Reiseerinnerungen: Wenn eine große deutsche Fluggesellschaft den Reformationstag ganz zufällig „fliegerisch“ begeht…

Die Durststrecke für Flugbegeisterte wie mich ist derzeit lang – richtig lang.

Keine quirlige Flughafenatmosphäre, kein Klackern der „Fallblattanzeige“ (was für ein Wort!) in Frankfurt, kein windiger Start mit einer Propellermaschine in Innsbruck. Auf dass es bald wieder zurückkommt… Bis dahin ist KulturSuedtirol.com auch virtuell unterwegs. Herzlich willkommen zur neuen, gleichnamigen Rubrik!

Wer mich zu dieser Begeisterung rund ums Fliegen gebracht hat? Ausgerechnet der Flughafenpfarrer am Flughafen München im fernen Jahr 2005… Menschlich wie fachliche eine mehr als beeindruckende Persönlichkeit an einem ebenso beeindruckenden Ort. Ein Praktikum während meines Studiums ermöglichte mir bewegende Einblicke, die es sonst nur höchst selten gibt.

Abgesehen von den eigentlichen, durchaus fordernden Inhalten des damaligen Praktikums kann ich – sozusagen als Nebeneffekt – seit dieser Zeit treffsicher alle möglichen Flugzeugtypen identifizieren, kenne mich – zumindest theoretisch – mit Triebwerken und den Tücken der Brauchwasserentsorgung aus und weiss, wie es in einem Frachtraum eines Langstreckenfliegers aussieht. Auch die ein oder andere Finesse der Gepäcksortieranlage und anderer abgelegener Einrichtungen am Münchner Flughafen durfte ich kennenlernen – den unglaublich aufgeschlossenen MitarbeiterInnen sei Dank. 

Randnotiz: „Leidtragende“ dieses Wissens ist heute meine Frau, bei gemeinsamen Flügen und etwas Wartezeit vor dem Abflug: „War das jetzt eine 737-700 oder doch die längere -800?“. Auch gerne genommen: „Oh, die ‚Marburg‘ – mit der gings 2010 nach Kazan!“. Und dass zuviel Expertenwissen bei Laien manchmal auch verunsicherte Blicke auslösen kann, geschenkt: „Ah, die D-AIPY, einer der ältesten Flieger der Lufthansa, fast 30 Jahre im Dienst!“

Damit also ein Blick zurück ins (digitale) Fotoalbum: Denn dort findet sich ein unspektakulärer Flug, bei dem aber ein wirklich schöner Zufall gelungen ist – passend zum Reformationstag am 31. Oktober:

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von flightradar24.com

So führte der Lufthansa-Cityline-Flug am Reformationstag 2019 von Kopenhagen nach München mit einem A319 exakt über Luthers Geburts- und Sterbeort Eisleben. Der Taufname der Maschine: Ausgerechnet „Lutherstadt Wittenberg“.

Ein Volltreffer für die FlugplanerInnen, würde ich sagen! Auch wenn ich einschränkend anmerken muss, dass das vermutlich außer mir niemand im Flugzeug gemerkt hat. Aber so ist das eben mit den Hobbies…

Ich wünsche mit diesem Beitrag jedenfalls allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an Flughäfen und bei Fluggesellschaften, dass sie bald wieder starten können.