„Mozart & Friends“ in Brixen

Zum vierten Mal findet vom 24. bis zum 27. September in Brixen das Festival „Mozart & Friends“ statt. Johanna Bampi hat mit Giacomo Fornari, dem künstlerischen Leiter, gesprochen.

Herr Fornari, was fasziniert Sie besonders an Mozart? Und wie kam es dazu, dass Sie in Brixen das Festival “Mozart & Friends” ins Leben gerufen haben? 

Giacomo Fornari: Dafür gibt es verschiedene Gründe. Der erste Grund ist musikalischer Art: Die Qualität von Mozarts Musik steht außer Frage, und das interessiert mich natürlich sehr.

Der zweite Grund, der meiner Meinung nach ebenso wichtig ist, betrifft die Persönlichkeit Mozarts. Er war ein sehr ironischer und sympathischer Komponist, und seine Musik ist außerdem sehr einfühlsam. Das hat mich schon immer zu dieser Persönlichkeit hingezogen

Die dritte wichtige Motivation ist, dem Publikum die Liebe zu diesem Komponisten näherzubringen. Das sind die Gründe, die mich dazu bewegt haben, dieses Festival zu gründen.

Es gibt mehrere bekannte „Mozart-Städte“ wie Salzburg, Wien und auch Prag. Aber was hat Brixen mit Mozart zu tun?

Brixen hat sehr viel mit Mozart zu tun, denn Mozart war im Zuge seiner Italienreisen sechsmal hier. Das waren nicht nur kurze Stopps auf der Durchreise, sonder er hat hier sogar in der Hofburg musiziert. Außerdem hatte er Freunde, die aus Brixen stammten. Dadurch entstand eine sehr enge Verbindung zwischen Mozart und unserer Stadt. Deshalb schien es mir richtig, ein Festival ins Leben zu rufen, das von dieser nicht unwichtigen historischen Grundlage ausgeht.

Was ist das Besondere am Festival in Brixen? Warum sollte man es nicht verpassen?

Dafür gibt es viele Gründe. Sicherlich ist das Konzept sehr ungewöhnlich, weil es von einem anderen Konzertverständnis ausgeht. Für uns ist das Konzert nicht der Endpunkt, sondern der Ausgangspunkt für ein umfassenderes Ereignis. Normalerweise gibt es zunächst Diskussionen oder kleine Konzerte, die auf bestimmten, klar definierten Themen beruhen. Danach folgt ein kleines, aber stets sehr stilvolles Buffet und anschließend ein etwas größeres Konzert.

Für uns ist es wichtig, das Konzert in einen größeren Zusammenhang einzubetten: zu verstehen, warum wir Mozarts Musik hören sollten, wie wir sie hören können und welche Aktualität Mozarts Musik besitzt.

In diesem Sinne laden wir renommierte Intellektuelle, Experten und internationale Spezialisten ein, die das Publikum auf dieser Entdeckungsreise begleiten können.

Welche Veranstaltungen sind aus Ihrer Sicht die besonderen Höhepunkte des Festivals? 

In der Logik eines Festivals gibt es einige Veranstaltungen, die wichtiger sind als andere. Das ist beabsichtigt, ohne deshalb die übrigen Veranstaltungen abzuwerten.

Sicherlich ist der Eröffnungsabend am 24. September besonders wichtig. Wir haben die Gelegenheit, eine Fernsehpersönlichkeit zu erleben, die Mozart sehr liebt und sich öffentlich zu dieser Leidenschaft bekennen wird: Michele Mirabella. Am selben Abend werden zwei sehr bedeutende Konzerte von Mozart aufgeführt: ein Konzert für Violine und Orchester sowie das Konzert für Klarinette und Orchester. Das ist natürlich äußerst interessant.

Zu den Höhepunkten gehört sicher auch das Konzert mit dem Haydn-Orchester von Bozen und Trient. Es präsentiert Mozart gemeinsam mit anderen Komponisten, zum Beispiel mit Gustav Holst, der ein großer Mozart-Liebhaber war. Das wird ein wichtiger Abend.

Besonders hervorheben möchte ich außerdem das Konzert des Südtirol Filarmonica Ensembles, das erneut mit dem Pianisten Andrea Bacchetti auftritt. Wie bereits im letzten Jahr führt es Mozarts Klavierkonzerte in der Fassung für Streichquartette auf. Nach und nach sollen so alle Klavierkonzerte Mozarts aufgeführt werden. 

Am Sonntag, dem letzten Festivaltag, stehen die sechs Mailänder Quartette Mozarts auf dem Programm. Mozart komponierte diese sechs Streichquartette für Mailänder Mäzene, über die wir sehr wenig wissen. Sie werden nur sehr selten alle gemeinsam aufgeführt. Ich glaube, dass dies in Südtirol bisher noch nie geschehen ist. Es handelt sich um wunderschöne Quartette.

Und dann gibt es noch eine kleine Besonderheit: Claudio Calabrese wird ein Mozart-Porträt präsentieren, das möglicherweise versteigert wird.

Es gibt also viele wichtige Gründe, das Festival zu besuchen. An jedem Abend bietet sich die Gelegenheit, Mozarts Musik auf eine andere Art und Weise zu erleben.

Haynd-Orchester von Bozen und Trient

Das Haydn Orchester von Bozen und Trient tritt beim Festival auf. (Foto: Haydn Orchester)

Kann man also sagen, dass man in Brixen Mozart-Musik hört, die an anderen Orten nicht oder nur selten aufgeführt wird? 

Ja. Bereits bei der ersten Ausgabe des Festivals vor inzwischen vier Jahren präsentierten wir zum allerersten Mal zwei unveröffentlichte Mozart-Werke, zwei wirklich sehr kleine Stücke. 

Unser Grundsatz besteht genau darin, Bedingungen zu schaffen, unter denen man Mozart jenseits seiner Sinfonien in C-Dur und g-Moll kennenlernen kann. Diese werden natürlich völlig zu Recht immer wieder aufgeführt. Aber Mozart hat insgesamt 626 Werke komponiert.

Unsere Idee ist es daher, neben den bekannten Werken auch unbekannte oder zumindest wenig bekannte Stücke vorzustellen und sie in einen anderen intellektuellen Zusammenhang einzubetten.

Das Programm

Donnerstag, 24. September 2026

19 Uhr: Mozart in book

Mozart: Ein ungeschriebenes Buch mit Michele Mirabella und Giacomo Fornari (Podiumsdiskussion in italienischer Sprache) 

Umtrunk

20:30 Uhr: Konzert mit dem Euregio Chamber Orchestra

Alina Komisarova (Geige)
Rocco De Bernardis (Klarinette)
Euregio Chamber Orchestra
Jan Zarzycki (Dirigent)

W. A. Mozart, Violinkonzert KV 211 (Allegro moderato, Andante, Rondeau, Allegro)
Klarinettenkonzert KV 622 (Allegro, Adagio, Rondò. Allegro)
A. Salieri, Sinfonia veneziana in d-moll (Allegro assai, Andantino grazioso, Presto)  

Freitag, 25. September 2026

18 Uhr: Mozart und die Aufklärung

Podiumsdiskussion mit Giacomo Fornari und Helmut Reinalter verbunden mit einem Konzert. Auf dem Programm Mozarts Freimaurermusik: An die Freude KV 53 (47e), Die Zufriedenheit KV 349 (367a), Ridente la calma KV 152 (210a), O Heiliges Band KV 148 (125h), Gesellenreise KV 468, Die ihr des unermeßlichen Weltalls KV 619. Ausführende: Victoria Bruneo Sanchez (Sopran), Milad Ban (Tenor), Claudio Vadagnini (Klavier)

Umtrunk 

20 Uhr: Konzert mit dem Haydn Orchester von Bozen und Trient 

Haydn Orchester von Bozen und Trient
Marco Mandolini (Solo-Violine und Dirigent)

W. A. Mozart, Adagio und Fuge KV 546
F. Schubert, Fünf deutsche Tänze D 90
G. Holst, St. Paul’s suite (Jig, Ostinato, Intermezzo, Finale)
Nino Rota, Konzert für Streicher (Preludio. Allegro ben moderato e cantabile, Scherzo. Allegro comodo, Aria. Allegro quasi adagio, Finale. Allegrissimo)  

Samstag, 26. September 2026

17 Uhr: Mozart on Flute – Die Familie Mozart 

W. A. Mozart, Sonate KV 13 (Allegro, Andante, Menuetto I/II)
Giuseppe Gariboldi, Wolfgang. Fantasia sul Flauto magico
Franz Xaver Mozart, Rondò in e-Moll
Franz Xaver Mozart, Alina-Marsch 
Tito Ciccarese (Flöte), Pierluigi Di Tella (Klavier)

Umtrunk

20 Uhr: Mozart in Black and White

Konzerte für Klavier und Orchester
Thomas Hochradner (Moderation) 

Andrea Bacchetti (Klavier)
Südtirol Filarmonica Ensemble: Thomas Schrott und Ursula Mühlberger (Geige), Ester Carturan (Bratsche), Martin Pratissoli (Cello), Norbert Gianmoena (Kontrabass)

F. J. Haydn, Klavierkonzert in der Fassung für Streicher Hob. 18, Nr. 11(Vivace, Un poco Adagio, Rondò all’Ungarese. Allegro assai)
W. A. Mozart, Klavierkonzert in der Fassung für Streicher KV 415 (387b) (Allegro, Andante, Allegro) 

Sonntag, 27. September 2026

11 Uhr: W.A. Mozart: Die sechs „Mailänder“ Quartette

Labirinti armonici: Andrea Ferroni (Geige), Ivo Crepaldi (Geige), Alexander Monteverde (Bratsche), Ivo Brigadoi (Cello)
Thomas Hochradner (Moderation)

Streichquartette KV 155 (134a) „Bozen“ (Allegro, Andante, Molto allegro); KV 156 (134b) (Presto, Adagio, Tempo di Menuetto); KV 157 (Allegro, Andante, Presto); KV 158 (Allegro, Andante, Tempo di Minuetto); KV 159 (Andante, Allegro, Rondo. Allegro giocoso); KV 160 (159a) (Allegro, Un poco Adagio, Presto). 

Umtrunk 

15 Uhr: Mozart in Black and White

Daniele Basilico, Klavier (Preisträger des Sonderpreises Atri Rotary Club)

W. A. Mozart, Sonate KV 332 (300k) (Allegro, Adagio, Allegro assai), L. van Beethoven, Sonate Patetique op. 13 (Grave-Allegro di molto e con brio, Adagio cantabile, Rondo: Allegro) 

Ein Morgenspaziergang in Kopenhagen

Die kleine Meerjungfrau

Wer kennt sie nicht, die kleine Meerjungfrau? Nur 125 cm ist das Wahrzeichen der dänischen Hauptstadt groß. Vom Wasser und vom Land aus ist die kleine Bronzefigur von Edvard Eriksen (1876–1959) zu sehen.

Will man die kleine Meerjungfrau nach dem Märchen von H.C. Andersen in Ruhe betrachten, gilt es früh unterwegs zu sein. Denn tagsüber drängen sich viele Menschen am Ufer oder balancieren über die Steine, um eines der beliebtesten Motive Kopenhagens fotografisch festzuhalten. Dabei war es am 23. August 1913, als die kleine Meerjungfrau aufgestellt wurde, noch keineswegs abzusehen, dass sie einmal so berühmt werden sollte.

Die kleine Meerjungfrau

Nur ein paar Arbeiter, die den Transport und die Montage überhatten, der Bildhauer Edvard Eriksen, der Gartenarchitekt Erik Erstad-Jørgensen und der Brauereiunternehmer Carl Jacobsen (1842–1914) und dessen Schwiegermutter, Frau Stegmann, waren anwesend, als die rund 100 kg schwere Statue an ihren ursprünglichen Platz kam. Auch darum war im Vorfeld gerungen worden, denn Jacobsen, der die Figur in Auftrag gegeben hatte und der Stadt Kopenhagen zum Geschenk machte, hatte zunächst daran gedacht, sie auf einer Insel im Wasser anbringen zu lassen, was sich nicht umsetzen ließ. Ganz glücklich zeigte er sich mit der gewählten Positionierung der Figur nicht, da man nicht von allen Seiten um sie herumgehen und sie so eindrücklick bewundern kann.

Die kleine Meerjungfrau geht auf das gleichnamige Märchen von Hans Christian Andersen zurück, in dem die Meeresbewohnerin alles aufgibt, was ihr lieb und teuer ist, nur um an Land dem von ihr geliebten Prinzen nahe zu sein. Ein Happy End gibt es bei Andersen nicht. Die kleine Meerjungfrau löst sich in Schaum auf und verwandelt sich in einen Luftgeist.

Im Dezember 1909 feierte am Königlichen Theater das gleichnamige Ballett Premiere. Begeistert von dieser Aufführung und der Primaballerina Ellen Price ließ Jacobsen der kleinen Meerjungfrau und Ellen Price ein Denkmal setzen. Eriksen gab seinem Meereswesen zwar die Gesichtszüge der Primaballerina, für den Körper der Figur saß ihm hingegen seine Frau Eline stundenlang Modell.

Rund ums Thema Wasser

Als die kleine Meerjungfrau im Jahr 1913 an der Langelinie aufgestellt wurde, war sie nicht die erste Skulptur an der Uferpromenade. Weiter nördlich stehen zwei Männerfiguren, die sich ebenfalls ums Thema Wasser drehen.

Eine von ihnen ist der athletische „Schwimmer“ des schwedischen Bildhauers Johan Börgeson (1835–1910), der seit 1909 auf das kleine Hafenbecken blickt.

Carl Aarsleff (1852–1918), ein dänischer Bildhauer, schuf die Figur „Nach dem Bade“. Sie stammt ebenfalls aus dieser Zeit und zeigt eine nackte Männerfigur, die sich abtrocknet. Aarsleff war Professor an der dänischen Kunstakademie in Kopenhagen, der er von 1914 bis 1917 als Direktor vorstand.

Angelesen: „Linsengerichte – Kino für jeden Geschmack“

Was für eine schöne Buchidee: Rezepte aus 140 Filmen, alle mit handelsüblichen Küchengeräten selbst zubereitet und fotografiert. Dazu die Rezepte für Nougat, Marzipan, Blätter-, Plunder-, Strudel-, Pizza- und Brandteig, sowie diverse Buns und Brote. Das ist großes Kino für den Gaumen…

Aber wie kam es zu dieser Idee? KulturSüdtirol hat bei Gernot Nepimach nachgefragt, der das Buch mit seinem Team im Eigenverlag herausgebracht hat:

Kino ist eine unserer Leidenschaften, gut essen eine andere. Gottseidank lassen sich beide verbinden, es gibt zahlreiche Filme, in denen Essen eine mehr oder weniger gewichtige Rolle spielt. Wir haben uns von 140 solchen „bewegten Bildern“ – vom oscarprämierten Meisterwerk bis zum cineastischen Albtraum – inspirieren lassen und die darin vorkommenden Gerichte auf unsere Art interpretiert. Und so finden sich in diesem Kochbuch kulinarische Klassiker, aber auch Rezepte, die kaum jemand kennt, so der Autor im Rückblick.

Und weiter fügt er an: Unser Augenmerk liegt auf den kleinen, oft nur erwähnten und nicht einmal gezeigten Köstlichkeiten und auf den bildfüllenden Delikatessen, die oft sogar namensgebend für das mehr oder weniger gelungene Werk sind.

Wer jetzt Appetit bekommen hat, findet einen ersten Einblick in das Kochbuch auf Gernot Nepimachs Homepage. Das Buch kostet 20 € zuzüglich Versandkosten (bis 10 Bücher AT/DE/IT €4,50/11,50/15,50). Es ist im Einzelhandel nicht erhältlich und hat eine limitierte Auflage von 1.000 Stück – schnell sein lohnt sich also!

Guten Appetit und viel Vergnügen beim Nachkochen sowie beim Schwelgen in Filmerinnerungen und Zitaten.

Wie aus dem Schloss Taurenstein das Rathaus von Brixen wurde

Das Rathaus von Brixen zieht wahrlich die Blicke auf sich. Die Fassade zum Domplatz ist aufwändig gestaltet: mit Erkern, einem Turm und Zinnen auf dem Dach. Fast wie im Mittelalter. Doch der Schein trügt.

Vom Bürgerhaus zum Schloss

Das heutige Rathaus von Brixen war ursprünglich ein einfaches Bürgerhaus. Es lag, wie andere auch, genau zwischen dem Domplatz und den Lauben und gehörte der Familie Oberhaidacher. Im Erdgeschoss führte die Familie eine Mehl- und Viktualienhandlung, die oberen Stockwerke waren bewohnt.

Im Jahr 1895 verkaufte die Familie das Haus an Hofrat Ferdinand Kaltenegger. Er ließ das Gebäude nach seinen Vorstellungen umbauen. So wurde aus dem schlichten Handelshaus Oberhaidacher das Schloss Taurenstein.

Gemalte Fanfarenbläser empfangen uns im Treppenhaus.

Ein Faible für das Mittelalter

Nicht nur an der Fassade zum Domplatz, nein, auch im Inneren des Hauses griff der Bauherr die Idee eines mittelalterlichen Schlosses auf. Besonders deutlich lässt sich das im Treppenhaus erkennen. Es erinnert an einen Burghof. Doch das alte Mauerwerk und die verwitterten Fensterläden sind gemalt, ebenso der rankende Efeu, der dem Ganzen einen idyllischen Charakter gibt. Die steilen und verwinkelten Treppen verstärken diesen Eindruck.

Auf und ab, die Treppen im Rathaus halten uns fit, wenn Kameramann Willi Rainer und ich während der Dreharbeiten verständlicherweise ab und zu auch auf den Aufzug ausweichen.

Die Malereien verwandeln das zentrale Treppenhaus in einen idyllischen Schlosshof.

Vom Schloss zum Rathaus

Nicht einmal zwanzig Jahre lang bewohnte Ferdinand Kaltenegger sein Schloss Taurenstein: Er starb im Mai 1911 im Alter von 68 Jahren. Seine Tochter Johanna Pejicic zeigte wenig Interesse an diesem Herzensprojekt ihres Vaters und verkaufte es bereits im November desselben Jahres an die Stadtgemeinde Brixen.

Das war ein absoluter Glücksfall! Das Gebäude befand sich in einem guten baulichen Zustand, und es bot genügend Platz für die wachsende Zahl an Gemeindeämtern und Angestellten. Vor dem Einzug wurden elektrisches Licht und ein Telefonanschluss installiert und das Gebäude an die Kanalisation angeschlossen. Möbel, Gemälde und Bilder wurden größtenteils übernommen. Deswegen hängen im Rathaus noch heute Porträts der Familie Kaltenegger.

In der Halle im zweiten Stock trifft zeitgenössische Kunst auf das 19. Jahrhundert.

Alte und neue Kunst

Hofrat Ferdinand Kaltenegger bewohnte den zweiten Stock des Gebäudes. Hier ließ er den Rittersaal – heute Ratssaal – sowie weitere Räume mit Wandmalereien von Raphael Thaler schmücken. Sie zeigen Szenen aus der Stadtgeschichte von Brixen.

Wir treffen im Rathaus jedoch auch auf eine große Zahl zeitgenössischer Kunstwerke, die die Gemeinde erworben hat und im neu renovierten Rathaus wunderbar zur Geltung kommen. Es gibt hier wahrlich viel zu sehen!

Zeitgenössische Kunst schmückt die Wände im zweiten Treppenhaus des Rathauses.

Was für eine Aussicht

In die Dachterrasse des Rathauses könnten wir uns glatt verlieben! Sie bietet einen einmaligen Rundumblick über die gesamte Stadt und wird für Veranstaltungen, Empfänge und Hochzeiten genutzt.

Der Blick auf den Weißen Turm von der Dachterrasse des Rathauses.

Historische Rathäuser: eine TV-Dokumentation für Rai Südtirol

Derzeit drehen wir – Willi Rainer, Benjamin Zwack und Johanna Bampi – eine zweite Folge über historische Rathäuser in Südtirol. Das Rathaus von Brixen, historisch und doch zeitgemäß, darf dabei natürlich nicht fehlen. Und wir sind begeistert von den spannenden Geschichten und sehenswerten Winkeln, die es zu bieten hat!

Malereien von Raphael Thaler schmücken die heutigen Büros im zweiten Stock.

Alle Fotos: Johanna Bampi


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„Das plastische Bild“: eine Ausstellung von Sonya Hofer in Klausen
Das Rathaus von Meran

Für Euch gelesen: „Ein Hummerleben“

Erik Fosnes Hansen ist vor wenigen Jahren ein Roman gelungen, der einerseits unglaublich unterhaltsam und kurzweilig ist, andererseits aber mit großem Ernst Probleme und Verwerfungen unserer Zeit thematisiert. Vielleicht ja genau die richtige Lektüre für einen langen Winterabend…

Ein überraschender Todesfall, ein einst mondänes Hotel, eine Geschichte vom langsamen Verfall.

Der Autor weiss, wovon er schreibt. Gut möglich, dass er seinen Vater, einen Reisebüromanager der Norwegischen Staatsbahnen, als Jugendlicher auf einer seiner Besichtigungstouren von Hotel zu Hotel begleitet hatte. Dass er dabei sah, wie sich das Reiseverhalten der Norweger in den 70er und 80er Jahren auf einmal änderte: Fernreisen, statt traditionsreicher Grandhotels in der norwegischen Provinz. Lanzarote, statt Larkollen oder Lyngdal.

Fåvnesheim ist eines dieser geschichtsträchtigen Grandhotels, das die volle Härte der (neuen) wirtschaftlichen Realität zu spüren bekommt. Man hängt am Alten, man arbeitet mit einer Mischung aus grandezza und sprezzatura, man pflegt die Tradition, wofür Direktor Zacchariassens Gattin und deren österreichische Herkunft geradezu sinnbildlich stehen. Aber jetzt muss gespart werden.

Die Welt verändert sich fortdauernd und die Menschen versuchen, damit umzugehen. Und dann kommt es zu den Momenten der großen Veränderungen…

„Sie waren gerade beim Kuchen angelangt, da sackte Bankdirektor Berge am Tisch zusammen und fing an zu sterben.“ Wer Karl Ove Knausgård kennt, wird sich unweigerlich an den Beginn dessen Buchs „Sterben“ erinnert fühlen. Man erschrickt wieder einmal über die Unmittelbarkeit des Tatsächlichen. Schließlich verfügen wir über ein recht ausgeprägtes Instrumentarium des Verdrängens, des Aufschiebens, des Relativierens.

Den Schein wahren. In Aktionismus flüchten.

Auch in Fåvnesheim ist man darin geübt. Man wahrt den Schein. Man flüchtet sich in Aktionismus. In „Ein Hummerleben“ porträtiert das ausgerechnet der jugendliche Enkel der Hoteleigentümer – manchmal kindlich-naiv, manchmal altklug in immer neuen Szenen und Wendungen. Ausgerechnet er, der selbst mehr als nur vom Schicksal gestreift ist: Seine Mutter verschollen, sein Vater nicht mehr existent.

Und am Ende, nach langem Zaudern und Zögern? Ein Inferno. Sozusagen der Kochtopf des Lebens, für uns stoische Hummerexistenzen. Aber das lest Ihr am besten selbst.

Ein Hummerleben
von Erik Fosnes Hansen
(ins Deutsche übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel)

Kiepenheuer&Witsch, 2019, 384 Seiten

TV-Dokumentation erschienen: „Ein Teil von uns – Erinnerungen aus der Villa Ibsen“

Der Sohn des weltberühmten norwegischen Dichters Henrik Ibsen, Sigurd Ibsen, war nicht weniger als ein Kosmopolit seiner Zeit. Der Diplomat kaufte eine Villa in Seis, die nach wie vor viel Geschichte und noch mehr Geschichten bereithält. Für Rai Südtirol entstand kürzlich eine TV-Dokumentation, die die Geschichte dieser Villa sowie die große Verbundenheit der Ibsen-Nachfahren mit Seis aus ganz verschiedenen Perspektiven nachzeichnet. Der Film ist in der Rai-Mediathek (Link siehe unten) in voller Länge abrufbar.

Die Villa Ibsen in Seis.

Als Sigurd Ibsen 1923 den Kaufvertrag für eine Villa in Seis unterschrieb, war er 63 Jahre alt und blickte auf ein Leben als Diplomat, Politiker, Schriftsteller und Essayist zurück. Das Haus in Seis wurde ein besonderer Bezugspunkt für ihn und seine Familie sowie für illustre Gäste aus aller Welt. Es trägt bis heute seinen Namen: Villa Ibsen.

Peder und Joen Bille, Nachfahren des bekannten Schriftstellers Henrik Ibsen, auf Spurensuche im Hotel Elephant in Brixen.

Nach wie vor bezeichnen die Nachfahren von Henrik Ibsen die Villa in Seis als „einen Teil von uns“. In einer abwechslungsreichen Fernsehdokumentation für Rai Südtirol ging Johanna Bampi gemeinsam mit SoraFilm auf Spurensuche, sprach mit Zeitzeugen vor Ort ebenso wie mit Joen Bille, dem Urenkel Henrik Ibsens, sowie dessen Sohn Peder Bille in Kopenhagen, Meran, Brixen und Seis (im Bild oben) und mit Erik Henning Edvardsen, dem Leiter des Ibsen-Museums in Oslo.

Johanna Bampi bei den Dreharbeiten in Kopenhagen mit Joen Bille, dem Urenkel Henrik Ibsens, in Kopenhagen.

Der Film ist in voller Länge in der Rai-Mediathek unter diesem Link abrufbar.

KulturSüdtirol wünscht frohe Weihnachten

Zum Jahresausklang 2023 wünschen wir allen unseren Leserinnen und Lesern von Herzen ein frohes Weihnachtsfest, schöne Festtage und alles Gute im neuen Jahr 2024.

Erneut kann kultursuedtirol.com auf ein besonders erfreuliches Jahr zurückblicken: Viele tausend Nutzerinnen und Nutzer pro Jahr interessieren sich inzwischen für die Inhalte unserer Seite, recherchieren Inhalte und Zusammenhänge, Geschichte und Geschichten aus Südtirol und weit darüber hinaus.

Wir freuen uns, Sie auch im Jahr 2024 mit spannenden, abwechslungsreichen und neuen Geschichten zu informieren und zu unterhalten. Bis bald – und empfehlen Sie uns gerne weiter!

Dritte Folge auf Rai Südtirol: „Bürgerbauten – Historische Rathäuser in Südtirol“

Die Rathäuser hier in Südtirol sind schon seit vielen Jahrhunderten der Stolz der Bürgerinnen und Bürger, waren Orte der Macht und der Selbstdarstellung. Heute sind sie Serviceeinrichtungen für alle und dienen der Verwaltung.

Für die dritte Folge dieser Fernsehdokumentation haben Johanna Bampi von bampi.media und Willi Rainer von Sorafilm die beeindruckenden Rathäuser von Neumarkt, Salurn, Klausen und Prettau besucht, Gespräche vor Ort geführt und sind dabei wieder auf interessante Geschichten und Neuigkeiten gestoßen.

Die Dokumentation wurde erstmals am 01. Mai 2023 auf Rai Südtirol ausgestrahlt und steht unter diesem Link weiterhin in voller Länge in der Rai Mediathek zur Verfügung.

Jetzt auf Rai Südtirol: „Ja, ich will. Vom Heiraten in Südtirol.“

Alles andere als eine einfache Entscheidung. Und manchmal doch ganz spontan getroffen: Der Weg zum gemeinsamen Ja-Wort und zum Entschluss, einem Menschen die Treue zu versprechen, ist spannend und immer anders.

Willi Rainer von Sorafilm und Benjamin Zwack von zwack.marketing sprachen in der aktuellen TV-Dokumentation „Ja, ich will. Vom Heiraten in Südtirol“ im Auftrag von Rai Südtirol mit Paaren über ihre Hochzeit, ihre Vorbereitungen und was ihnen dabei wirklich wichtig war.

Daneben kommen Hochzeitsrednerinnen und -redner, eine Standesbeamtin und ein katholischer Priester zu Wort. Sie alle zeichnen ein lebendiges und äußerst unterhaltsames Bild, wie es Südtirolerinnen und Südtiroler gerade beim Thema Heiraten halten.

Die Dokumentation wurde erstmals am 30. Mai auf Rai Südtirol ausgestrahlt und steht unter diesem Link weiterhin in voller Länge in der Rai Mediathek zur Verfügung.

Elvas: ein kleiner Ort mit einer langen Geschichte

Elvas liegt etwas oberhalb von Brixen. Damit machen wir beim heutigen Sonntagsspaziergang geographisch gesehen keine großen Sprünge. Zeitlich hingegen springen wir weit zurück: in die späte Bronzezeit und in die Zeit der Römer.

Der Archeopfad macht Geschichte sichtbar

Der kleine Ort am Sonnenhang kann auf eine wahrhaft lange Geschichte zurückblicken. Erste Spuren einer Besiedlung reichen hier bis 1.400 Jahre v. Chr. zurück: in die späte Bronzezeit. Auch die Zeit der römischen Herrschaft hat hier reiche Spuren hinterlassen. Bei Grabungen wurden immer wieder Überreste römischer Häuser gefunden, selbstverständlich mit Fußbodenheizung. Die Römer hatten ab dem Jahr 15 v. Chr. nicht nur das heutige Südtirol, sondern weite Teile des süddeutschen Raums unter ihre Herrschaft gebracht und als Provinz Raetia zusammengefasst. Die Hauptstadt dieser Provinz war Augsburg.
 
Was (nicht nur) Archäologen entzückt, ist für uns Laien jedoch nicht immer sichtbar. Tafeln auf dem so genannten Archeopfad erklären und illustrieren mit Fotos, welche Bodenfunde hier zutage kamen. Der Archeopfad beginnt in Stufels und führt, teils durch Weinberge, über Kranebitt nach Elvas. 

Abendstimmung in Elvas

Die Römer hinterlassen ihre Spuren

Der Weg ist stellenweise so schmal, dass sowohl den Fußgängern als auch den Saumtieren, die es nicht gewöhnt sind, schwindlig wird und nur die einheimischen Saumtiere tragen die Lasten sicher.

So beschrieb der griechische Geograph und Geschichtsschreiber Strabon Ende des 1. Jhs. v. Chr. die Wege im Alpenraum.

Nur wenige Meter unterhalb der Kirche von Elvas stehen Nachbildungen römischer Streitwagen im Gras. Die Felsen auf dem Boden weisen Fahrrillen auf. Sie sind steinerne Spuren der ehemaligen Römerstraße, die von Stufels nach Schabs führte. In den Fahrrillen fanden Archäologen römische Münzen, und auch die Breite der Spur stimmt mit jener anderer Römerstraßen überein. 

Nachbildungen römischer Streitwagen. Im Stein sind die Fahrrillen aus der Römerzeit sichtbar.

Doch nicht nur die Römer nutzten diesen Weg über Elvas. Auch wenn es heute nahezu unvorstellbar erscheint, führte einst der gesamte Verkehr vom Talboden ins Pustertal bis zum Jahr 1645 von Stufels über Kranebitt nach Elvas und über Schabs und Mühlbach weiter Richtung Osten. 

Der Ausblick von hier ist großartig. Die grünen Farben der Weinberge leuchten im Sonnenlicht. Nicht nur der Straßenbau lag im Interesse der Römer. Auch der Weinbau im Eisacktal geht auf sie zurück. Und im kleinen Ort Elvas leben die Römer bis heute weiter: der Name soll auf das lateinische Wort „ulva“ zurückgehen und bedeutet „Sumpfgras“.

Der Blick von Elvas nach Vahrn, Schalders und Spiluck