Zum vierten Mal findet vom 24. bis zum 27. September in Brixen das Festival „Mozart & Friends“ statt. Johanna Bampi hat mit Giacomo Fornari, dem künstlerischen Leiter, gesprochen.
Herr Fornari, was fasziniert Sie besonders an Mozart? Und wie kam es dazu, dass Sie in Brixen das Festival “Mozart & Friends” ins Leben gerufen haben?
Giacomo Fornari: Dafür gibt es verschiedene Gründe. Der erste Grund ist musikalischer Art: Die Qualität von Mozarts Musik steht außer Frage, und das interessiert mich natürlich sehr.
Der zweite Grund, der meiner Meinung nach ebenso wichtig ist, betrifft die Persönlichkeit Mozarts. Er war ein sehr ironischer und sympathischer Komponist, und seine Musik ist außerdem sehr einfühlsam. Das hat mich schon immer zu dieser Persönlichkeit hingezogen
Die dritte wichtige Motivation ist, dem Publikum die Liebe zu diesem Komponisten näherzubringen. Das sind die Gründe, die mich dazu bewegt haben, dieses Festival zu gründen.
Es gibt mehrere bekannte „Mozart-Städte“ wie Salzburg, Wien und auch Prag. Aber was hat Brixen mit Mozart zu tun?
Brixen hat sehr viel mit Mozart zu tun, denn Mozart war im Zuge seiner Italienreisen sechsmal hier. Das waren nicht nur kurze Stopps auf der Durchreise, sonder er hat hier sogar in der Hofburg musiziert. Außerdem hatte er Freunde, die aus Brixen stammten. Dadurch entstand eine sehr enge Verbindung zwischen Mozart und unserer Stadt. Deshalb schien es mir richtig, ein Festival ins Leben zu rufen, das von dieser nicht unwichtigen historischen Grundlage ausgeht.
Was ist das Besondere am Festival in Brixen? Warum sollte man es nicht verpassen?
Dafür gibt es viele Gründe. Sicherlich ist das Konzept sehr ungewöhnlich, weil es von einem anderen Konzertverständnis ausgeht. Für uns ist das Konzert nicht der Endpunkt, sondern der Ausgangspunkt für ein umfassenderes Ereignis. Normalerweise gibt es zunächst Diskussionen oder kleine Konzerte, die auf bestimmten, klar definierten Themen beruhen. Danach folgt ein kleines, aber stets sehr stilvolles Buffet und anschließend ein etwas größeres Konzert.
Für uns ist es wichtig, das Konzert in einen größeren Zusammenhang einzubetten: zu verstehen, warum wir Mozarts Musik hören sollten, wie wir sie hören können und welche Aktualität Mozarts Musik besitzt.
In diesem Sinne laden wir renommierte Intellektuelle, Experten und internationale Spezialisten ein, die das Publikum auf dieser Entdeckungsreise begleiten können.
Welche Veranstaltungen sind aus Ihrer Sicht die besonderen Höhepunkte des Festivals?
In der Logik eines Festivals gibt es einige Veranstaltungen, die wichtiger sind als andere. Das ist beabsichtigt, ohne deshalb die übrigen Veranstaltungen abzuwerten.
Sicherlich ist der Eröffnungsabend am 24. September besonders wichtig. Wir haben die Gelegenheit, eine Fernsehpersönlichkeit zu erleben, die Mozart sehr liebt und sich öffentlich zu dieser Leidenschaft bekennen wird: Michele Mirabella. Am selben Abend werden zwei sehr bedeutende Konzerte von Mozart aufgeführt: ein Konzert für Violine und Orchester sowie das Konzert für Klarinette und Orchester. Das ist natürlich äußerst interessant.
Zu den Höhepunkten gehört sicher auch das Konzert mit dem Haydn-Orchester von Bozen und Trient. Es präsentiert Mozart gemeinsam mit anderen Komponisten, zum Beispiel mit Gustav Holst, der ein großer Mozart-Liebhaber war. Das wird ein wichtiger Abend.
Besonders hervorheben möchte ich außerdem das Konzert des Südtirol Filarmonica Ensembles, das erneut mit dem Pianisten Andrea Bacchetti auftritt. Wie bereits im letzten Jahr führt es Mozarts Klavierkonzerte in der Fassung für Streichquartette auf. Nach und nach sollen so alle Klavierkonzerte Mozarts aufgeführt werden.
Am Sonntag, dem letzten Festivaltag, stehen die sechs Mailänder Quartette Mozarts auf dem Programm. Mozart komponierte diese sechs Streichquartette für Mailänder Mäzene, über die wir sehr wenig wissen. Sie werden nur sehr selten alle gemeinsam aufgeführt. Ich glaube, dass dies in Südtirol bisher noch nie geschehen ist. Es handelt sich um wunderschöne Quartette.
Und dann gibt es noch eine kleine Besonderheit: Claudio Calabrese wird ein Mozart-Porträt präsentieren, das möglicherweise versteigert wird.
Es gibt also viele wichtige Gründe, das Festival zu besuchen. An jedem Abend bietet sich die Gelegenheit, Mozarts Musik auf eine andere Art und Weise zu erleben.

Das Haydn Orchester von Bozen und Trient tritt beim Festival auf. (Foto: Haydn Orchester)
Kann man also sagen, dass man in Brixen Mozart-Musik hört, die an anderen Orten nicht oder nur selten aufgeführt wird?
Ja. Bereits bei der ersten Ausgabe des Festivals vor inzwischen vier Jahren präsentierten wir zum allerersten Mal zwei unveröffentlichte Mozart-Werke, zwei wirklich sehr kleine Stücke.
Unser Grundsatz besteht genau darin, Bedingungen zu schaffen, unter denen man Mozart jenseits seiner Sinfonien in C-Dur und g-Moll kennenlernen kann. Diese werden natürlich völlig zu Recht immer wieder aufgeführt. Aber Mozart hat insgesamt 626 Werke komponiert.
Unsere Idee ist es daher, neben den bekannten Werken auch unbekannte oder zumindest wenig bekannte Stücke vorzustellen und sie in einen anderen intellektuellen Zusammenhang einzubetten.
Das Programm
Donnerstag, 24. September 2026
19 Uhr: Mozart in book
Mozart: Ein ungeschriebenes Buch mit Michele Mirabella und Giacomo Fornari (Podiumsdiskussion in italienischer Sprache)
Umtrunk
20:30 Uhr: Konzert mit dem Euregio Chamber Orchestra
Alina Komisarova (Geige)
Rocco De Bernardis (Klarinette)
Euregio Chamber Orchestra
Jan Zarzycki (Dirigent)
W. A. Mozart, Violinkonzert KV 211 (Allegro moderato, Andante, Rondeau, Allegro)
Klarinettenkonzert KV 622 (Allegro, Adagio, Rondò. Allegro)
A. Salieri, Sinfonia veneziana in d-moll (Allegro assai, Andantino grazioso, Presto)
Freitag, 25. September 2026
18 Uhr: Mozart und die Aufklärung
Podiumsdiskussion mit Giacomo Fornari und Helmut Reinalter verbunden mit einem Konzert. Auf dem Programm Mozarts Freimaurermusik: An die Freude KV 53 (47e), Die Zufriedenheit KV 349 (367a), Ridente la calma KV 152 (210a), O Heiliges Band KV 148 (125h), Gesellenreise KV 468, Die ihr des unermeßlichen Weltalls KV 619. Ausführende: Victoria Bruneo Sanchez (Sopran), Milad Ban (Tenor), Claudio Vadagnini (Klavier)
Umtrunk
20 Uhr: Konzert mit dem Haydn Orchester von Bozen und Trient
Haydn Orchester von Bozen und Trient
Marco Mandolini (Solo-Violine und Dirigent)
W. A. Mozart, Adagio und Fuge KV 546
F. Schubert, Fünf deutsche Tänze D 90
G. Holst, St. Paul’s suite (Jig, Ostinato, Intermezzo, Finale)
Nino Rota, Konzert für Streicher (Preludio. Allegro ben moderato e cantabile, Scherzo. Allegro comodo, Aria. Allegro quasi adagio, Finale. Allegrissimo)
Samstag, 26. September 2026
17 Uhr: Mozart on Flute – Die Familie Mozart
W. A. Mozart, Sonate KV 13 (Allegro, Andante, Menuetto I/II)
Giuseppe Gariboldi, Wolfgang. Fantasia sul Flauto magico
Franz Xaver Mozart, Rondò in e-Moll
Franz Xaver Mozart, Alina-Marsch
Tito Ciccarese (Flöte), Pierluigi Di Tella (Klavier)
Umtrunk
20 Uhr: Mozart in Black and White
Konzerte für Klavier und Orchester
Thomas Hochradner (Moderation)
Andrea Bacchetti (Klavier)
Südtirol Filarmonica Ensemble: Thomas Schrott und Ursula Mühlberger (Geige), Ester Carturan (Bratsche), Martin Pratissoli (Cello), Norbert Gianmoena (Kontrabass)
F. J. Haydn, Klavierkonzert in der Fassung für Streicher Hob. 18, Nr. 11(Vivace, Un poco Adagio, Rondò all’Ungarese. Allegro assai)
W. A. Mozart, Klavierkonzert in der Fassung für Streicher KV 415 (387b) (Allegro, Andante, Allegro)
Sonntag, 27. September 2026
11 Uhr: W.A. Mozart: Die sechs „Mailänder“ Quartette
Labirinti armonici: Andrea Ferroni (Geige), Ivo Crepaldi (Geige), Alexander Monteverde (Bratsche), Ivo Brigadoi (Cello)
Thomas Hochradner (Moderation)
Streichquartette KV 155 (134a) „Bozen“ (Allegro, Andante, Molto allegro); KV 156 (134b) (Presto, Adagio, Tempo di Menuetto); KV 157 (Allegro, Andante, Presto); KV 158 (Allegro, Andante, Tempo di Minuetto); KV 159 (Andante, Allegro, Rondo. Allegro giocoso); KV 160 (159a) (Allegro, Un poco Adagio, Presto).
Umtrunk
15 Uhr: Mozart in Black and White
Daniele Basilico, Klavier (Preisträger des Sonderpreises Atri Rotary Club)
W. A. Mozart, Sonate KV 332 (300k) (Allegro, Adagio, Allegro assai), L. van Beethoven, Sonate Patetique op. 13 (Grave-Allegro di molto e con brio, Adagio cantabile, Rondo: Allegro)

