Ein Morgenspaziergang in Kopenhagen

Die kleine Meerjungfrau

Wer kennt sie nicht, die kleine Meerjungfrau? Nur 125 cm ist das Wahrzeichen der dänischen Hauptstadt groß. Vom Wasser und vom Land aus ist die kleine Bronzefigur von Edvard Eriksen (1876–1959) zu sehen.

Will man die kleine Meerjungfrau nach dem Märchen von H.C. Andersen in Ruhe betrachten, gilt es früh unterwegs zu sein. Denn tagsüber drängen sich viele Menschen am Ufer oder balancieren über die Steine, um eines der beliebtesten Motive Kopenhagens fotografisch festzuhalten. Dabei war es am 23. August 1913, als die kleine Meerjungfrau aufgestellt wurde, noch keineswegs abzusehen, dass sie einmal so berühmt werden sollte.

Die kleine Meerjungfrau

Nur ein paar Arbeiter, die den Transport und die Montage überhatten, der Bildhauer Edvard Eriksen, der Gartenarchitekt Erik Erstad-Jørgensen und der Brauereiunternehmer Carl Jacobsen (1842–1914) und dessen Schwiegermutter, Frau Stegmann, waren anwesend, als die rund 100 kg schwere Statue an ihren ursprünglichen Platz kam. Auch darum war im Vorfeld gerungen worden, denn Jacobsen, der die Figur in Auftrag gegeben hatte und der Stadt Kopenhagen zum Geschenk machte, hatte zunächst daran gedacht, sie auf einer Insel im Wasser anbringen zu lassen, was sich nicht umsetzen ließ. Ganz glücklich zeigte er sich mit der gewählten Positionierung der Figur nicht, da man nicht von allen Seiten um sie herumgehen und sie so eindrücklick bewundern kann.

Die kleine Meerjungfrau geht auf das gleichnamige Märchen von Hans Christian Andersen zurück, in dem die Meeresbewohnerin alles aufgibt, was ihr lieb und teuer ist, nur um an Land dem von ihr geliebten Prinzen nahe zu sein. Ein Happy End gibt es bei Andersen nicht. Die kleine Meerjungfrau löst sich in Schaum auf und verwandelt sich in einen Luftgeist.

Im Dezember 1909 feierte am Königlichen Theater das gleichnamige Ballett Premiere. Begeistert von dieser Aufführung und der Primaballerina Ellen Price ließ Jacobsen der kleinen Meerjungfrau und Ellen Price ein Denkmal setzen. Eriksen gab seinem Meereswesen zwar die Gesichtszüge der Primaballerina, für den Körper der Figur saß ihm hingegen seine Frau Eline stundenlang Modell.

Rund ums Thema Wasser

Als die kleine Meerjungfrau im Jahr 1913 an der Langelinie aufgestellt wurde, war sie nicht die erste Skulptur an der Uferpromenade. Weiter nördlich stehen zwei Männerfiguren, die sich ebenfalls ums Thema Wasser drehen.

Eine von ihnen ist der athletische „Schwimmer“ des schwedischen Bildhauers Johan Börgeson (1835–1910), der seit 1909 auf das kleine Hafenbecken blickt.

Carl Aarsleff (1852–1918), ein dänischer Bildhauer, schuf die Figur „Nach dem Bade“. Sie stammt ebenfalls aus dieser Zeit und zeigt eine nackte Männerfigur, die sich abtrocknet. Aarsleff war Professor an der dänischen Kunstakademie in Kopenhagen, der er von 1914 bis 1917 als Direktor vorstand.