Zwei Brüder in Mitterbad / Südtirol: Heinrich und Thomas Mann

Im Juli 1901 weilten zwei Brüder und bis dato wenig bekannte Schriftsteller im Mitterbad in Ulten zur Kur: Heinrich und Thomas Mann. Der jüngere von beiden – Thomas Mann – feiert am heutigen 6. Juni seinen 145. Geburtstag.

Heinrich und Thomas Mann zur Kur in Mitterbad

Thomas und Heinrich Mann reisten im Juli 1901 von München aus für einige Wochen in das Heilbad Mitterbad in Ulten. Magenbeschwerden und Zahnschmerzen sollen Thomas Mann zu diesem Schritt bewogen haben. In Mitterbad wirkte um die Jahrhundertwende der berühmte Kaltwasserarzt Dr. Christoph Hartung von Hartungen, der seine Patienten im Sommer in Ulten und im Winter in seinem Sanatorium in Riva am Gardasee betreute.

In einem Brief an seinen Freund Paul Ehrenberg beschrieb Thomas Mann die Reise: „Wir kamen abends in Bozen an, einer pittoresk gelegenen, heißen, kleinen Stadt, die voll von Fremden und daher ganz unterhaltend ist.”*

Weniger angetan war Thomas Mann allerdings von seinem Pferd, auf dessen Rücken er die letzten Kilometer Richtung Mitterbad zurücklegte: “Ich ritt eine Art Schlachtroß von sagenhaftem Körperbau, aber mit dem Temperament eines Faultiers…“* 

Der Alltag in Mitterbad

Das Bad verfügte um 1900 über mehrere Speise- und Tanzsäle, einen Schießstand, ein eigenes Kaffeehaus, 46 Zimmer, 23 Bäder, darunter ein Badhaus mit fünf marmornen Wannen I. Klasse und 13 hölzernen Wannen II. Klasse. Das Mitterbader Wasser ist vor allem eisenhaltig und enthält auch Spuren von Arsen und Schwefel und wurde unter anderem bei Magenkrankheiten, Gliederschmerzen und Nervenkrankheiten empfohlen.

„Es lebt sich gut und erholsam hier. Die Kuranstalt liegt ganz einsam inmitten einer wirklich prachtvollen Berglandschaft, ein Sturzbach verursacht drunten im Tal ein ungeheuer besänftigendes Geräusch, und man führt das rationellste und auffrischendste Leben, das sich denken läßt.“* (Thomas Mann an Paul Ehrenberg)

Die Wochen in Mitterbad bedeuteten keineswegs reinen Müßiggang. Thoma Mann schrieb hier die Novelle „Gladius Dei“. Sie wurde ein Jahr später, im Juli 1902, in der Wiener Zeitschrift „Die Zeit“ zum ersten Mal publiziert. 

Die “Buddenbrooks” bringen den Durchbruch

Wenige Monate vor Manns Aufenthalt in Mitterbad war im Februar 1901 im S. Fischer Verlag sein erster Roman erschienen: die „Buddenbrooks“. Der Roman, der in seiner Vaterstadt Lübeck spielt und sich an seiner eigenen Familiengeschichte orientiert, fand zunächst wenig Beachtung und verkaufte sich in der ersten, zweibändigen Auflage nur schleppend. 1903 folgte eine zweite Auflage, die den seitenstarken Roman in einem Band bündelte und dem Autor Thomas Mann den Durchbruch brachte. 1929 sollte er für dieses erste unter seinen großen Werken den Nobelpreis für Literatur erhalten.

In diesem Sinne alles Gute, Thomas Mann!


* Die kurzen Zitate sind dem Buch “Im Rosengarten” von Dietmar Grieser entnommen (1996, Verlag Niederösterreichisches Pressehaus, St. Pölten – Wien). In dem Buch finden sich viele weitere interessante Erzählungen zu glücklichen und unglücklichen Begegnungen in Südtirol im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Wirklich eine Leseempfehlung!


Das Beitragsbild zeigt das Buddenbrookhaus in der Lübecker Mengstraße 4 (Foto: Benjamin Zwack).


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