrift auf seinem Grabstein suggeriert, tatsächlich mit einem Adelsprädikat ausgezeichnet wurde, ist allerdings umstritten.
 
Eigentlich stammte Leopold Bisdomini aus dem Trentino. Er wurde 1769 in Trient geboren. 1794 kam er als Postkontrollor nach Brixen, wo er bis zum Feldpost-Direktor aufstieg.

In Brixen fand er auch sein privates Glück. Er heiratete Anna Peintner, die Witwe des Bierbrauers Josef Obermayr. Seine Frau brachte ein Stadthaus und das Glöcklgut in Burgfrieden (heute ein Stadtteil von Brixen) mit der dazugehörenden Bierbrauerei in die Ehe mit ein. Die Familie bewohnte das Stadthaus in der Säbenertorgasse.

Bisdomini übernahm die Führung der Bierbrauerei für seinen noch minderjährigen Stiefsohn. Die Geschäfte liefen gut, und 1815 gelang es ihm, den Ansitz Unterköstlan zu erwerben. Anschließend verlegte er die Brauerei vom Glöcklgut nach Unterköstlan.

Der Grabstein von Leopold Bisdomini und seiner Enkelin Leopoldine Gasser an der Friedshofskapelle

Der Kunstliebhaber

Der Ansitz Unterköstlan war bereits damals ein stattliches Gebäude. Einer der früheren Eigentümer, der Brixner Weihbischof Jesse Perkhofer, hatte ihn im 17. Jahrhundert im Renaissancestil ausbauen lassen. Hier fand Bisdomini einen würdigen Rahmen für seine wachsende Gemäldesammlung, die er im zweiten Stock des Ansitzes unterbrachte.

Ja, Bisdominis Leidenschaft galt der Kunst. Er trug zahlreiche gotische Tafelbilder zusammen, von denen ein großer Teil noch zu seinen Lebzeiten vom damals neu gegründeten Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum erworben wurde. Das bekannteste Tafelbild aus Bisdominis Sammlung ist vermutlich das Porträt des Brixner Domherrn Gregor Angerer aus dem Jahr 1519, das Marx Reichlich zugeschrieben wird und zu den ältesten Tiroler Porträts überhaupt zählt.

Bisdomini war nicht nur ein eifriger Sammler von Kunstwerken. Ihm schwebte die Realisierung einer Art Akademie oder zumindest eines Künstlertreffpunktes für Brixen vor. Also gründete er im Jahr 1802 die “Chalkographische Anstalt”, eine Druckerei für Kupferstiche. Er, der Geldgeber, holte sich den Maler Pietro Marchioretto und den Kupferstecher Gaetano Zancon mit ins Boot. Doch die Zusammenarbeit mit Zancon verlief nicht lange reibungslos. Bereits ein Jahr später wurde Zancon durch Joseph Andreas Manz ersetzt. Insgesamt dürfte die “Chalkographische Anstalt” nur bis 1804 bestanden haben. Mit dieser Geschäftsidee war Bisdomini leider gescheitert. 
Heute haben die raren Aquatinten aus Brixen jedoch einen hohen Sammlerwert. Nur sechzehn verschiedene Motive sind bekannt. Einige Druckplatten wurden später von anderen Verlagen übernommen und neu aufgelegt. 

Seide “made in Brixen”

Wesentlich erfolgreicher war der Geschäftsmann Bisdomini mit der Bierbrauerei. Später bewies er auch in der Textilbranche beachtliches Geschick: mit der Zucht von Seidenraupen und dem Verkauf von Seide “made in Brixen”. Zahlreiche Maulbeerbäume ließ er 1828 anpflanzen. Über zehntausend sollen es gewesen sein. Gewoben wurde die Seide im Glöcklgut in Burgfrieden.

Später führte Bisdominis Schwiegersohn Peter Ostheimer die erfolgreiche Seidenproduktion weiter. Ihren Niedergang erlebte Bisdomini nicht mehr. Er starb 1846 – nur wenige Jahre, bevor durch eine in ganz Europa grassierende Seidenraupenseuche die Produktion der kostbaren Stoffe auch in Brixen zum Erliegen kam. Einige wenige der hohen Maulbeerbäume stehen noch heute und spenden Radfahrern und Spaziergängern an der Eisackpromenade Schatten. 

Das “neue” Brauhaus aus dem Jahre 1890, errichtet von den Brüdern Seidner.

Wie es weiterging

Aus der Seidenproduktion Ostheimer wurde im 19. Jahrhundert eine beliebte Gaststätte. Das Gebäude in der Burgfriedengasse 16 steht noch heute. 
Die Bierbrauerei konnte Bisdominis Stiefsohn nicht halten. Er verkaufte sie an an Ignaz Seidner aus Hall. Dessen Söhne Hugo und Otto errichteten 1890 ein neues Brauhaus. Bis 1924 wurde hier von der Familie Seidner Bier gebraut, das vor allem auf dem italienischen Markt vertrieben wurde. In den 1990er Jahren wurden beide Gebäude renoviert. Der achteckige Gärturm erinnert noch heute an die ehemalige Bierbrauerei.


Zum Weiterlesen

Ignaz Mader, Leopold von Bisdomini. Sein Lebensbild und die Brixner Kupferdruckanstalt, in: Der Schlern 14 (1933), S. 371-377.


Fotos: Alle Fotos stammen von Johanna Bampi. Das erste Foto zeigt den Ansitz Unterköstlan.


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Mühlbach: Wo die Grafen von Görz-Tirol ihre Macht demonstrierten

Wer ins Pustertal fährt, kommt an Mühlbach nicht vorbei. Der Ort liegt an einer ziemlich schmalen Stelle des Tales. Der historische Ortskern ist dicht bebaut. Auch die Häuser auf dem Sonnenhang Richtung Meransen schmiegen sich eng aneinander. Auffallend ist der städtische Charakter des Ortes, der von einem grün gedeckten Kirchturm überragt wird. Dies hat, wenig überraschend, mit der Geschichte von Mühlbach zu tun.

Ein Edelmann ohne Erben

Wir lassen die Geschichte von Mühlbach mit dem Jahr 1269 beginnen. Genau genommen ist der Ort jedoch älter. Darauf weisen frühere Nennungen von “Mulibah” hin. Allerdings wissen wir nicht genau, wie dieses “Mulibah” ausgesehen hat.

Ganz genau dokumentiert ist jedoch eine wichtige Handlung aus dem Jahr 1269. Damals übergab der kinderlose Friedrich von Rodank sowohl Schloss Rodenegg als auch die dazugehörende Herrschaft Rodeneck – und damit auch den kleinen Ort Mühlbach – an die Grafen Meinhard und Albert von Görz-Tirol. Doch er stellte Bedingungen: Die Grafen mussten sich verpflichten, hier einen befestigten Markt zu errichten. 

Noch heute bestimmen der grün gedeckte Kirchturm und der Ansitz Freienturm das Bild von Mühlbach.

Dieser Wunsch war gewiss auch im Sinne der beiden Grafen, denn sie setzten ihn sogleich um: Ein Ackerfeld nordöstlich der Kirche wurde zum Marktplatz umfunktioniert und durch eine neu erbaute Häuserzeile entsprechend abgeschlossen, am östlichen Ortsausgang ließ Meinhard einen Maierhof errichten. Zumindest an der Südseite des Ortes wurde eine Ringmauer erbaut, die sich bis heute weitgehend erhalten hat. Auch der Kern des späteren Ansitzes Freienturm, auf dem obigen Foto der massige Bau am Ortseingang, entstand vermutlich in dieser Zeit.

Bei einem dürfte der Ausbau von Mühlbach jedoch auf wenig Gegenliebe gestoßen sein: bei Bruno von Kirchberg, Fürstbischof von Brixen. Aus einer Urkunde von 1277 erschließt sich, dass dieser erst nachträglich und wohl eher widerwillig das Grundstück, auf dem der Mühlbacher Marktplatz errichtet worden war und das sich genaugenommen im Besitz der Kirche von Mühlbach befunden hatte, dem Grafen Meinhard von Görz-Tirol als Erblehen verlieh.

Auf der alten Landstraße von Mühlbach nach Schabs

Die alte Landstraße von Mühlbach nach Schabs

Die alte Landstraße von Mühlbach nach Schabs ist heute ein beliebter Spazierweg. Sie führt zunächst hinauf auf eine kleine Anhöhe mit der Stöcklvaterkapelle. Nach wenigen Metern markiert der Spingeser Bach die Grenze zwischen den Gemeinden Mühlbach und Schabs. Läuft der Weg auf Mühlbacher Seite inzwischen vorwiegend durch ein Wohngebiet und nur kurz durch einen bewaldeten Abschnitt, so liegt er auf Schabser Seite inmitten von Wiesen und gibt den Blick auf die Landschaft frei. Auf die Hänge von Rodeneck mit dem Hauptort Vill, der Pfarrkirche und der langgezogenen Burganlage von Schloss Rodenegg. Auf den Maurerberg und die Plose. 

Einmalig: der Blick auf Vill, Schloss Rodenegg, den Maurerberg und die Plose

Die Stöcklvaterkapelle

Einsam im Wald liegt am Wegesrand die Stöcklvaterkapelle. “Stöckl” nennt man im Pustertaler Dialekt eine gemauerte Kapelle. Der “Stöcklvater” ist eine barocke Holzskulptur, die den “Herrn im Elend” darstellt: einen sitzenden Christus, geschunden von der Geißelung, mit Dornen gekrönt. Die Holzfigur ist rund eineinhalb Meter groß. Sie trägt eine Kette mit zwei Votivgaben in Form von Herzen um den Hals. Ein roter Mantel bedeckt ihre Schultern. Der Bildhauer Raphael Warat aus Brixen schuf im Jahre 1659 die Holzfigur, die zu einem beliebten Wallfahrtsbild wurde. 

Die Stöcklvaterkapelle liegt idyllisch im Wald.

Schon bald konnte das kleine “Stöckl” die zahlreichen Gläubigen nicht mehr fassen. Auf Wunsch der Bürger von Mühlbach und mit deren finanziellen Mitteln wurde die Kapelle 1729 vergrößert. Außen schmücken den Bau Fresken aus dieser Zeit. Noch heute ist die Stöcklvaterkapelle das Ziel von Wallfahrern und lädt auch Spaziergänger zu einem Moment der Besinnung ein.


Zum Weiterlesen

Das Buch über die Marktgemeinde Mühlbach ist immer noch eine Fundgrube für alle, die mehr über die abwechslungsreiche Geschichte wissen wollen. Franz Heinz Hye (Hrsg.), Der alte Markt Mühlbach, Mühlbach 1979. Auf der Website der Landesbibliothek Dr. Friedrich Teßmann kann man online darin blättern.


Fotos: Johanna Bampi


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Der KulturSüdtirol-Jahresrückblick

Was für ein Jahr!” Wer hat diesen Ausspruch heuer nicht in den Mund genommen?

Für KulturSüdtirol gilt der Satz im positivsten Sinn: Fast 20.000 Leserinnen und Leser haben in den zurückliegenden zwölf Monaten kultursuedtirol.com aufgerufen und so für weit über 50.000 Seitenaufrufe gesorgt.

KulturSüdtirol – Menschen, Orte, Einblicke

KulturSüdtirol wird also nicht nur gerne, sondern auch intensiv gelesen. Und dafür sagen wir heute Danke – für Euer Interesse, für Eure Treue und Eure tollen Rückmeldungen auf unsere Internetseite, aber auch unseren Newsletter (den Ihr übrigens ganz einfach hier mit wenigen Klicks bestellen könnt)!

Bevor wir schon Anfang des neuen Jahres in Zusammenarbeit mit dem Geschichts- und Kulturverein Regensburg-Kumpfmühl (GKVR) in mehreren Beiträgen auf Entdeckungsreise durch Brixens Partnerstadt Regensburg starten, haben wir für Euch heute noch einmal die drei beliebtesten KulturSüdtirol-Beiträge aus dem Jahr 2020 zusammengestellt.

Viel Spaß beim (Nach-)Lesen – kommt gut ins neue Jahr!

Die beliebtesten KulturSüdtirol-Beiträge 2020

Platz 3: Die Eidechsspitze in Südtirol
„Hegedex“ wird die Eidechsspitze in den Pfunderer Bergen von den Einheimischen genannt. So heißt die Eidechse im lokalen Dialekt. Als „erster Berg“ des Pfunderer Tales hoch über Weitental und Terenten beherrscht sie, von Brixen kommend, den Blick ins Pustertal. Dank ihrer charakteristischen Westflanke ist sie leicht erkennbar. Weiterlesen

Platz 2: Jesse Perkhofers Dienstreise nach Regensburg 1640
Was für viele von uns inzwischen unvorstellbar war, wurde Mitte März zur Realität: Länder schlossen innerhalb der EU und auch für EU-Bürger ihre Grenzen. Inzwischen sind Lockerungen eingetreten und angekündigt worden, doch den bisherigen Status quo haben wir noch nicht erreicht. Weiterlesen

Platz 1: Heinrich und Thomas Mann in Südtirol
Im Juli 1901 weilten zwei Brüder und bis dato wenig bekannte Schriftsteller im Mitterbad in Ulten zur Kur: Heinrich und Thomas Mann. Der jüngere von beiden – Thomas Mann – feierte im Juni 2020 seinen 145. Geburtstag. Weiterlesen

Für den Jahreswechsel – und darüber hinaus: KulturSüdtirol auf Instagram!

KulturSüdtirol gibt es nicht nur auf www.kultursuedtirol.com.

Ganz neu: Der KulturSüdtirol-Instagramkanal. Schon abonniert?
www.instagram.com/kultursuedtirol_com

Frohe Weihnachten!

Liebe Leserinnen und Leser,

wir wünschen Euch von Herzen ein frohes Weihnachtsfest, einige erholsame Feiertage und alles erdenklich Gute im neuen Jahr 2021.

Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle für Eure Treue zu KulturSüdtirol und die vielen positiven Rückmeldungen zu unserer E-Mailaktion im November und Dezember. Wir wissen Euer Lob sehr zu schätzen und freuen uns darüber sehr.

Im neuen Jahr lesen wir uns wieder!

Beste Grüße,
Johanna Bampi und Benjamin Zwack

Der KulturSüdtirol-Adventskalender: Jeden Morgen um 7:00 per E-Mail.

Vom 1. bis 24. Dezember 2020: Täglich um 7:00 Uhr per E-Mail ein spannender, neuer Beitrag, immer unter dem Motto “Hättet Ihr gewusst…?”.

Mit KulturSüdtirol durch den Advent: Spannende Einblicke in die Partnerstädte Regensburg und Brixen, Oberpfalz und Südtirol – und weit darüber hinaus. Interessante Menschen, faszinierende Geschichte, neue Facetten aus unserem Alltag. Damit verkürzen wir die Zeit bis Weihnachten ganz bestimmt!

Alles, was Ihr tun müsst, um ab 1. Dezember dabei zu sein: Hier beim KulturSüdtirol-Newsletter anmelden. Und falls Ihr schon im November dabei gewesen seid, ist eine erneute Anmeldung nicht nötig. Schon jetzt gute Unterhaltung und viel Vergnügen, den ganzen Advent lang!

Alle bisher erschienenen Ausgaben auf einen Blick:

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 01.12.2020: Das Rathaus in Meran

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 02.12.2020: Hubert Eblenkamp

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 03.12.2020: Oskar von Redwitz im Schillerpark Meran

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 04.12.2020: Kameramann Willi Rainer

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 05.12.2020: Kastelruth

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 06.12.2020: Mühlbach

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 07.12.2020: Kristoffer Eliassen

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 08.12.2020: Die Seiser Alm

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 09.12.2020: Die Rodenecker Alm

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 10.12.2020: Theresa Wolf

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 11.12.2020: Die Radlseehütte

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 12.12.2020: Simone Weber im Interview

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 13.12.2020: Die Eidechsspitze in Südtirol

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 14.12.2020: “Regensburg” in Ungarn, “Südtirol” in Estland

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 15.12.2020: Der Schlern

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 16.12.2020: Christian Springer, Orienthelfer e.V.

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 17.12.2020: Christophorus in Südtirol

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 18.12.2020: Irina Graf von themiceblog.com

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 19.12.2020: Sabine Kühne in Rom

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 20.12.2020: Nina Schuster

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 21.12.2020: Zum Weihnachtsmann nach Finnland

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 22.12.2020: Ulrike Wörndle vom Reisebüro Seiseralm

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 23.12.2020: Ein Ausblick auf 2021

Der KulturSüdtirol-Adventskalender am 24.12.2020: Johanna und Benjamin

KulturSuedtirol im November: Das Newsletterarchiv

Wir starten gemeinsam mit Euch in einen Monat, den es so vermutlich noch nie gab. Aber: Wir haben etwas dagegen – nämlich 30 positive Einblicke, interessante Menschen und unterhaltsame Geschichten. Also ein gemeinsamer Perspektivenwechsel früh am Morgen. Täglich um 7 Uhr in Deinem Posteingang.

Übrigens: Auch neue Leserinnen und Leser sind jederzeit willkommen. Einfach unter http://newsletter.kultursuedtirol.com anmelden und keine Ausgabe mehr verpassen.

Hier die bislang erschienenen Ausgaben auf einen Blick:

Zum Start von “30 Tage, 30 gute Nachrichten”: So funktionierts.

Sonntag, 1. November 2020: Ein Sonntagsspaziergang entlang des Geschichtsparcours

Montag, 2. November 2020: Omas Gewürzkuchen aus den 30ern

Dienstag, 3. November 2020: Der Musiker Christoph Wiatre im Interview

Mittwoch, 4. November 2020: Ein fingierter Brief aus Brixens Partnerstadt Regensburg…

Donnerstag, 5. November 2020: Schloss Rodenegg

Freitag, 6. November 2020: Erik Fosnes Hansen – Ein Hummerleben

Samstag, 7. November 2020: Christian Straub im Interview

Sonntag, 8. November 2020: Ein Sonntagsspaziergang nach Elvas

Montag, 9. November 2020: Thomas Girst – Alle Zeit der Welt

Dienstag, 10. November 2020: Gästeführer und “Stadtzeiger” Walter Kircher

Mittwoch, 11. November 2020: Ein Stadtspaziergang in Sterzing

Donnerstag, 12. November 2020: Eine Geschäftsreise vor 380 Jahren von Brixen nach Regensburg

Freitag, 13. November 2020: Philipp Frener in New York

Samstag, 14. November 2020: Klaus-Werner Haupt über Theodor Fontanes Italienreise

Sonntag, 15. November 2020: Der “Monte Kaolino” in der Oberpfalz

Montag, 16. November 2020: Saina Bayatpour von Miceloc im Interview

Dienstag, 17. November 2020: Franz Kafka in Meran

Mittwoch, 18. November 2020: Der Gletscherblick von Gossensaß

Donnerstag, 19. November 2020: Ulrike Prange aus Bremen

Freitag, 20. November 2020: Leopold Bisdomini

Samstag, 21. November 2020: Ach, Europa!

Sonntag, 22. November 2020: Die Hochgrubbachspitze

Montag, 23. November 2020: Mit pilot_frank in die Luft gehen

Dienstag, 24. November 2020: Ein Stadtspaziergang in Bruneck

Mittwoch, 25. November 2020: Theresa Troglauer

Donnerstag, 26. November 2020: Rudolf Maison, vorgestellt von Hubert Wartner

Freitag, 27. November 2020: Gert T. Svendsen: “Kontrolle ist gut. Vertrauen ist günstiger.”

Samstag, 28. November 2020: Der Wilde See in den Pfunderer Bergen

Sonntag, 29. November 2020: Das Rathaus in Sterzing

Montag, 30. November 2020: Joseph Koos Indigo-Blaudruck

Durch den November mit KulturSuedtirol: 30 Tage, 30 gute Nachrichten.

Jetzt mitmachen und dem Herbst-Blues trotzen! KulturSuedtirol.com nutzt den November, um täglich per E-Mail ein spannendes Thema, eine interessante Person oder einen besonderen Einblick frei Haus zu liefern – inspirierend, positiv und humorvoll. Täglich zur Frühstückszeit um 7:00 Uhr.

So einfach seid Ihr dabei:

  1. Falls noch nicht geschehen, abonniert gleich den KulturSuedtirol-Newsletter (direkt hier mit wenigen Klicks) – selbstverständlich kostenfrei!
  2. Werft einen Blick in Euer E-Mailpostfach und bestätigt die KulturSuedtirol-Mail! Kleiner Tipp: Wenn Ihr die Adresse info@kultursuedtirol.com Eurem Adressbuch hinzufügt, landet der Newsletter garantiert jeden Morgen in Eurem Posteingang.
  3. Fertig! Wir wünschen Euch viel Spaß beim Lesen, freuen uns auf Euer Feedback und hoffen, dass Ihr mit diesem Newsletter noch besser durch diesen November kommt.

Reiseerinnerungen: Wenn eine große deutsche Fluggesellschaft den Reformationstag ganz zufällig “fliegerisch” begeht…

Die Durststrecke für Flugbegeisterte wie mich ist derzeit lang – richtig lang.

Keine quirlige Flughafenatmosphäre, kein Klackern der “Fallblattanzeige” (was für ein Wort!) in Frankfurt, kein windiger Start mit einer Propellermaschine in Innsbruck. Auf dass es bald wieder zurückkommt… Bis dahin ist KulturSuedtirol.com auch virtuell unterwegs. Herzlich willkommen zur neuen, gleichnamigen Rubrik!

Wer mich zu dieser Begeisterung rund ums Fliegen gebracht hat? Ausgerechnet der Flughafenpfarrer am Flughafen München im fernen Jahr 2005… Menschlich wie fachliche eine mehr als beeindruckende Persönlichkeit an einem ebenso beeindruckenden Ort. Ein Praktikum während meines Studiums ermöglichte mir bewegende Einblicke, die es sonst nur höchst selten gibt.

Abgesehen von den eigentlichen, durchaus fordernden Inhalten des damaligen Praktikums kann ich – sozusagen als Nebeneffekt – seit dieser Zeit treffsicher alle möglichen Flugzeugtypen identifizieren, kenne mich – zumindest theoretisch – mit Triebwerken und den Tücken der Brauchwasserentsorgung aus und weiss, wie es in einem Frachtraum eines Langstreckenfliegers aussieht. Auch die ein oder andere Finesse der Gepäcksortieranlage und anderer abgelegener Einrichtungen am Münchner Flughafen durfte ich kennenlernen – den unglaublich aufgeschlossenen MitarbeiterInnen sei Dank. 

Randnotiz: “Leidtragende” dieses Wissens ist heute meine Frau, bei gemeinsamen Flügen und etwas Wartezeit vor dem Abflug: “War das jetzt eine 737-700 oder doch die längere -800?”. Auch gerne genommen: “Oh, die ‘Marburg’ – mit der gings 2010 nach Kazan!”. Und dass zuviel Expertenwissen bei Laien manchmal auch verunsicherte Blicke auslösen kann, geschenkt: “Ah, die D-AIPY, einer der ältesten Flieger der Lufthansa, fast 30 Jahre im Dienst!”

Damit also ein Blick zurück ins (digitale) Fotoalbum: Denn dort findet sich ein unspektakulärer Flug, bei dem aber ein wirklich schöner Zufall gelungen ist – passend zum Reformationstag am 31. Oktober:

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von flightradar24.com

So führte der Lufthansa-Cityline-Flug am Reformationstag 2019 von Kopenhagen nach München mit einem A319 exakt über Luthers Geburts- und Sterbeort Eisleben. Der Taufname der Maschine: Ausgerechnet “Lutherstadt Wittenberg”.

Ein Volltreffer für die FlugplanerInnen, würde ich sagen! Auch wenn ich einschränkend anmerken muss, dass das vermutlich außer mir niemand im Flugzeug gemerkt hat. Aber so ist das eben mit den Hobbies…

Ich wünsche mit diesem Beitrag jedenfalls allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an Flughäfen und bei Fluggesellschaften, dass sie bald wieder starten können.

Wo Politik gemacht wird: Dreharbeiten im Rathaus von Sterzing

Ein stattliches Gebäude mit gleich zwei doppelgeschossigen Erkern. Darunter ein ungewöhnlicher Kopf, in den hellen Stein gehauen. Die Rede ist vom Sterzinger Rathaus. Seit mehr als 500 Jahren ist es Sitz der städtischen Politik und Verwaltung. Eine fast unglaubliche Geschichte. Und wir mittendrin. 

Eine kluge Investition

Wir, das sind Benjamin Zwack und ich und zugleich die Drehbuchautoren, Kameramann Willi Rainer von Sora Film Brixen und Walter Sottsass sowie der Historiker Dieter Thaler, der uns in einem Interview einiges über das Rathaus von Sterzing erzählt. Im Jahr 1468 kauften der Bürgermeister und der Rat der Stadt Sterzing von Hans Ris, dem Vormund der Gerberischen Kinder, ein Stadthaus und einen Stadel. An dieser Stelle ließen sie ein neues Rathaus bauen. Eine kluge Investition. Denn – schon seit nun mehr als 500 Jahren tut das Gebäude seinen Dienst. 

Der historische Ratssaal

Besonderes Augenmerk verdient der mit Holz getäfelte Ratssaal im ersten Stock. Durch die alten Butzenscheiben fällt nur wenig Licht. In einer Ecke steht ein großer Kachelofen. Was für eine Atmosphäre! Noch heute versammelt sich hier der Gemeinderat von Sterzing zu seinen Sitzungen. 

Dreharbeiten im historischen Ratssaal mit dem Historiker Dieter Thaler

Ein Lichthof in der Mitte des Gebäudes

Die verschiedenen Räume und Büros des Gebäudes sind um einen zweigeschossigen Lichthof gruppiert. Hier im Lichthof befinden sich Kunstwerke, die mit der Geschichte der Stadt aufs engste verbunden sind. Unter all den Bildern kommen uns zwei Gesichter bekannt vor: Erzherzogin Maria Theresia und ihr Mann Franz Stephan von Lothringen, das spätere Kaiserpaar. 1739 machten die beiden auf ihrer Reise in die Toskana in Sterzing Halt. 

Dreharbeiten im Lichthof des Rathauses

Ja, wie viele Geschichten könnte dieses Gebäude wohl erzählen? Nicht nur von historischen Persönlichkeiten, die im Laufe der Jahrhunderte hier zu Gast waren, sondern auch von Menschen wie du und ich. Von Menschen, die sich hier Unterstützung in ihren Anliegen erhofften oder ganz besonders glückliche Momente in diesen Mauern erlebten. 

„Historische Rathäuser in Südtirol“ für Rai Südtirol

Mich hat das Rathaus begeistert. Und ich freue mich schon jetzt auf die TV-Dokumentation „Historische Rathäuser in Südtirol“. Bald zu sehen auf Rai Südtirol. 

Der Eckerker des Rathauses ist mit Wappen geschmückt.

Abbildungsnachweis: Alle Fotos stammen von Johanna Bampi und Benjamin Zwack.


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Franz Kafka: Ein Beamter besucht Meran

Buchstäblich am Wegesrand, und zwar am unteren Teil der Passerpromenade in Meran, stehen mehrere Büsten und plastische Kunstwerke. Sie erinnern an Menschen, die für die Geschichte und Entwicklung der Stadt Meran wichtig waren. Eine Büste trägt den Titel „Hommage an Franz Kafka“. 

Franz Kafka, ein unbekannter Versicherungsbeamter

An der Fassade der Ottoburg in Untermais, einem Privathaus in der Maiastraße, erinnert heute eine Marmortafel an den Aufenthalt von Franz Kafka in Meran. Als er im April 1920 am Bahnhof von Meran aus dem Zug stieg, war er einer von vielen. Ein lungenkranker Versicherungsbeamter aus Prag, deutscher Muttersprache, der sich hier Linderung seiner Beschwerden erhoffte. An eine Heilung war damals nicht zu denken. 

Vom Hotel Emma in die Pension Ottoburg

Der Weg vom Bahnhof ins Hotel Emma in der Europaallee, einer der ersten Adressen in der Stadt, war nicht weit. Umso anstrengender muss die Reise von Prag nach Meran gewesen sein, die im Jahr 1920 bereits über mehrere Staatsgrenzen führte. Nach wenigen Tagen im Hotel zog Kafka in die Pension Ottoburg um, wo er fast drei Monate bleiben sollte. Im ehemaligen Hotel Emma ist heute die Fachoberschule für Tourismus und Biotechnologie „Marie Curie“ untergebracht.

Meran im Herbst: das Kurhaus

Kafka schreibt an Milena und an seine Schwester Ottla

Bereits von Meran aus schrieb Kafka zahlreiche seiner heute so bekannten Briefe an Milena Jesenská (1896–1944), in die auch Schilderungen seines Alltags in Meran einflossen. Auch seine jüngste Schwester Ottla (1892–1943) nahm durch einen regen Briefverkehr an seinem Leben intensiv teil. 

Franz Kafka an der Passerpromenade

Urs Lüthi schuf im Jahr 2015 die Bronzebüste an der Passerpromenade in der Höhe der evangelischen Christuskirche. Der Kopf mit seiner Glatze und den runden, konvex hervortretenden Augenhöhlen will dezidiert keine Porträtbüste Franz Kafkas sein, sondern ähnelt ganz bewusst dem Künstler selbst. Lüthi stellt in seinem Werk komplexe und vieldeutige Verweise zwischen seiner Identität, die er Kafka überstreift, her und spielt dadurch zugleich auf eines der berühmtesten Werke des Schriftstellers an: auf die Erzählung „Die Verwandlung“ und dessen Hauptfigur Gregor Samsa, die sich in ein Ungeziefer verwandelt. 

Hommage an Franz Kafka, von Urs Lüthi, 2015

Meran feiert das Kafka-Jahr

100 Jahre sind seit dem Kuraufenthalt Franz Kafkas in Meran vergangen. Meran feiert dieses Jubiläum mit einem Kafka-Jahr und verschiedenen Veranstaltungen wie Ausstellungen im Touriseum Schloss Trauttmansdorff und im Palais Mamming Museum, mit Stadtspaziergängen auf den Spuren des inzwischen weltberühmten Autors, mit Filmvorführungen, einer Tagung und vielem mehr. 


Zum Weiterlesen

  • Das Kafka Jahr 2020 in Meran: Informationen zu Franz Kafka und zu seinem Aufenthalt in Meran sowie das Programm aller Veranstaltungen findest Du auf der Website: kafka2020meran.it
  • „MenschenBilder“, ein Kunstprojekt an der Passerpromenade: Informationen zum Werk von Urs Lüthi (sowie zu allen anderen Kunstwerken) sowie zum Kunstprojekt „MenschenBilder“, das nach einer Idee von Arnold Mario Dall’Ò von Kunst Meran im Auftrag der Gemeinde Meran umgesetzt wurde, findest Du auf der Website von Kunst Meran: kunstmeranoarte.org

Abbildungsnachweis: Alle Fotos stammen von Johanna Bampi. Die historische Ansichtskarte aus dem Jahr 1911 befindet sich in Privatbesitz.


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