Seide, Bier und alte Meister

Was haben Seide, Bier und alte Meister gemeinsam? In Brixen sind alle drei eng Leopold Bisdomini verbunden, einem Geschäftsmann, der seine Wahlheimat liebte. Sein Name steht für ungebrochene Tatkraft und nicht versiegenden Ideenreichtum. Ein Blick zurück ins frühe 19. Jahrhundert.

Vom Postkontrollor zum erfolgreichen Geschäftsmann

Noch heute erinnert im städtischen Friedhof von Brixen ein Grabstein an den „Wohlgeborne[n] Herr[n] Leopold von Bisdomini“, der am 17. September 1846 in seinem Wohnhaus in der Säbenertorgasse starb. Der Name ist aus Brixens Geschichte nicht mehr wegzudenken. Leopold Bisdomini war ein vielseitiger Geschäftsmann mit einem Sinn für die schönen Dinge. Ob er, wie die Inschrift auf seinem Grabstein suggeriert, tatsächlich mit einem Adelsprädikat ausgezeichnet wurde, ist allerdings umstritten.
 
Eigentlich stammte Leopold Bisdomini aus dem Trentino. Er wurde 1769 in Trient geboren. 1794 kam er als Postkontrollor nach Brixen, wo er bis zum Feldpost-Direktor aufstieg.

In Brixen fand er auch sein privates Glück. Er heiratete Anna Peintner, die Witwe des Bierbrauers Josef Obermayr. Seine Frau brachte ein Stadthaus und das Glöcklgut in Burgfrieden (heute ein Stadtteil von Brixen) mit der dazugehörenden Bierbrauerei in die Ehe mit ein. Die Familie bewohnte das Stadthaus in der Säbenertorgasse.

Bisdomini übernahm die Führung der Bierbrauerei für seinen noch minderjährigen Stiefsohn. Die Geschäfte liefen gut, und 1815 gelang es ihm, den Ansitz Unterköstlan zu erwerben. Anschließend verlegte er die Brauerei vom Glöcklgut nach Unterköstlan.

Der Grabstein von Leopold Bisdomini und seiner Enkelin Leopoldine Gasser an der Friedshofskapelle

Der Kunstliebhaber

Der Ansitz Unterköstlan war bereits damals ein stattliches Gebäude. Einer der früheren Eigentümer, der Brixner Weihbischof Jesse Perkhofer, hatte ihn im 17. Jahrhundert im Renaissancestil ausbauen lassen. Hier fand Bisdomini einen würdigen Rahmen für seine wachsende Gemäldesammlung, die er im zweiten Stock des Ansitzes unterbrachte.

Ja, Bisdominis Leidenschaft galt der Kunst. Er trug zahlreiche gotische Tafelbilder zusammen, von denen ein großer Teil noch zu seinen Lebzeiten vom damals neu gegründeten Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum erworben wurde. Das bekannteste Tafelbild aus Bisdominis Sammlung ist vermutlich das Porträt des Brixner Domherrn Gregor Angerer aus dem Jahr 1519, das Marx Reichlich zugeschrieben wird und zu den ältesten Tiroler Porträts überhaupt zählt.

Bisdomini war nicht nur ein eifriger Sammler von Kunstwerken. Ihm schwebte die Realisierung einer Art Akademie oder zumindest eines Künstlertreffpunktes für Brixen vor. Also gründete er im Jahr 1802 die „Chalkographische Anstalt“, eine Druckerei für Kupferstiche. Er, der Geldgeber, holte sich den Maler Pietro Marchioretto und den Kupferstecher Gaetano Zancon mit ins Boot. Doch die Zusammenarbeit mit Zancon verlief nicht lange reibungslos. Bereits ein Jahr später wurde Zancon durch Joseph Andreas Manz ersetzt. Insgesamt dürfte die „Chalkographische Anstalt“ nur bis 1804 bestanden haben. Mit dieser Geschäftsidee war Bisdomini leider gescheitert. 
Heute haben die raren Aquatinten aus Brixen jedoch einen hohen Sammlerwert. Nur sechzehn verschiedene Motive sind bekannt. Einige Druckplatten wurden später von anderen Verlagen übernommen und neu aufgelegt. 

Seide „made in Brixen“

Wesentlich erfolgreicher war der Geschäftsmann Bisdomini mit der Bierbrauerei. Später bewies er auch in der Textilbranche beachtliches Geschick: mit der Zucht von Seidenraupen und dem Verkauf von Seide „made in Brixen“. Zahlreiche Maulbeerbäume ließ er 1828 anpflanzen. Über zehntausend sollen es gewesen sein. Gewoben wurde die Seide im Glöcklgut in Burgfrieden.

Später führte Bisdominis Schwiegersohn Peter Ostheimer die erfolgreiche Seidenproduktion weiter. Ihren Niedergang erlebte Bisdomini nicht mehr. Er starb 1846 – nur wenige Jahre, bevor durch eine in ganz Europa grassierende Seidenraupenseuche die Produktion der kostbaren Stoffe auch in Brixen zum Erliegen kam. Einige wenige der hohen Maulbeerbäume stehen noch heute und spenden Radfahrern und Spaziergängern an der Eisackpromenade Schatten. 

Das „neue“ Brauhaus aus dem Jahre 1890, errichtet von den Brüdern Seidner.

Wie es weiterging

Aus der Seidenproduktion Ostheimer wurde im 19. Jahrhundert eine beliebte Gaststätte. Das Gebäude in der Burgfriedengasse 16 steht noch heute. 
Die Bierbrauerei konnte Bisdominis Stiefsohn nicht halten. Er verkaufte sie an an Ignaz Seidner aus Hall. Dessen Söhne Hugo und Otto errichteten 1890 ein neues Brauhaus. Bis 1924 wurde hier von der Familie Seidner Bier gebraut, das vor allem auf dem italienischen Markt vertrieben wurde. In den 1990er Jahren wurden beide Gebäude renoviert. Der achteckige Gärturm erinnert noch heute an die ehemalige Bierbrauerei.


Zum Weiterlesen

Ignaz Mader, Leopold von Bisdomini. Sein Lebensbild und die Brixner Kupferdruckanstalt, in: Der Schlern 14 (1933), S. 371-377.


Fotos: Alle Fotos stammen von Johanna Bampi. Das erste Foto zeigt den Ansitz Unterköstlan.


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