„150 Jahre Pustertalbahn“ auch als MDR-Podcastfolge

Erst eine TV-Dokumentation für Rai Südtirol von Johanna Bampi über das 150-jährige Bestehen der Pustertalbahn zwischen Franzensfeste und Lienz, nun auch ein ausführlicher Radio- bzw. Podcastbeitrag von MDR Thüringen zu diesem besonderen Jubiläum.

In den vergangenen Wochen entstand in Zusammenarbeit mit Sorafilm Brixen und den KulturSuedtirol-Autoren Johanna Bampi und Benjamin Zwack durch MDR-Journalist Markus Wetterauer eine 25-minütige Podcastfolge, die Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Pustertalbahn akustisch erlebbar macht.

Die Folge ist in der Reihe „Abenteuer Eisenbahn“ von MDR Thüringen erschienen und auf der MDR-Website sowie in allen Podcatchern abrufbar. Und der für Rai Südtirol produzierte Film ist auch weiterhin in voller Länge in der Mediathek der Rai zu finden.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Markus Wetterauer für die gute Zusammenarbeit!

Beitragsbild: Markus Giger, CC BY-SA 2.5 ch

TV-Doku „150 Jahre Pustertalbahn: Johanna Bampis neuer Film am 15.11. um 20:20 Uhr auf Rai Südtirol

„150 Jahre Pustertalbahn“ – hier in voller Länge in der Rai Mediathek ansehen!

Geschichte in Bewegung: Im Jahr 2021 blickt die Pustertalbahn in Süd- und Osttirol auf 150 Jahre ihres Bestehens zurück. Grund genug, der Geschichte ihres Entstehens, dem aktuellen Betrieb und den zukünftigen Herausforderungen dieser Strecke genauer auf den Grund zu gehen. Johanna Bampi und Willi Rainer von SORA-Film haben den Zug auf seiner gesamten Strecke durch das Pustertal begleitet, mit Historikern und Eisenbahnfans gesprochen.

Zugleich lässt der Dokumentarfilm die Menschen entlang der Strecke sowie in den Zügen zu Wort kommen. Was treibt sie an und was fasziniert sie besonders, die täglich in, an und mit den Zügen arbeiten? Was denken Pendlerinnen und Pendler über „ihre“ Strecke durch das Pustertal?

Der Dokumentarfilm, der im Sommer 2021 entstanden ist, zeigt die Pustertalbahn aus ganz verschiedenen Blickwinkeln: Aufwändige Drohnenaufnahmen, historisches Bildmaterial, viele Details aus den modernen Flirt-Zügen und Interviews mit Expertinnen und Experten wechseln sich ab.

„150 Jahre Pustertalbahn“ lautet der Titel dieser abwechslungsreichen Dokumentation – zu sehen am 15. November um 20:20 Uhr im Programm von Rai Südtirol.

Johanna Bampi und Benjamin Zwack zu Gast in der Nordsee Akademie Leck

Nordsee Akademie Leck

Am vergangenen Freitag ging es für das KulturSüdtirol-Team von einer der südlichsten Gegenden Europas, in der Deutsch gesprochen wird – nämlich Südtirol – in eine der nördlichsten.

Ein ganzer Nachmittag stand in der Nordsee Akademie Leck in Nordfriesland im Zeichen von Minderheitensprachen, der Kommunikation von Minderheitenthemen – und der Vision einer mehr- und vielsprachigen Region zwischen Deutsch, Dänisch, Plattdeutsch, Friesisch und Sønderjysk. 

Ein beeindruckend engagierter, offener Austausch entstand, gerade auch über die vielen Gemeinsamkeiten und manche Unterschiede zu Südtirol. Herzlichen Dank für die Einladung, die hervorragende Organisation durch die Nordsee Akademie und die angeregte und anregende Diskussion.

Am Ende waren sich alle Beteiligten einig: Dieser Austausch sollte fortgesetzt werden. Daher: Auf bald!

Spätherbst in Schloss Rodenegg

Schloss Rodenegg

Hoch über der Rienzschlucht liegt langgezogen die Burg Rodenegg. Im 13. Jahrhundert von den Herren von Rodank an strategisch wichtiger Stelle am Übergang vom Pustertal ins Eisacktal errichtet, galt sie ob ihrer Lage über Jahrhunderte als uneinnehmbar. 

Ganz schön imposant

Heute führt statt der ehemaligen Zugbrücke über den Burggraben eine bequeme Holzbrücke auf das eisenbeschlagene Tor zu. Dennoch: Die Burg präsentiert sich ganz schön imposant. Und der kleine Erker überm Tor kaschiert eine Pechnase. Im Inneren passieren wir ein zweites Burgtor – ebenfalls einst mit einer Zugbrücke und einem Fallgitter gesichert – bevor wir den malerischen Innenhof erreichen.

Ein herrlicher Ausblick und einmalige Fresken

Hier befinden wir uns im Herzen der Burg. Vom Burghof führt eine Wendeltreppe in die oberen Geschosse, offene Loggien verbinden die einzelnen Trakte miteinander, Treppen gleichen die Niveauunterschiede zwischen den einzelnen Stockwerken aus. Hier im Innenhof befindet sich auch das zweigeschossige Brunnenhaus mit der Zisterne, die die Trinkwasserversorgung für die Bewohner garantierte. Auch die Michaelskapelle aus dem 16. Jh. wird vom oberen Schlosshof aus betreten. 

Auf Felsen gebaut: Schloss Rodenegg

Und hinter einer unscheinbaren Holztür verbirgt sich der wohl größte „Schatz“ von Rodenegg: die Iwein-Fresken. Um 1220 gemalt zählt dieser Zyklus zu den ältesten profanen Wandmalereien in ganz Europa. Er erzählt von den Abenteuern des Ritters Iwein nach einem Roman von Hartmann von Aue. 

Eigentlich hatte man, als 1972 mit der Freilegung der Iwein-Fresken begonnen wurde, in dem kleinen Raum im Erdgeschoss die alte Kapelle vermutet. Diese aber befindet sich, wie man heute weiß, im gegenüberliegenden Schlosstrakt. Vor wenigen Jahren wurden dort ebenfalls romanische Wandmalereien freigelegt. 

Der Eingang zur Michaelskapelle aus dem 16. Jahrhundert: Über der Tür der Erzengel Michael mit der Seelenwaage.

Und sonst noch? Grandios ist der Ausblick von der Burg über den Garten Richtung Schabs und Viums. An einer Seite durch eine Mauer und einen Torturm gesichert, fallen die Felswände an den anderen Seiten des weitläufigen Gartens steil in die Rienzschlucht hinab. An trüben Tagen steigen hier Nebelschwaden hoch und verleihen der Burg eine geradezu mystische Atmosphäre. Schloss Rodenegg verzaubert uns auch im November. 

Im Garten von Schloss Rodenegg.

Schloss Rodenegg befindet sich in Privatbesitz und kann während der Sommermonate besichtigt werden. Zu den Höhepunkten des Rundgangs zählen die Iweinfresken sowie die Malereien der alten Kapelle und der Michaelskapelle. Natürlich wird hier auch eine Waffenkammer gezeigt… oder das Verlies des „Lauterfressers“, eines angeblichen Hexenmeisters. 


Alle Fotos: Johanna Bampi


Neugierig auf weitere Themen aus Südtirol? Kennst Du schon diese? 
Happy birthday, Wandelhalle!
Wenn der Kaiser zu Besuch kommt…

Wie aus dem Schloss Taurenstein das Rathaus von Brixen wurde

Das Rathaus von Brixen zieht wahrlich die Blicke auf sich. Die Fassade zum Domplatz ist aufwändig gestaltet: mit Erkern, einem Turm und Zinnen auf dem Dach. Fast wie im Mittelalter. Doch der Schein trügt.

Vom Bürgerhaus zum Schloss

Das heutige Rathaus von Brixen war ursprünglich ein einfaches Bürgerhaus. Es lag, wie andere auch, genau zwischen dem Domplatz und den Lauben und gehörte der Familie Oberhaidacher. Im Erdgeschoss führte die Familie eine Mehl- und Viktualienhandlung, die oberen Stockwerke waren bewohnt.

Im Jahr 1895 verkaufte die Familie das Haus an Hofrat Ferdinand Kaltenegger. Er ließ das Gebäude nach seinen Vorstellungen umbauen. So wurde aus dem schlichten Handelshaus Oberhaidacher das Schloss Taurenstein.

Gemalte Fanfarenbläser empfangen uns im Treppenhaus.

Ein Faible für das Mittelalter

Nicht nur an der Fassade zum Domplatz, nein, auch im Inneren des Hauses griff der Bauherr die Idee eines mittelalterlichen Schlosses auf. Besonders deutlich lässt sich das im Treppenhaus erkennen. Es erinnert an einen Burghof. Doch das alte Mauerwerk und die verwitterten Fensterläden sind gemalt, ebenso der rankende Efeu, der dem Ganzen einen idyllischen Charakter gibt. Die steilen und verwinkelten Treppen verstärken diesen Eindruck.

Auf und ab, die Treppen im Rathaus halten uns fit, wenn Kameramann Willi Rainer und ich während der Dreharbeiten verständlicherweise ab und zu auch auf den Aufzug ausweichen.

Die Malereien verwandeln das zentrale Treppenhaus in einen idyllischen Schlosshof.

Vom Schloss zum Rathaus

Nicht einmal zwanzig Jahre lang bewohnte Ferdinand Kaltenegger sein Schloss Taurenstein: Er starb im Mai 1911 im Alter von 68 Jahren. Seine Tochter Johanna Pejicic zeigte wenig Interesse an diesem Herzensprojekt ihres Vaters und verkaufte es bereits im November desselben Jahres an die Stadtgemeinde Brixen.

Das war ein absoluter Glücksfall! Das Gebäude befand sich in einem guten baulichen Zustand, und es bot genügend Platz für die wachsende Zahl an Gemeindeämtern und Angestellten. Vor dem Einzug wurden elektrisches Licht und ein Telefonanschluss installiert und das Gebäude an die Kanalisation angeschlossen. Möbel, Gemälde und Bilder wurden größtenteils übernommen. Deswegen hängen im Rathaus noch heute Porträts der Familie Kaltenegger.

In der Halle im zweiten Stock trifft zeitgenössische Kunst auf das 19. Jahrhundert.

Alte und neue Kunst

Hofrat Ferdinand Kaltenegger bewohnte den zweiten Stock des Gebäudes. Hier ließ er den Rittersaal – heute Ratssaal – sowie weitere Räume mit Wandmalereien von Raphael Thaler schmücken. Sie zeigen Szenen aus der Stadtgeschichte von Brixen.

Wir treffen im Rathaus jedoch auch auf eine große Zahl zeitgenössischer Kunstwerke, die die Gemeinde erworben hat und im neu renovierten Rathaus wunderbar zur Geltung kommen. Es gibt hier wahrlich viel zu sehen!

Zeitgenössische Kunst schmückt die Wände im zweiten Treppenhaus des Rathauses.

Was für eine Aussicht

In die Dachterrasse des Rathauses könnten wir uns glatt verlieben! Sie bietet einen einmaligen Rundumblick über die gesamte Stadt und wird für Veranstaltungen, Empfänge und Hochzeiten genutzt.

Der Blick auf den Weißen Turm von der Dachterrasse des Rathauses.

Historische Rathäuser: eine TV-Dokumentation für Rai Südtirol

Derzeit drehen wir – Willi Rainer, Benjamin Zwack und Johanna Bampi – eine zweite Folge über historische Rathäuser in Südtirol. Das Rathaus von Brixen, historisch und doch zeitgemäß, darf dabei natürlich nicht fehlen. Und wir sind begeistert von den spannenden Geschichten und sehenswerten Winkeln, die es zu bieten hat!

Malereien von Raphael Thaler schmücken die heutigen Büros im zweiten Stock.

Alle Fotos: Johanna Bampi


Neugierig auf weitere Themen aus Südtirol? Kennst Du schon diese? 
„Das plastische Bild“: eine Ausstellung von Sonya Hofer in Klausen
Das Rathaus von Meran

4. Interalpine Energie- und Umwelttage im Vinschgau eröffnet: Wasserkraft im Spannungsfeld zwischen Natur- und Klimaschutz

Es freut mich sehr zu sehen, dass diese Veranstaltung heute in einem vollbesetzten Saal stattfindet. Gerade weil wir dieses Jahr wieder ein interessantes Programm mit hochkarätigen Experten und Expertinnen aus Forschung, Wirtschaft und Politik zusammenstellen konnten. Dieser Austausch zwischen Wissenschaft, Entscheidungsträger und der Praxis ist unersetzlich für eine nachhaltige Veränderung,“ so Walter Gostner, Verwaltungsrat des IBI-Euregio Kompetenzzentrums. 

Die 4. Interalpinen Energie- & Umwelttage werfen dieses Jahr die Frage nach dem Gleichgewicht zwischen Natur- und Klimaschutz auf. Die Wasserkraft in Südtirol nimmt mit der Deckung von 88% des eigenen Energiebedarfs eine absolute Vorreiterrolle ein. Der Fokus auf erneuerbaren Energien nimmt besonders durch den steigenden Energieverbrauchs durch Digitalisierung und E-Mobilität einen noch größeren Stellenwert ein. Damit leistet die Wasserkraft einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz im alpinen Raum. Gleichzeitig soll und darf der Naturschutz aber nicht zu kurz kommen.

Ebendiese Brücke zwischen Ökologie und Ökonomie zu schlagen, ist das Ziel der Veranstaltung. Die Balance der beiden Felder zu finden, kann nur durch ehrlichen und kompetenten Austausch funktionieren. Eine Nachhaltigkeit mit 360° Blick bedarf den Einbezug von Expert:Innen, Wirtschaftstreibenden und Politik.  

Gerade in der Zeit des Klimawandels benötigen die Entscheidungsträger:innen ein möglichst breites Fundament an Forschung und Fachwissen, um konkrete Schritte setzen zu können. Josef Thurner, Bürgermeister von Mals, bringt es in seiner Begrüßung mit diesen Worten auf den Punkt „Die Entscheidungen dieses Jahrzehntes gestalten die Welt, in der wir am Ende des Jahrhunderts leben.“ 

Die Herausforderungen, vor der die Gesellschaft steht, kann nur gemeinsam gelöst werden. Das IBI-Euregio Kompetenzzentrum versucht daher mit Veranstaltungen wie den 4. Interalpinen Energie- & Umwelttagen und den in Kürze anstehenden 4. Interalpinen Bautagen am 11.-12. November im Congresspark Igls das Fundament für diese nachhaltige Veränderung zu legen. 

Die 4. Interalpinen Energie- & Umwelttage werden morgen mit einer technischen Exkursion des Kraftwerkes Rambach fortgesetzt. 

Foto (von links nach rechts): Ronald Patscheider, Ingenieure Patscheider & Partner, Rudi Rienzner, SEV Südtiroler Energieverband, Bettina Geisseler, GEISSELER LAW, Dietmar Thomaseth, Präsident IBI-Kompetenzzentrum, Johann Herdina, TIWAG Tiroler Wasserkraft AG, Walter Gostner, Verwaltungsratsmitglied IBI-Kompetenzzentrum

Ausblick: 4. Interalpine Energie- und Umwelttage Mals 2021

Erneut eine renommierte Tagung in Südtirol zu einem wichtigen Zukunftsthema: Am 21. und 22. Oktober laden das IBI Euregio Kompetenzzentrum und seine Partner zu einer neuen Auflage der Interalpinen Energie- und Umwelttage.

Wasserkraft: Zwischen Klimawandel und Gewässerschutz

Unter dem Motto „Wasserkraft im Spannungsfeld zwischen Klimawandel und Gewässerschutz – bleibt sie überlebensfähig?“ treffen sich Expertinnen und Experten aus dem gesamten deutschsprachigen Raum im Kulturhaus Mals im Vinschgau, um ökologische und sozio-ökonomische Aspekte der Wasserkraft zu erörtern.

Aus der aktuellen Forschung und Praxis berichten die Vortragenden und setzen sich mit dem Thema durchaus kritisch auseinander. Dadurch ist sichergestellt, dass es einen intensiven, praxisorientierten Austausch neuer Ideen und innovativer Ansätze für das zukünftige Handeln zum Thema Wasserkraft geben wird.

Inputs hochkarätiger ReferentInnen, Diskussionen und neue Ansätze

So sieht der 21. Oktober ein abwechslungsreiches Tagungsprogramm vor, durch das Bettina Geisseler (Geisseler Law) und Dietmar Thomaseth (Geschäftsführer bei TIQU-Tiroler Qualitätszentrum für Umwelt, Bau und Rohstoffe GmbH) führen werden:

  • Neben Impulsvorträgen zum Spannungsfeld Wasserkraft und Gewässerschutz sind Fachreferate zu ökologischen und strategischen Fragestellungen vorgesehen.
  • Abgerundet wird der Tag durch Best-Practice-Beispiele zu Klein- und Restwasserkraftwerke.
  • Die Möglichkeit zum Fachaustausch und zur Diskussion sind jederzeit möglich, denn auch das Netzwerken soll bei dieser Präsenzveranstaltung nicht zu kurz kommen.

Am 22. Oktober werden sich die Teilnehmenden dann ganz der Praxis widmen – mit einer technischen Exkursion zur Besichtigung eines Kraftwerks.

Jetzt informieren und anmelden: Alle Details auf einen Blick

Die Interalpinen Energie- und Umwelttage Mals finden vom 21. bis 22. Oktober 2021 im Kulturhaus Mals statt und werden vom IBI Euregio Kompetenzzentrum veranstaltet.

Eine Anmeldung zur Teilnahme ist direkt unter https://www.ibi-kompetenz.eu/energieumwelt/ möglich.

Das detaillierte Programm der beiden Tage ist online unter diesem Link auf der Seite des IBI Kompetenzzentrums abrufbar.

Happy Birthday Wandelhalle!

130 Jahre ist sie alt, die Wandelhalle in Meran. An der sonnigen Winterpromenade gelegen lädt dieses gebaute Stück Meraner Kurgeschichte noch heute zum Verweilen ein.

Ich sitze auf einer Bank in der Wandelhalle, lausche dem Rauschen der Passer und schaue einem Spatz zu. Hier kann man ganz herrlich einfach nichts tun. Oder man kann sich mit etwas Fantasie vorstellen, wie es hier vor 130 Jahren zuging, als sich die gut betuchten Kurgäste in der Wandelhalle trafen.

In den Frühlingsmonaten war die Wandelhalle tatsächlich ein Treffpunkt der Gäste, und zwar bereits früh am Morgen. Hier fand man sich zur Molkekur ein. Die etwas säuerlich schmeckende Molke wurde auf nüchternem Magen getrunken, am besten während gleichmäßigen „Wandelns“ im Freien. Ausgegeben wurde die Molke in der Trinkhalle am oberen Ende der Wandelhalle, die damals auch gleich mehrere Arten von gesundem Mineralwasser führte. Heute befindet sich dort ein Cafe.

Sehen und Gesehen-Werden

Ob während des „Wandelns“ Zeit für ein Gespräch blieb? Bestimmt. Für Unterhaltung sorgte außerdem das Kurorchester mit dem morgendlichen Molkenkurkonzert. Die Musiker spielten in der Mitte der Wandelhalle, der so genannten Ehrenhalle. Diese ist noch heute mit Büsten und Gedenktafeln geschmückt und erinnert somit an wichtige Männer, die für Merans Entwicklung zur Kurstadt bedeutsam waren. Die Büste in Zentrum zeigt Herzog Carl Theodor in Bayern (1839-1909), den Lieblingsbruder von Kaiserin Elisabeth. Er verbrachte viele Winter in der Passerstadt und praktizierte als Augenarzt. Die ärmeren Bevölkerungsschichten fanden bei ihm unentgeltlich Hilfe bei ihren Augenleiden.

Das Wetter ist wundervoll. Windstille, sonnige Tage locken unsere fremden Gäste ins Freie und ist besonders die neue Wandelhalle, in welcher täglich die Frühconcerte der Curkapelle stattfinden, der Sammelpunkt der Curwelt.

Pustertaler Bote, 13. November 1891.

Im Trend der Zeit

Als die Wandelhalle im Jahr 1891 errichtet wurde, lag Meran mit der Wahl einer Gusseisenkonstruktion absolut im Trend. Ganze 90 Meter ist sie lang und vier Meter breit. Gebaut wurde sie von der renommierten Firma Gridl aus Wien, die zuvor u.a. das Palmenhaus in Schloss Schönbrunn realisiert hatte. Der neuen Wandelhalle musste damals die ältere, aus Holz gebaute und nicht mehr zeitgemäße Halle weichen. Der Bau der ersten Halle in den 1850er Jahren war auf Widerstand gestoßen, da genau dieser Abschnitt des Passerufers zum Trocknen der Wäsche genutzt worden war.

Eine Ansicht des „Burgendorfes“ Prissian, gemalt von Franz Lenhart.

Veduten aus Südtirol

Heute schmücken die Wandelhalle Landschaftsbilder aus Südtirol, gemalt von Franz Lenhart (1898-1977), Peter Demetz (1913-1977) und Rudolf Maria Complojer (1933-2020). Die farbenfrohen Gemälde sind nicht die ersten in der 130-jährigen Geschichte dieses besonderen Baus. Schon die Tiroler Künstler Edmund von Wörndle (1827-1906) und der wesentlich jüngere Hans Weber-Tyrol (1874-1967) hatten einst Bilder für die Wandelhalle geschaffen.


Fotos: Johanna Bampi


Neugierig auf weitere Themen aus Meran? Kennst Du schon diese?
Aus Marmor gehauen: Oskar von Redwitz in Meran
Das Rathaus von Meran
Franz Kafka: ein Beamter besucht Meran

Johanna Bampi Vizepräsidentin des Geschichtsvereins Brixen

In der heutigen konstituierenden Sitzung des Vorstands des Geschichtsvereins Brixen wurde Johanna Bampi zur Vizepräsidentin gewählt.

„Ich freue mich sehr über das in mich gesetzte Vertrauen und werde mich aktiv für die Vermittlung der regionalen Geschichte engagieren. Der Geschichtsverein Brixen ist eine ganz wichtige Institution, um Geschichte und Erinnerung lebendig und wach zu halten. Daran gilt es auch weiterhin zu arbeiten.“

Detaillierte Informationen zur facettenreichen Vereinsarbeit finden sich unter: https://www.geschichtsvereinbrixen.com

Das Rathaus von Meran

Die mondäne Kurstadt hatte ambitionierte Pläne. Und mit ihr Bürgermeister Josef Gemaßmer, der im Juni 1914 sein Amt antrat. Ganz oben auf seiner Agenda stand der Bau eines neues Rathauses in den Meraner Lauben. Der entsprechende Beschluss folgte innerhalb kürzester Zeit. Doch es sollte alles anders kommen. Der Erste Weltkrieg legte sämtliche Pläne vorerst auf Eis.

Meran, die blühende Kurstadt, hatte bereits in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts große städteplanerische Investitionen getätigt. So waren etwa Promenaden und der Tappeinerweg für die Kurgäste angelegt worden. Und der Bau der Galilei- und der Sparkassenstraße hatte die extreme Verkehrsbelastung in den Lauben behoben. Genau an dieser Stelle – am Knotenpunkt Galileistraße, Lauben, Sparkassenstraße – sollte das neue, dringend notwendige Rathaus entstehen. Dabei mag auch der Wunsch mit den damals noch selbständigen Gemeinden Obermais und Untermais gleichzuziehen, die in den Jahren 1900 bzw. 1907 ein neues Rathaus eröffnet hatten, eine Rolle gespielt haben.

Die Wandmalerei von Albert Stolz an der Fassade zeigt eine Ansicht des früheren Rathauses von Meran. Die Jahreszahl 1317 bezieht sich auf das Datum der Erhebung Merans zur Stadt.

Eine neue Formensprache für die Kurstadt

Zum Bau des neuen Rathauses kam es schließlich erst in den späten 1920er Jahren. Im Frühling 1927 wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben – zunächst nur für die in Meran ansässigen Architekten und Ingenieure. Dies führte zu Protesten, weshalb im Dezember eine zweite Ausschreibung erfolgte. Der Einreichtermin war mit dem 23. Februar 1928 allerdings äußerst knapp bemessen. Trotzdem konnte die Jury aus 26 eingereichten Entwürfen wählen. Den Auftrag erhielt mit Ettore Sottsas sen. der Zweitplatzierte, da er die gewünschte rasche Bauausführung garantieren konnte. Und tatsächlich bezogen die Ämter Anfang der 1930er Jahre das neue Rathaus. 

Mit dem Bau des neuen Rathauses kam eine moderne Formensprache nach Meran und löste den Baustil des Historismus ab. Wie in den Wettbewerbsausschreibungen vorgesehen, berücksichtige Sottsas in seinem Bau die historischen Laubengänge und nahm dieses gestalterische wie funktionale Element in den Neubau auf. Besonders auffallend ist die gestaffelte Tiefenwirkung des Eingangsportales, das in einer direkten Linie den Blick auf die dahinter liegende Landesfürstliche Burg freigibt. 

Vom Treppenhaus fällt der Blick auf die Rückseite des Gebäudes und die Landesfürstliche Burg.

Edle Materialien, durchdachte Details

Die Gestaltung der Fassaden greift in vielen Details, wie etwa den Dreiecksgiebeln über den Fenstern, Formen des Novecento auf. Im Inneren des Rathauses sind hingegen die klaren Linien der Moderne bestimmend. Die Ästhetik wird von edlen Materialen, Marmorverkleidungen und Terrazzoböden bestimmt. Auch für die kleinsten Details, wie den Entwurf der Lampen, zeichnete der Architekt höchstpersönlich verantwortlich. 

Vom Treppenhaus fällt der Blick auf die Rückseite des Gebäudes, wo zwei Gebäudetrakte symmetrisch um einen Innenhof angeordnet sind. Der freie Blick auf die Landesfürstliche Burg ist auch hier gegeben. 

Immer noch funktional: das Treppenhaus im Rathaus von Meran.

Zum Weiterlesen

Magdalene Schmidt/Walter Gadner, Auf gerader Linie. Städtebau und Architektur in Meran, Edition Raetia Bozen.


Alle Fotos: Johanna Bampi